Wer bekommt Minister-Posten?

Wen setzt Seehofer auf welchen Stuhl?

+
Ministerpräsident Horst Seehofer auf der noch leeren Regierungsbank im bayerischen Landtag.

München - Eines ist sicher: Heute wird Horst Seehofer zum Ministerpräsidenten gewählt und anschließend vereidigt. Wer aber in seinem neuen Kabinett sitzen wird, darüber hat der CSU-Chef bislang (fast) nichts verlauten lassen.

Erst am Mittwoch wird Seehofer offenlegen, wer was wird in der neuen bayerischen Regierung. Bis dahin sollen sowohl die Personalentscheidungen als auch die Veränderungen der Zuständigkeiten der einzelnen Ministerien möglichst geheim bleiben. „Es gibt bei jeder Lösung mehrere Blickwinkel, die man anstellen kann“, so Seehofer. Er habe bei Weitem noch nicht alle Gespräche geführt. „Das wird Mittwoch früh werden.“ Die tz schaut schon mal, in welche Richtung sich das CSU-Personalkarussell drehen wird.

Superministerin Ilse Aigner: Nachdem klar war, dass nicht die Chefin der Oberbayern-CSU, sondern der bisherige Staatskanzleichef Thomas Kreuzer den Fraktionsvorsitz übernimmt, musste ein ganz besonderes Ministerium her: Denn für eine Bundesministerin, die extra für den Bayern-Wahlkampf auf ihr Amt in Berlin verzichtet hat, wäre ein „normales“ Ministerium eindeutig ein Abstieg. Deshalb soll die 49-jährige „Kronprinzessin“ ein Superministerium bekommen. Konkret könnte das das bislang von FDP-Mann Martin Zeil geführte Wirtschaftsministerium sein, das zusätzlich die gesamte Verantwortung für die Energiewende bekommt. Damit bleiben zum einen die Reibungsverluste zwischen verschiedenen Ressorts aus – und Aigner hat bei einem der wichtigsten politischen Themen viel Gelegenheit, sich zu profilieren.

Super-Finanzminister Markus Söder: Weil neben der Kronprinzessin auch der Kronprinz nicht zu klein erscheinen darf, soll auch Söders Finanzministerium zusätzliche Kompetenzen bekommen. Denkbar ist, dass er aus dem Wirtschaftsministerium die Kompetenz für den für die ländlichen Regionen so wichtigen Ausbau des schnellen Internets bekommt. Schon vor der Wahl hatte Söder mit Zeil schon darum gestritten und erklärt: „Das Finanzministerium ist auch Digitalisierungsministerium.“ Söder hatte gefordert, dass künftig die bayerische Vermessungsverwaltung für dieses Thema zuständig sein solle.

Agrarminister-Favorit Albert Füracker: Unter Druck geraten sind alle Minister und Staatssekretäre, die in die Verwandtenaffäre verwickelt waren – außer Ludwig Spaenle, dem Seehofer schon vor der Wahl zugesichert hatte, dass er seinen Posten als Schulminister behalten werde – quasi als „Flexi-Jahr“ statt Sitzenbleiben. Wohl gezählt sind die Tage von Landwirtschaftsminister Helmut Brunner. Retten könnte Brunner allenfalls die Tatsache, dass die Wähler ihm die Beschäftigung seiner Frau als Mitarbeiterin verziehen haben: Er legte bei den Erststimmen sogar um 9,5 Prozentpunkte zu. Ein Favorit für Brunners Nachfolge ist Albert Füracker, der mit einem super Ergebnis von 56,65 Prozent sein Direktmandat im oberpfälzischen Stimmkreis Neumarkt verteidigte. Seehofer selbst hatte dem 45-jährigen Nebenerwerbslandwirt Füracker eine „große Zukunft“ prophezeit – wenn nicht als Minister, dann vielleicht als neuer CSU-Generalsekretär?

Heimatministeriums-Favoritin Melanie Huml: Das neue Ressort ist ein Zuckerl Seehofers für die Nordbayern, denn das Heimatministerium soll nicht in München, sondern in Franken angesiedelt werden. Im Gespräch ist neben Bayreuth oder Würzburg auch Bamberg – die Heimat von Melanie Huml. Die bisherige Gesundheitsstaatssekretärin gilt als Favoritin für den neu geschaffenen Posten. Unklar ist noch, was genau die Aufgaben des neuen Ministeriums sein sollen, aber auch, ob es wirklich ein richtiges Ministerium oder nur eine regionale Außenstelle der Staatskanzlei wird. So oder so, SPD-Fraktionschef Markus Rinderspacher hält „die Idee, Heimat zentral zu organisieren, für eine Schnapsidee“.

Justizminister-Favorit Florian Herrmann: Eine der umstrittensten Figuren des vergangenen Seehofer-Kabinetts war zweifellos Beate Merk, die bei der Bewältigung der Mollath-Affäre eine mehr als unglückliche Figur gemacht hatte. Trotzdem war es ihr gelungen, in ihrem Stimmkreis Neu-Ulm mit 47,1 Prozent das Direktmandat zu gewinnen. Zudem könnte Merk davon profitieren, dass Seehofer nicht genügend „ministrable“ Frauen in der CSU hat. Sollte die Justizministerin stürzen, gilt Florian Herrmann als Favorit für das Justiz-Ressort. Der Freisinger Jurist hat sich als Chef des Mollath-Untersuchungsausschusses bewährt. Herrmann ist der Sohn des Präsidenten der Technischen Universität München, Wolfgang Herrmann.

Innenminister Joachim Herrmann: Dass der einstige CSUFraktionschef im Innenministerium bleibt, ist so gut wie sicher.

Christine Haderthauer: Die Ingolstädterin ist für ein Ministerium gesetzt – ob sie, die immer wieder als zu „herzlos“ fürs Sozialministerium kritisiert wurde, aber ein anderes Ressort bekommt, ist offen.

Umweltminister Marcel Huber: Mit 63,1 Prozent in seinem Stimmkreis Mühldorf fuhr Huber das beste Ergebnis der Landtagswahl ein. Damit hat er sich eigentlich für jedes Ressort empfohlen – sofern er nicht Umweltminister bleiben will.

Europaminister-Favoritin Angelika Niebler: Die bisherige Ressortleiterin Emilia Müller war wohl die farbloseste Figur im alten Seehofer-Kabinett, deshalb wackelt ihr Stuhl. Da es nicht gerade viele CSU-Frauen gibt, denen ein Ministeramt zugetraut wird, gilt als wahrscheinlichste Nachfolgerin die Europaabgeordnete Angelika Niebler.

Klaus Rimpel

Auch interessant

Meistgelesen

Serdar Somuncu gegen den IS: „Was muss das für ein elender Gott sein“
Serdar Somuncu gegen den IS: „Was muss das für ein elender Gott sein“
Besuch von Konzert: Guardiola bangte um Frau und Kinder
Besuch von Konzert: Guardiola bangte um Frau und Kinder
Nach Angriff auf Christen: Ägypten greift „Terrorcamps“ in Libyen an
Nach Angriff auf Christen: Ägypten greift „Terrorcamps“ in Libyen an
Polizei nimmt vier mutmaßliche Islamisten in Berlin fest
Polizei nimmt vier mutmaßliche Islamisten in Berlin fest

Kommentare