Interview in der ARD

Steinbrück: Kandidatur aus "Eitelkeit"

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Peer Steinbrück im Interview bei der ARD-Sendung "Farbe bekennen."

Berlin - "Ehrgeiz, Eitelkeit und Bestätigung" - das sind Peer Steinbrücks Motive, sich als Kanzlerkandidat zu Verfügung zu stellen. Im ARD-Interview äußerte er sich auch zur Sponsorenwerbung.

Er ist der älteste Kanzlerkandidat, den die SPD je aufgestellt hat. Vor drei Jahren sagte Peer Steinbrück, jetzt sollten die Jüngeren mal ran. "Warum tun Sie sich das jetzt noch an?", fragte Rainald Becker den Politiker am Montagabend in der ARD-Sendung „Farbe bekennen“. Der reagierte spontan: "Ehrgeiz, Eitelkeit und Bestätigung", sagte er. "So wie der Durchschnitt der Zuschauer auch gelagert ist, was das Selbstbild betrifft."

Vorher hatte der Politiker erklärt, die Troika um Steinmeier, Gabriel und um seine Person sei immer falsch wahrgenommen worden, wie "drei Gladiatoren, die sich in der Arena fetzen und gegenseitig bekämpfen". Das sei nie der Fall gewesen. Auch jetzt würden sie noch zusammenwirken, in der Konstellation "eines Parteivorsitzenden, eines Fraktionsvorsitzenden und eines Kandidat".  

Peer Steinbrück: Klare Kante und loses Mundwerk

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Weiterhin bekannte sich Steinbrück zur Rente mit 67. "Wir werden dem demografischen Druck nicht entgehen können", sagte er. "Und zur Sicherung der finanziellen Grundlagen der Sozialversicherungssysteme brauchen wir solche Anpassungen.“ Das schließe nicht aus, Brücken zu bauen. "Zum Beispiel bei einer Neugestaltung der Erwerbsminderungsrente für diejenigen, die kaputte Knochen haben oder auch sonst ausgebrannt sind und diese 67 nicht erreichen können. Und exakt daran arbeiten wir.“

Eine Absenkung des Rentenniveaus auf 43 Prozent sei für die SPD nie die "Zielmarke" gewesen, sondern ein "Interventionspunkt". „Die SPD wird eine Position finden müssen, die sie anschließend in Regierungsverantwortung durchtragen kann, auch gegenüber den Realitäten."

In Bezug auf Griechenland sagte Steinbrück: "Die Griechen werden die nächsten acht bis neun Jahre nicht auf die Kapitalmärkte zukommen. (..) Und die Wahrheit ist in der Tat, dass wir sie auch nicht rausschmeißen können. Und es auch nicht tun sollten." Die Risiken eines Ausschlusses von Griechenland seien "hochgefährlich". "Das weiß auch Frau Merkel."

Steinbrück bedauerte, dass er 2006 in seiner Zeit als Bundesfinanzminister bei bundeseigenen Firmen um Millionenspenden für ein Schachturnier geworben hatte. „Vom heutigen Standpunkt aus würde ich das nicht wieder tun. Aber zum damaligen Zeitpunkt habe ich nicht den Eindruck gehabt, dass das dubios oder gar ehrenrührig war“, erklärte er. „Ich habe es nicht für mich und ich habe es nicht für Freunde und ich habe es nicht für Dritte, mit denen ich verbunden bin, gemacht, sondern um ein sportliches Ereignis nach Deutschland zu holen.“ Er räumte ein, dass er stattdessen Firmen hätte ansprechen sollen, die keine direkte Verbindung zum Bund haben.  

Ein Bündnis mit einer FDP, die sich allein auf Steuersenkungen konzentriert, kommt für Steinbrück zwar nicht infrage. Unter bestimmten Bedingungen schloss er dies aber auch nicht aus: „Wenn es Kräfte in der FDP gibt, die diese Partei aus dem Ghetto mit der CDU wieder herausführen wollen und aus dem Ghetto eines einzigen Themas - Steuersenkung und Marktradikalität -, dann ist sie interessant.“

Nach den derzeitigen Umfragewerten würde es bei der Bundestagswahl in einem Jahr für das angestrebte rot-grüne Bündnis nicht reichen. Dann könnte neben einer großen Koalition eine Ampelkoalition mit FDP und Grünen zumindest rechnerisch eine Option werden.

sr/dpa

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