Vom Wohnhaus bis zum Lieblingsrestaurant

Auf den Spuren von Franz Josef Strauß durch die Stadt

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München - Berühmt wurde er als Bundespolitiker und bayerischer Landesvater. Doch jenseits von Bundeskabinett und Staatskanzlei war Franz Josef Strauß ein Münchner Kindl. 

Wie der Münchner Merkur berichtet, ist an vielen Orten in der Stadt die Erinnerung an ihn fast 30 Jahre nach seinem Tod noch wach.

Die Hirsch-Gereuth-Straße

„Die Hirsch-Gereuth-Straße“, das ist in der CSU bis heute das Synonym für das Haus der Familie Strauß in Mittersendling. Das Privatleben dort hielt Strauß konsequent aus den Medien heraus, nur wenige offizielle Bilder zeigen ihn beim Spiel mit den Kindern oder im Garten des Anwesens mit der Hausnummer 28. Privates und Dienstliches verschwammen freilich auch hier: „Für bestimmte Anlässe hat er auch die Leute zu sich in die Hirsch-Gereuth-Straße geholt“, erinnert sich Stoiber. Innenminister Hillermeier etwa wurde wegen der Krawalle um Wackersdorf einbestellt. Heute macht das Anwesen mit Sauna, Whirlpool, Lift und Marmorsäulen sowie einer unterirdischen Schwimmhalle, in der Strauß fast jeden Morgen seine Bahnen schwamm, erneut Schlagzeilen: Es soll versteigert werden – Schätzpreis 2,7 Millionen Euro. Bei der Aufteilung des Erbes unter den drei Kindern war es Sohn Franz Georg zugesprochen worden, der mit seiner Firma in Finanznöte geraten ist. Bis 24. September hat Strauß noch Zeit, Geld aufzutreiben, um die Versteigerung abzuwenden.

Die Schellingstraße

Das Haus an der Schellingstraße 49, wo Strauß’ Eltern eine Metzgerei betrieben, wurde im zweiten Weltkrieg zerstört. Hier steht heute ein Neubau, die Hausnummern springen von 47 auf 51. Doch die Herkunft aus einfachen Verhältnissen sei für Strauß sehr wichtig gewesen, sagt Edmund Stoiber. „Es war für ihn immer eine Auszeichnung“. In den Dreißigern verkehrten im Viertel wegen der Nähe zum „braunen Haus“ am Königsplatz auch viele Nazi-Größen. Doch die waren im Hause Strauß nicht gern gesehen. „Er hat mir einmal erzählt, dass er als Bub mal ein Fahndl mit heimgebracht hat. Da hat er vom Vater gleich eine Watschn kassiert, und es hieß: Des bringst mir nimmer hoam“, berichtet Stoiber.

Das Oktoberfest

Schon als Bub war Franz Josef Strauß mit seinen Eltern oft auf der Wiesn. Mit seiner Wahl zum Ministerpräsidenten 1978 wurde das Oktoberfest endgültig zum Pflichttermin, gebührte ihm doch die erste Mass. Bei seinem Freund Günter Steinberg im Hofbräuzelt war er oft zu Besuch. „Er hat oft in der Wirtsboxe zu Mittag gegessen – und danach hat er gesagt ,Jetzt will ich da hinter zu euch‘“. Gemeint war das Stüberl, in das sich die Steinbergs zurückziehen, um die Abrechnung zu machen. „Er hat erwartet, dass wir da einen Bocksbeutel für ihn haben“, sagt Steinberg.

Einmal, als es auf zwei Uhr nachts zuging, hab ich gesagt: Franz Josef, jetzt haben wir keinen Wein mehr“, erzählt Steinberg. „,Warum?‘ hat er gefragt. Da hab ich gesagt: Weil wir ein Bierzelt sind.“ An seinem Todestag war Strauß am Mittag noch beim Käfer. „Ich hab’ ihn selber noch bedient“, erinnert sich Michael Käfer. Wenige Stunden später versagte sein Herz auf der Jagd.

Der Olympiapark

Als Bundesfinanzminister hat FJS die Olympia-Anlagen schon von der Planung an begleitet. Später führten ihn dienstliche Verpflichtungen immer wieder hierher: Ins Stadion bei großen Fußball- oder Leichtathletikwettkämpfen ebenso wie zu Veranstaltungen in der Olympiahalle, etwa einem CSU-Kongress während seiner Kanzlerkandidatur 1980. Regelmäßig war Strauß auch beim Sechstagerennen in der Olympiahalle zu Gast. „Er war ja absolut radsportbegeistert“, sagt Olympiapark-Chef Arno Hartung. In jungen Jahren hatte Strauß beim RC Amor 07 München Erfolge gefeiert und 1934 mit der Mannschaft das lange Straßenrennen „Quer durch das bayerische Hochland“ gewonnen.

