Wer darf länger in die Mittelstufe?

Seehofer: Zugang zu G9 nicht willkürlich begrenzt

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Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer: "Jeder, der unter pädagogischen Gesichtspunkten eine längere Lernzeit braucht, wird die längere Variante wählen können."

München -Diese Frage ist bislang nicht zweifelsfrei geklärt: Wie viele Gymnasiasten dürfen sich künftig für eine verlängerte Mittelstufe entscheiden? Der Regierungschef sagt: alle, die mehr Zeit brauchen.

Im Streit um die Gymnasialreform hat Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) klargestellt, dass der Zugang zur verlängerten Mittelstufe nicht willkürlich begrenzt wird - weder in der zweijährigen Pilotphase noch danach. „Jeder, der unter pädagogischen Gesichtspunkten eine längere Lernzeit braucht, wird die längere Variante wählen können“, sagte Seehofer der Deutschen Presse-Agentur dpa in München. Er konkretisierte die Aussage seines Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU), wonach der Zugang nicht bei einem gewissen Prozentsatz der Schüler gedeckelt wird. „Wenn in einer Schule der Anteil bei 80 Prozent liegt, pädagogisch begründet, dann sind es eben 80 Prozent. Dann kann nicht die Politik sagen, Pädagogik ersetzen wir durch Mathematik“, betonte der Ministerpräsident.

Die CSU-Pläne sehen vor, dass Gymnasiasten künftig die Möglichkeit haben sollen, die Mittelstufe in vier statt in drei Jahren zu durchlaufen. Voraussetzung ist - so die vage Formulierung - ein pädagogischer Bedarf. Ein solcher Bedarf kann laut Spaenle auch mit einem Auslandsjahr oder besonderem Engagement abseits der Schule begründet werden. Der jüngste Streit über die Reform hatte sich daran entzündet, dass in einem Kabinettspapier eine 25-Prozent-Marke als Begrenzung für den Zugang zur „Mittelstufe plus“ angegeben war.

Seehofer betonte nun, es gehe strikt „nach pädagogischen Gesichtspunkten im Interesse des Kindes. Und nicht nach irgendeiner politischen Ideologie, das wäre ganz falsch.“ Die Reform werde ja gemacht, um Kindern zu helfen. „Und das geht nur, wenn man einen pädagogischen Ansatz wählt und keinen politischen“, betonte Seehofer. „Wenn man dann sagen würde, es dürfen nur 25 oder 50 Prozent sein, dann wäre das völlig willkürlich. Das ginge an den Kindern vorbei.“ Das habe auch das Kabinett inzwischen ja noch einmal klargestellt.

Das Modell der „Mittelstufe plus“ soll ab kommendem Schuljahr landesweit erprobt werden. Die Gymnasien, die an dem zweijährigen Pilotversuch teilnehmen dürfen, sollen im Februar feststehen.

Von der SPD-Opposition im Landtag erhielt Seehofer überwiegend Zustimmung. Der Bildungssprecher der Sozialdemokraten, Martin Güll, sagte, er begrüße es, dass Seehofer „ein Stück weit auf SPD-Linie einschwenkt“ sei. „Damit ist das G9 durch die Hintertüre auch in Bayern wieder möglich. Es wird faktisch ein Wahlrecht geben, und wir nehmen Seehofer hier beim Wort.“ Der freie Zugang zur Mittelstufe plus sei auch die einzig vernünftige Lösung, wenn man das Gymnasium nicht grundsätzlich wieder auf neun Jahre festlegen wolle.

Die SPD-Landtagsfraktion bleibt nach den Worten von Güll jedoch bei ihrer Forderung, das G8 durch ein modernes G9 zu ersetzen: „Wer den jungen Leuten auf dem Weg zum Abitur ausreichend Bildungszeit und nachhaltiges Lernen ermöglichen will, um eine fundierte Studierfähigkeit zu ermöglichen, kommt an einem neunjährigen Gymnasium nicht vorbei.“

dpa

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