CSU-Chef omnipräsent

Söder führt Fernduell gegen Laschet immer härter: Private SMS preisgegeben - interessante Spitze im TV

ZDF Talkshow "Lanz": Markus Söder ist aus München zugeschalten. Hajo Schumacher und Frank Schwabe hören ihm zu.
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Markus Söder: Der Bayerische Ministerpräsident führt das Kanzler-Kandidaten-Duell gegen Armin Laschet über alle denkbaren Kanäle.

Markus Söder kämpft mit harten Bandagen. Das Fernduell um die Kanzler-Kandidatur führt er gegen Armin Laschet immer wieder im TV. Mit teils fiesen Spitzen.

München – Irgendwann hat sogar der freundliche Markus Lanz genug: „Ich habe Ihnen jetzt schon mehrfach den Namen Armin Laschet* zugeworfen, aber Sie nehmen ihn partout nicht auf“, mosert der Moderator. Aber Markus Söder* will nicht über Laschet reden, zumindest nicht direkt. Ein halbe Stunde lang ergeht sich der CSU-Chef am Dienstagabend in Andeutungen und Auslassungen über den CDU-Kollegen. Und genau das macht seinen Auftritt in der Talkshow so besonders: Denn obwohl Söder wenig über Laschet sagt, tritt er ihm mit den Zwischentönen beständig gegen das Schienbein.

K-Frage: Söder liegt gegen Laschet vorn - CSU-Chef hinterlässt viele Andeutungen

Die K-Frage in der Union nähert sich der Entscheidung – und Söder ist omnipräsent. Nur wenige Stunden nach dem Lanz-Auftritt spricht der CSU-Chef schon wieder im Frühstücksfernsehen, mittags folgt dann die große Pressekonferenz in München. Rückenwind bekommt er durch Umfragen: Laut RTL/ntv-Trendbarometer würde Söder eine Direktwahl gegen die Konkurrenten Robert Habeck (Grüne) und Olaf Scholz (SPD) klar gewinnen – Laschet dagegen nicht.

Beide scheinen wild entschlossen, nach der Kandidatur zu greifen. Nur offen aussprechen will das weiter keiner, auch wenn die Andeutungen immer deutlicher werden. Am weitesten kommen derzeit Beobachter, die im Deutschunterricht einst gute Noten in Textinterpretation hatten. Zum Beispiel am Dienstagabend bei Markus Lanz, wo sich Söder wortreich um klare Antworten drückt, aber sehr viele Andeutungen hinterlässt – was auch ein Verdienst des ausdauernd nachfragenden Gastgebers ist. Zunächst einmal rückt Söder vom alten Mantra „Mein Platz ist in Bayern“ ab, mit dem er seine Berliner Ambitionen lange herunterspielte. Stattdessen heißt es nun „Ich bin an beiden Orten präsent.“ Ohne den CSU*-Vorsitzenden gehe im Koalitionsausschuss nach der Wahl ohnehin nichts. Kurz: „Man muss überall mit uns rechnen.“ Für manche in der CDU* klingt das wie eine Drohung. 

Ausdauernd lobt Söder die Zusammenarbeit mit den Kollegen Winfried Kretschmann (Baden-Württemberg) und Michael Kretschmer (Sachsen). Laschet kommt da nicht vor. Immerhin findet Söder dessen Vorschlag eines „Brücken-Lockdowns“ gut, wenngleich er sich den Hinweis nicht ersparen kann: „Ich habe diese These eigentlich, wenn ich das so sagen darf, immer vertreten, die Kanzlerin auch.“ Aber er freue sich über jeden, der sich der vorsichtigen Strategie anschließe. 

Harter Kanzlerkampf in der Union: Söder spricht öffentlich über private SMS von Laschet

Interessant ist auch, wie Söder berichtet, er habe vor der Sendung SMS-Kontakt mit Laschet gehabt. „Er sagte mir, ich solle friedlich sein – und das will ich auch auf jeden Fall machen.“ Zugleich erinnert er aber daran, dass der Konkurrent nach seinem Auftritt an gleicher Stelle vor einer Woche keine gute Presse bekam und fügt gönnerhaft an, der CDU-Chef beweise „ein großes Stehvermögen und Ausdauer und Kraft“.

In der Unionsfraktion in Berlin, wo angesichts sinkender Umfragen viele um ihr Mandat fürchten, wird das Schaulaufen der beiden Kandidaten genau beobachtet. Ein entscheidender Termin dürfte der kommende Sonntag werden, wenn die Fraktionsspitze zur Klausur zusammenkommt. Redner: Laschet und Söder. Titel: „Wie gestalten wir die Zukunft?“ Dass die beiden einen einvernehmlichen Personalvorschlag unterbreiten, wird aber nicht mehr erwartet. Zurückziehen dürfte so schnell keiner.

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