Nach Brüderle-Äußerungen

Sexismus: Twitter-Lawine mit Alltagserfahrungen

München - Die Äußerungen von Rainer Brüderle haben die Debatte über Sexismus im Alltag angefacht. Via Twitter schildern zahlreiche Nutzerinnen ihre Erfahrungen.

Alles hat mit einem Stern-Artikel angefangen. Die 29-jährige Journalistin Laura Himmelreich beschreibt in ihrem Text, wie sie von FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle im vergangenen Jahr am Vorabend des Dreikönigstreffens der Liberalen an der Bar angemacht wurde. Für die Twitter-Nutzerin „Fröken von Horst“ war der Artikel Grund genug, ihre eigenen Erfahrungen mit dem alltäglichen Sexismus bei Twitter zu veröffentlichen. Nutzerin Anne Wicorek schlug ihr vor, „wir sollten diese erfahrungen unter einem hashtag sammeln. ich schlage #aufschrei vor.“

Gesagt, getan. Damit haben die beiden Nutzer eine Lawine von Einträgen ausgelöst. Im Sekundentakt erzählen Frauen und Männer von ihren Erlebnissen mit Sexismus im Alltag – bei der Arbeit, in der Trambahn oder in der Schule. Zehntausende solcher Wortmeldung unter dem Stichwort „#aufschrei“ sind seit Freitag früh veröffenlticht worden. Der Begriff „#aufschrei“ schaffte es sogar auf einen Platz unter den ersten zehn der weltweit wichtigsten Twitter-Begriffe – ungewöhnlich für einen deutschsprachigen Begriff. Vor allen Frauen twitterten über erlebte Beleidigungen, Diskriminierungen und Übergriffe. Prominente wie die Ex-Piraten-Frontfrau Marina Weißband sind genauso dabei wie der Öffentlichkeit unbekannte Nutzer. Aber auch Männer beteiligten sich an der Diskussion.

Damit stellen die Nutzer in kurzer Zeit eine Öffentlichkeit her, die die Diskussion über die alltäglichen Belästigungen auf eine völlig neue Grundlage hieven könnte. Viele Nutzer zeigten sich aufrichtig betroffen und überrascht von den Nachrichten. Vom eigentlichen Fall Brüderle hat sich die Debatte jedenfalls völlig gelöst – und längst geht es schon nicht mehr nur um sexistische Ausfälle von Männern gegenüber Frauen. „Es geht nicht um Frauen oder Männer. Distanzlosigkeit, Dummheit und Grenzüberschreitungen haben kein Geschlecht“, twitter etwa der Nutzer „Mirko K.“ Und Nutzerin „atomazin“ stellt fest: „Das Problem sind nicht die einzelnen Fälle, sondern eine Kultur, in der schon das Öffentlichmachen dieser als ,Tabubruch‘ gilt.“

Mk.

Leser-Aufruf: Melden Sie sich

Sind auch Sie schon Opfer von alltäglichem Sexismus geworden? Am Arbeitsplatz, in der Arztpraxis oder auf offener Straße? Melden Sie sich bei ihrer tz und schildern Sie uns ihren Fall. Sie erreichen uns per Mail unter politik@tz.de oder unter der Telefonnummer 089/5306-535. Oder schicken Sie uns ein Telefax an das Gerät mit der Nummer 089/5306-189.

Rubriklistenbild: © dpa

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