Die Gaststätten

Gespräche mit Mitarbeitern oder Gästen zu führte Strauß ungern in der Staatskanzlei. Er bevorzugte Kneipen und Restaurants. „Es war eine Auszeichnung, wenn er sagte: Komm, geh schnell mit zum Essen“, erinnert sich Edmund Stoiber. Zahlreiche Gaststätten rühmten sich, ihn zum Stammgast zu haben, darunter natürlich der Käfer. Und der noble Bogenhausener Hof etwa „diente meistens für Gespräche mit interessanten Gästen“, erzählt Gerold Tandler.

Oft war Strauß auch in der Osteria Italiana an der Schellingstraße zu Gast. „Das war für ihn ein ganz besonderes Lokal, weil es genau gegenüber von dem Gebäude ist, das einst das Geschäft seiner Eltern beherbergt hat.“ Kellner, die den prominenten Gast selbst bedient haben, gibt es in der Osteria heute nicht mehr, ebenso wenig in der Pizzeria „Bei Mario“ an der Adalbertstraße. „Seinen Tisch gibt es immer noch“, sagt Kellner Giuseppe di Maio und geht zu einer Nische im Lokal. Er lupft die Tischdecke, und der Blick fällt auf eine grob ausgeschnittene hölzerne Seitenplatte. „Das Loch ist reingeschnitten worden, damit Strauß mehr Beinfreiheit hatte.“

Die Staatskanzlei

1978 zog Strauß als Ministerpräsident in die Staatskanzlei ein, die damals noch an der Prinzregentenstraße residierte. Dort gab es im ersten Stock, ähnlich wie auch heute in der neuen Staatskanzlei, ein Büro und ein großes Arbeitszimmer. Im Büro, so erinnert sich der damalige CSU-Generalsekretär Edmund Stoiber, sei Strauß ein „akribischer Arbeiter und intensiver Aktenleser“ gewesen. „Er ist nicht um sechs Uhr abends nach Hause gegangen, sondern oft bis um neun, halb zehn in seinem Büro gesessen“, berichtet Stoiber. Besonderen Wert habe der Landesvater auf Petitionen von Bürgern gelegt.

Im ersten Stock an der Prinzregentenstraße 7 residiert heute die bayerische Eliteakademie, die das ehemalige Strauß-Arbeitszimmer als Sitzungssaal nutzt. Gegen anfängliche Widerstände plante Strauß den Neubau der Staatskanzlei am Hofgarten. Die Fertigstellung erlebte er aber nicht mehr. Als erster Chef zog dort, eine Woche nach seinem Amtsantritt, Edmund Stoiber ein.

Das Atelier Rittner

Als „nicht besonders erhebend“ hat der Maler Günter Rittner einen Auftrag im August 1975 in Erinnerung. Die CSU-Landesgruppe hatte ein Strauß-Portrait in Auftrag gegeben – als Geschenk zum 60. Geburtstag. Normalerweise, so Rittner, brauche er dafür sechs Sitzungen á zwei Stunden. Bei Strauß musste es deutlich schneller gehen: Nur viermal habe Strauß im Studio an der Isabellastraße Modell gesessen, „immer höchstes eine Stunde“. Immerhin: Das Bild, das heute im Besitz von Tochter Monika ist, gefiel dem Politiker. Rittner: „Er war sehr begeistert und hat auch eine Danksagung geschickt.“

Der FC Bayern

Kontakte zum FC Bayern pflegte Strauß regelmäßig. „Auf der politischen Ebene lag er ja mit Uli Hoeneß auf einer Wellenlänge“, sagt Bayern-Sprecher Markus Hörwick. Oft gab es offizielle Anlässe, etwa als Strauß, damals Bundesfinanzminister, 1969 im Grünwalder Stadion Torhüter Sepp Maier die Meisterschale überreichte, oder als er, schon Ministerpräsident, die Fußballerlegende Gerd Müller auszeichnete.

Doch Hörwick erinnert sich auch an einen Spontan-Besuch 1986. Wieder einmal hatte der FCB die Meisterschaft gewonnen. „Wir waren zur Emmeramsmühle gefahren, um mit der Mannschaft zu feiern“, berichtet Hörwick. „Plötzlich fuhren draußen drei Motorräder vor: Zwei Polizei-Maschinen und eine zivile. Und als der Zivilist den Helm abgenommen hat, haben wir gesehen, dass es Strauß war. Er hat dann mit uns gefeiert.“

Peter T. Schmidt

Franz Josef Strauß: Sein Leben in einer Multimedia-Reportage

Weitere bayerische Stationen aus dem Leben von Franz Josef Strauß zeigt eine interaktive Landkarte auf www.merkur.de

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