So viel Islam steckt in Deutschland

+

Bremen - Einen Tag nach der Bremer Rede des Bundespräsidenten zum 20. Jahrestag der Deutschen Einheit erntet Christian Wulff viel Beifall. Die tz erklärt, wie viel Islam wirklich in Deutschland steckt.

Besonders Wulffs Bekenntnis, der Islam gehöre inzwischen zu Deutschland wie das Christen- und das Judentum, stieß auf überwiegend positive Reaktionen. Der Zentralrat der Muslime in Deutschland sprach von einem „wichtigen Signal für alle Muslime in Deutschland“, während Kanzlerin Angela Merkel die Forderung nach deutschsprechenden Imamen und der uneingeschränkten Orientierung der Muslime am Grundgesetz erneuerte. Der CSU-Politiker Norbert Geis kritisierte Wulffs Aussage dagegen als missverständlich. Eine Gleichsetzung mit Juden- und Christentum „wäre falsch und realitätsfern“.

Die tz erklärt, wie viel Islam wirklich in Deutschland steckt:

Wie nennt man Angehörige des Islams überhaupt richtig?

Veraltet und abwertend aufgefasst wird der Begriff Mohammedaner, weil damit die Rolle des Propheten Mohammed überhöht wird. Allgemein wird daher von einem Moslem gesprochen, das Wort Muslim ist die fachsprachliche Bezeichnung.

Wie viele Muslime gibt es in Bayern?

Schätzungen gehen von 300 000 aus, 13 Prozent der insgesamt rund vier Millionen Muslime Deutschlands (rund fünf Prozent der Gesamtbevölkerung).

Woher kommen sie?

Sie stammen (ursprünglich) aus rund 50 Ländern. 45 Prozent der bei uns lebenden Muslime haben einen deutschen Pass. Die Mehrzahl der in Deutschland lebenden ausländischen Muslime besitzen die türkische Staatsangehörigkeit.

Wie gläubig sind die Muslime?

Aus der Studie Muslimisches Leben in Deutschland aus dem Jahr 2009 geht hervor, dass sich 36 Prozent selbst als stark gläubig einschätzen, weitere 50 Prozent als eher gläubig. Umfragen zufolge sind nur 20 Prozent der zugewanderten Muslime Mitglied in einem religiösen Verein oder einer Gemeinde.

Ist Muslim gleich Muslim?

Nein, 74 Prozent der hierzulande lebenden Muslime rechnen sich den Sunniten zu, 12 Prozent zu den Aleviten, einer Variante der Schiiten, denen bei uns sieben Prozent angehören.

Wie zufrieden sind die Muslime in Deutschland?

Laut einer Studie über Berliner Muslime fühlen sich sich 70 Prozent in ihrem Viertel wohl, jeder Vierte versteht sich als Deutscher. Nur elf Prozent der Muslime haben den Eindruck, als Mitbürger gleicher Nationalität angesehen zu werden.

Was sind ihre wichtisten Feiertage?

Sie feiern zwei wichtige religiöse Feste: Das Ramadanfest im Anschluss an den Fastenmonat Ramadan und das Opferfest im Anschluss an die Zeit der Pilgerfahrt.

Glauben die Muslime an einen anderen Gott als Christen oder Juden?

Nein. Muslime, Christen und Juden glauben an denselben Gott.

Dürfen Muslime Nichtmuslime heiraten?

Laut Koran dürfen Männer das, aber nur christliche oder jüdische Frauen. Muslimische Frauen müssen dagegen muslimische Männer ehelichen, weil der Islam andersgläubigen Männern in einer derartigen (hypothetischen) Mischehe eine islamische Religionsausübung nicht vorschreiben kann. Tatsächlich heiratet ein Muslim in drei Viertel der Fälle eine Glaubensschwester, eine Muslima ehelicht zu 87 Prozent einen Muslim.

Wie viele Muslima tragen ein Kopftuch?

Einer Umfrage unter 3737 Frauen und Mädchen zufolge verhüllt sich mit 28 Prozent nur eine Minderheit. 72 Prozent tragen kein Kopftuch. Am häufigsten tragen das Kopftuch Muslima aus Nordafrika (35 %) und der Türkei (31 %). 6,7 Prozent erfüllen damit den Wunsch ihres Mannes oder der Familie. Faustregel: Je älter eine Muslima ist, desto eher trägt sie ein Kopftuch.

Wie viele Moscheen gibt es bei uns?

Das Zentralinstitut Islam-Archiv zählte 2008 bundesweit 206 Moscheen. In der Regel beten Muslime in einem der etwa 2600 einfachen Gebetshäuser oder Hinterhofmoscheen. In Planung oder im Bau sind etwa 120 Moscheen, die auch ein gesellschaftliches Zentrum darstellen. Die größte Moschee steht in Duisburg.

Wer bildet die Imame aus?

Es gibt in Deutschland 1250 hauptamtliche und weitere rund tausend ehrenamtliche Imame. Laut Zentralrat der Muslime kommen 90 Prozent von ihnen aus der Türkei. Sie sprechen ausnahmslos Türkisch. Sie sind vom staatlich geführten Amt für religiöse Angelegenheiten in Istanbul ausgebildet und werden meist für vier Jahre nach Deutschland entsendet.

Sind Muslime gewaltbereit?

Laut einer Studie des Innenministeriums von 2007 werden sechs Prozent als „gewaltaffin“ eingestuft.

Wie häufig leben Muslime auf Kosten des Steuerzahlers?

Jeder fünfte Zugewanderte lebt in einem Haushalt, wo staatliche Transferleistungen die einzige Einkommensquelle sind.

MPB/WAS

Türkisches Nationalteam begeistert empfangen

Türkisches Nationalteam begeistert empfangen

Am Montag ist die türkische Nationalmannschaft in Deutschland gelandet. Am Berliner Flughafen wurden die Spieler begeistert empfangen. © dpa
Tuncay Sanli © dpa
Ibrahim Toraman © dpa
Volkan Demirel © dpa
Fans begrüßen die türkische Mannschaft © dpa
Fans begrüßen die türkische Mannschaft © dpa
Arda Turan © dpa
Servet Cetin © dpa
Semih Sentürk © dpa
Anschließend ging's für Semih Sentürk & Co. weiter ins Quartier - das Resort Schwielowsee bei Werder (Brandenburg) © dpa
Tuncay Sanli © dpa
Ibrahim Toraman (l.) und Necip Uysal © dpa
Arda Turan © dpa
Nihat Kahveci © dpa

Auch interessant

Kommentare