Staatsproblem Steuersünder

Zehn Fragen und Antworten zur Steuerhinterziehung

München - Momentan beschäftigt die Steueraffäre um Uli Hoeneß die Bundesrepublik. Doch was genau ist eigentlich Steuerhinterziehung und welches Strafmaß droht? Zehn Fragen und Antworten zum brisanten Thema:

Was ist Steuerhinterziehung?

Wer gegenüber dem Finanz- oder anderen Behörden über steuerlich erheblich Tatsachen unrichtige oder unvollständige Angaben macht, sie verschweigt oder sich einennichtgerechtfertigten Steuervorteil verschafft, macht sich der Steuerhinterziehung schuldig.

Wie viel Geld verliert der Fiskus durch Steuerhinterziehung?

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) schätzt, dass dem deutschen Steuersäckel 100 Milliarden Euro im Jahr durch die Lappen geht. Zur Einordnung des Betrags: Der Bundeshaushalt2013hateinVolumen von 302 Milliarden.

Ist Steuerhinterziehung eine Straftat?

Steuerhinterziehung ist eine Straftat, die mit einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren oder einer Geldstrafe geahndet wird.

Wie kommt der Fiskus Steuersündern auf die Schliche?

Durch Stichproben: Jährlich legen die Oberfinanzdirektionen der Länder Prüfschwerpunkte fest, z. B. doppelte Haushaltsführung, Weiterbildungskosten. Nicht selten sind Denunzierungen z. B. durch Ex-Geschäftsoder Ehepartner Auslöser für Ermittlungen.

Die Lage imAusland?

Seit Juli 2005 gibt es automatische Kontrollmitteilungen von 24 EU-Staaten über die im Ausland erzielten Kapitalerträge. Luxemburg, Österreich sowie Drittstaaten wie die Schweiz und Monaco verschicken (noch) keine Info, behalten aber eine anonyme Quellensteuer ein. Bei ausländischen Grundbuchämtern wird nach Steuern für Feriendomizile gefahndet.

Wie wird das Strafmaß ermittelt?

Maßgeblich ist der Steuerschaden: Bis 50.000 Euro werden Geldstrafen verhängt. Ab 50.000 Euro ist auch eine Freiheitsstrafe (auf Bewährung) möglich, ab 100.000 Euro die Regel. Ab einer Million Euro gibt’s Bewährung (auf bis zwei Jahre Haft) nur noch bei „besonders gewichtigen Milderungsgründen“. Die verschwiegenen Erträge der letzten zehn Jahre müssen nachversteuert werden, dazu kommt ein Strafzins von 6 Prozent pro Jahr. Die Summe ist auf einmal fällig. Die Verjährungsfrist kann sich auf bis zu 13 Jahre ausdehnen.

Ist man als Steuersünder vorbestraft?

Ab einer Verurteilung zu einer Geldstrafe von mehr als 90 Tagessätzen wird man im Bundeszentralregister als vorbestraft eingestuft. Das zeigt sich auch im polizeilichen Führungszeugnis.

Wird der Eintrag jemals wieder gelöscht?

Bei mindestens fünf Jahren Wohlverhalten kann der Fleck auf der Weste ausradiert werden.

Was haben die Steuer- CDs gebracht?

Bisher wurden fünf solche Datenträger für insgesamt zehn Millionen Euro angekauft. Die Bundesrepublik hat damit ca. zweieinhalb Milliarden Euro eingenommen. Die Zahl der Selbstanzeigen wurde dadurch gesteigert.

Wie viele Selbstanzeigen gibt es bisher?

Etwa 35.000. Straffreiheit kann der Steuerhinterzieher nur erwarten, wenn er sich anzeigt, bevor die Finanzbehörde die Ermittlung beginnt. Die hinterzogene Steuer muss innerhalb der von den Behörden gesetzten Frist nachbezahlt werden.

BW

Rubriklistenbild: © dpa/Symbolbild

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