Studie: Schneller Atomausstieg trifft Bayern besonders stark

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Kernkraftwerk bei Landshut: Ein Atomausstieg würde sich in Bayern besonders stark auswirken, so eine Studie.

München – Ein schneller Ausstieg aus der Atomkraft würde sich besonders stark auf die Stromversorgung in Bayern auswirken. Das ist das Ergebnis einer bislang unveröffentlichen Studie des Wirtschaftsforschungsinstituts Prognos.

Die Studie, die dem "Münchner Merkur" vorliegt, entstand im Auftrag der Vereinigung der bayerischen Wirtschaft (vbw). "Von einer Abschaltung aller Kernkraftwerke wäre Bayern überproportional stark betroffen, da der Kernenergieanteil an der Stromerzeugung in Bayern mit rund 53 % mehr als doppelt so hoch ist wie in Deutschland mit etwa 23 %", heißt es in dem Papier.

Der Freistaat müsste demnach Strom aus anderen Bundesländern oder Nachbarländern beziehen. "Trotz des Neubaus von Erdgaskraftwerken wäre Bayern dann auf Stromimporte angewiesen. Der größte Importbedarf mit 23 TWh bzw. 28 % des bayerischen Stromverbrauchs tritt bei einer schnellen Abschaltung aller Kernkraftwerke im Jahr 2015 auf", schreibt Prognos.

Das Wirtschaftsforschungsinstitut sagt zudem negative Folgen für das Klima voraus: "Werden alle Kernkraftwerke stillgelegt, steigen in Bayern die CO2-Emissionen, weil vermehrt fossil befeuerte Kraftwerke zur Stromerzeugung eingesetzt werden. Im Jahr 2025 liegen die entsprechenden Emissionen dann um 6 Millionen Tonnen bzw. um rund 35 % über dem Ausstoß des Jahres 2010."

Die dauerhafte Abschaltung des derzeit stillgelegten Reaktors Isar I allein hätte demnach aber keinerlei Folgen für die Versorgungssicherheit. "Eine stärkere Auslastung der bestehenden Kraftwerke kann kurzfristig etwa die Hälfte der fehlenden Strommenge des Kernkraftwerkes Isar I ausgleichen. Bayern bleibt in diesem Fall in der Jahresbilanz bis zum Jahr 2025 weiter Nettostromexporteur", schreibt Prognos.

vbw-Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt appelliert an CSU-Chef Horst Seehofer, sich für einen behutsamen Ausstieg einzusetzen. "Wir vertrauen darauf, dass der Bayerische Ministerpräsident eine Lösung anstrebt, die die Wettbewerbsfähigkeit der bayerischen Industrie bewahrt. Er weiß, dass ein zu schneller Ausstieg technisch schwierig, teuer und wegen des höheren CO2-Ausstoßes aus Klimaschutzgründen hoch problematisch ist", sagte Brossardt dem "Münchner Merkur". Er selbst halte einen Ausstieg im Zeitraum von 2025 bis 2030 für realistisch.

Zudem fordert Brossardt, die Industrie von möglichen Strompreissteigerungen auszunehmen. Ein starker Preisanstieg würde "Bayern – konservativ geschätzt – langfristig mehr als 100 000 Arbeitsplätze kosten. Deshalb muss die Industrie von den Preissteigerungen ausgenommen werden", sagte der vbw-Hauptgeschäftsführer.

mm

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