Recherche-Firma schnüffelt im Privatleben von Spitzenpolitikern

Spitzel-Affäre: Seehofer ausspioniert

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Auch Horst Seehofer war im Visier der Recherchefirma.

München - Spitzel-Angriff auf Horst Seehofer: Um ihm eine Affäre zu beweisen, spionierte eine Berliner Firma systematisch das Leben des Ministerpräsidenten aus: mit Kameras, Verfolgungen und Sendern.

Eine Berliner Foto- und Recherchefirma hat das Privatleben von Berliner Spitzenpolitikern systematisch ausspioniert – mit Videokameras, Auto-Verfolgungen und sogar mit Meldern, die an der Fußmatte der Privatwohnung angebracht werden sollten. Unter den Opfern der Spähattacke ist laut Angaben des Magazins Stern auch Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer!

Als die Bunte den Hinweis erhalten hatte, dass der damalige Bundesverbraucherminister Seehofer eine außereheliche Affäre habe, beauftragte die Illustrierte die Berliner Recherchefirma CMK herauszufinden, „ob es ein gemeinsames Foto des Politikers mit der jungen Dame gibt“, so Bunte-Chefredakteurin Patricia Riekel.

Doch die Methoden, mit denen CMK arbeitet, erinnern eher an Detektive aus schlechten Filmen als an Journalismus – das legen zumindest Aussagen von Ex-CMK-Mitarbeitern nahe sowie Unterlagen, die dem Stern vorliegen.

Demnach beschatteten CMK-Mitarbeiter Linke-Chef Oskar Lafontaine wochenlang, um Belege zu finden für das Gerücht, er habe ein Verhältnis mit der Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht.

Einer der Verfolger versuchte sogar, unter falschen Namen einen Praktikumsplatz in Lafontaines Büro zu bekommen. Der Besitzer eines Hausboots auf der Müggelspree mit Blick auf die Berliner Wohnung des Linken-Chefs wurde von zwei CMK-Leuten um Erlaubnis gefragt, eine Kamera auf seinem Schiff zu befestigen.

Die Späh-Aktion unter dem zynischen Codenamen „Scarface“ – in Anspielung auf Lafontaines Narbe am Hals, die er seit dem Messer-Attentat 1990 trägt – blieb ergebnislos.

Oskar Lafontaine

Das dritte prominente Opfer der CMK war Ex-SPD-Chef Franz Müntefering. Über Monate hinweg wurde dessen damaliger Wohnsitz in der Berliner Wilhelmstraße observiert. Ziel waren Details über und Fotos von seiner neuen Liebe, Michelle Schumann. Ein Melder für Münteferings Fußmatte wurde besorgt, so Ex-CMK-Mitarbeiter zum Stern. „Ein derartiger Melder macht eine Observation bequemer, indem er Signal gibt, wenn die Matte betreten wird, und er kann sogar mit einer Kamera zusammengeschaltet werden“, schreibt das Magazin. Ob die Technik zum Einsatz kam, können die CMK-Aussteiger allerdings nicht sagen. Zudem wurde eine Wohnung angemietet, von der aus eine Videokamera auf Müntes Apartment gerichtet worden sein soll.

Außerdem wurde die Wohnung Schumanns, der heutigen Ehefrau des Ex-SPD-Chefs, ins Visier genommen: „Wir präparierten den Briefkasten von Michelle Schumann mit Werbematerial. So konnten wir nachvollziehen, ob und wann sie zu Hause war, selbst wenn niemand von uns kontinuierlich vor ihrer Tür stand“, so der Ex-CMK-Mitarbeiter André Plath. Die 29-Jährige wurde sogar auf der stundenlangen Zugfahrt von Berlin nach Bochum verfolgt: „Im Zug saß ich eine Reihe hinter ihr“, so ein CMK-Aussteiger.

Die CMK tritt nach außen als Foto- und Rechercheagentur auf. Für ihr Büro in Berlin-Moabit ist jedoch auch der Betrieb einer Detektei registriert.

Bunte-Chefin Riekel räumt ein, die CMK mit den Recherchen zum Privatleben der Politiker beauftragt zu haben. Aber: „Über unlautere Methoden ist Bunte nichts bekannt.“ Die Bunte leitet juristische Schritte gegen den Stern ein: Es handele „sich hier um den Versuch der Verleumdung eines erfolgreichen Mitbewerbers“. CMK-Inhaber Stefan Kießling habe der Bunte-Chefredaktion auf Anfrage versichert, dass seine Agentur die im Stern gemutmaßten unlauteren Recherchemethoden nicht angewendet habe. Ferner erklärte er, dass er sich von zwei ehemaligen Mitarbeitern, auf die sich der Stern als Informanten beruft, im April 2009 im Streit getrennt habe.

Die CMK ließ eine schriftliche tz-Anfrage unbeantwortet.

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