Modeschöpferin Laura Biagiotti gestorben

Modeschöpferin Laura Biagiotti gestorben

Schokolade, Kaffee, Reisen, Kleidung

So macht der Billig-Euro unser Leben teurer

+
Was die Export-Industrie freut, ärgert die Verbraucher: Der schwache Euro macht in Dollar gehandelte Produkte wie Kakao für die Schokolade und Kaffee ebenso teurer wie in Asien gefertigte Textilien, Smartphones oder Computer.

München - So gut der Billig-Euro für unsere Exportwirtschaft ist: Den Verbrauchern bleiben die negativen Seiten der Währungsschwäche. Wir nennen einige Beispiele.

Der schwache Euro hat für die Verbraucher überwiegend negative Auswirkungen“, so Rolf Bürkl, Marktforscher bei der GfK, gegenüber der tz. „Einen Vorteil davon haben allenfalls die Beschäftigten in exportorien­tierten Unternehmen. Für diese Unternehmen ist der niedrige Euro zusammen mit dem niedrigen Ölpreis eine Art Konjunkturprogramm“, so der Experte weiter. Laut einer Studie des Kreditversicherers Euler Hermes wird die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr um 2,7 Prozent oder 36 Milliarden Euro wachsen. Der schwache Euro trage dazu fünf Milliarden Euro bei. So gut der Billig-Euro also für unsere Exportwirtschaft ist: Den Verbrauchern bleiben die negativen Seiten der Währungsschwäche. Einige Beispiele:

Kaffee, Tee: „Alle Produkte aus Übersee, die in Dollar abgerechnet werden, können sich verteuern – bei Kaffee gab es ja bereits entsprechende Preiserhöhungen“, so Bürkl. Der Preis für ein Pfund Rohkaffee stieg seit Mitte 2014 von etwa 1,30 Euro auf mehr als 1,60 Euro. Anbieter wie Tchibo haben darauf bereits mit Preissteigerungen um 20 bis 30 Cent pro Pfund Kaffee reagiert.

Orangen- oder Ananassaft: Saftproduzenten müssen für Überseefrüchte wegen der derzeitigen Wechselkurse wesentlich mehr Geld auf den Tisch legen als bisher, so Thomas Mertens, Leiter Materialwirtschaft und Einkauf des Getränkeherstellers Wesergold gegenüber den Schaumburger Nachrichten. „Insgesamt ist der Wettbewerb im Lebensmittelbereich aber so scharf, so dass offen ist, ob sich die Umtausch-Verluste der Unternehmen voll auf die Verbraucher abwälzen lassen“, schränkt GfK-Experte Bürkl ein.

Milchprodukte: Anfang März hatte Aldi die Preise für Butter von 85 auf 99 Cent für das 250-Gramm-Paket angehoben. Neben einer Dürre in Neuseeland führten Experten diesen deutlichen Preisanstieg auch auf die Euro-Schwäche zurück. Aber GfK-Experte Bürkl ist hier optimistisch: „Milchprodukte könnten wegen des Wegfalls der Milchquote ab 1. April sogar billiger werden, da hier das Angebot größer wird.“

Schokolade: Auch Kakao wird in Dollar gehandelt – daraus ergebe sich „schon eine nennenswerte Verteuerung, die Eingang in die Kalkulation der Schokolade finden muss“, so Andreas Christiansen, Geschäftsführer des Kakao-Großhändlers HCCO gegenüber Bild.

Ölpreis, Benzin: „Vor allem im letzten Sommer hatte sich der Rohölpreis fast halbiert, derzeit schwankt der Barrel-Preis auf niedrigem Niveau zwischen 50 und 60 Dollar. Aber ohne die Euro-Abwertung wäre das Benzin noch billiger – ein Teil des Preisverfalls wird durch die Euro-Schwäche kompensiert“, erklärte Bürkl.

Kleidung, Schuhe: Die Textil-Branche geht von einem Preisanstieg bis zu zehn Prozent aus. „Weil in den Einkaufsländern in Asien entweder in Dollar gehandelt wird oder die jeweilige Landeswährung an den Dollar gekoppelt ist, schlägt die anhaltende Euro-Schwäche voll durch“, so der Vorstandschef des Bielefelder Modedienstleisters Katag, Daniel Terberger, in der Welt.

Unterhaltungs-Elektronik: „Da Produkte wie Smartphones überwiegend in Asien hergestellt und in Dollar gehandelt werden, drohen auch hier Preiserhöhungen“, fürchtet Bürkl.

Zulieferer: „Auch bei im Euro-Raum gefertigten Produkten drohen Preissteigerungen, wenn sie Teile aus dem Nicht-Euro-Raum zuliefern lassen, etwa in der Autoindustrie“, fürchtet Bürkl.

Reisen: „Der Urlaub in Nicht-Euro-Ländern wie den USA, Großbritannien oder in asiatischen Staaten wird teurer“, so Bürkl. Bei Pauschalreisen ist das allerdings noch nicht gleich zu spüren – hier wurden für die Kataloge bereits im vergangenen Jahr Festpreise ausgehandelt.

Langfristige Preisentwicklung: „Zuletzt, zwischen Februar und März, sind die Preise bereits um 0,5 Prozent gestiegen – schwer zu sagen, wie es weitergehen wird. Aber da die Unternehmen nach den meist relativ hohen Tarifabschlüssen versuchen werden, ihre höheren Personalkosten an die Verbraucher weiterzugeben, und da die Kauflaune der Deutschen auch wegen dieser guten Tarifabschlüsse ungebrochen hoch ist, ist von wieder stärker steigenden Preisen auszugehen“, so das Fazit von GfK-Experte Bürkl.

KR

Auch interessant

Meistgelesen

23 Tote in Manchester: Das sind die ersten Reaktionen
23 Tote in Manchester: Das sind die ersten Reaktionen
AfD-Politiker wünscht sich islamistische Anschläge in Deutschland
AfD-Politiker wünscht sich islamistische Anschläge in Deutschland
Impeachment-Verfahren: Steht die Amtsenthebung Trumps bevor?
Impeachment-Verfahren: Steht die Amtsenthebung Trumps bevor?
SPD-Parteizentrale evakuiert - Polizei gibt Entwarnung
SPD-Parteizentrale evakuiert - Polizei gibt Entwarnung

Kommentare