Syrien-Experte im tz-Interview

"Die Ausladung des Iran war ein Riesen-Fehler"

Montreux - Die Syrien-Friedenskonferenz, die heute in Montreux beginnen soll, steht unter schlechten Vorzeichen. Die tz sprach mit dem Experten André Bank.

Die Folter-Vorwürfe, das diplomatische Hickhack um den Iran, andauernde Kämpfe – auch innerhalb der Anti-Assad-Opposition: Die Syrien-Friedenskonferenz, die am Mittwoch in Montreux beginnen soll, steht unter schlechten Vorzeichen.

Die syrische Regierungsdelegation, die zum Auftanken in Athen zwischenlandete, wurde gestern fünf Stunden lang auf dem Flughafen blockiert. Diese Schikane wird die Kompromissbereitschaft im Assad-Lager, das nach dem Hin-und-Her zur Einladung des Verbündeten Iran ohnehin verärgert ist, weiter schwächen. Nachdem Ban Ki Moon den Iran zunächst in die Schweiz eingeladen hatte, hatte der UN-Generalsekretär 24 Stunden später einen Rückzieher gemacht. Die oppositionelle Syrische Nationale Allianz hatte zuvor gedroht, die Friedensgespräche zu boykottieren, falls der Iran dabei sei. Der iranische Vize-Außenminister Abbas Araktschi erklärte, die „ganze Welt“ wisse, dass die Chancen, den Syrien-Konflikt zu beenden, in Abwesenheit Irans „nicht groß“ seien.

Seit März 2011 tobt der Bürgerkrieg in Syrien nun schon, mindestens 130 000 Menschen wurden getötet. Gibt es Hoffnung, dass die Schweizer Konferenz das Grauen beenden kann? Die tz sprach darüber mit dem Syrien-Experten Dr. André Bank.

Die Ausladung des Iran war ein Riesen-Fehler

Haben Sie Hoffnung, dass die Syrien-Verhandlungen wirklich Frieden bringen können?

Dr. André Bank, Giga-Institut für Nahoststudien in Hamburg: Leider nein. Das Traurige ist, dass wegen der Friedensverhandlungen die Gewalt sogar erst einmal nach oben gegangen ist. Denn jede Konfliktpartei will eine möglichst gute Ausgangsposition am Verhandlungstisch erkämpfen. Das Assad-Regime hat so auch mit massiver Gewalt seit November 2013 Gebiete zurückerobert. Das Problem ist, dass die Unterstützer im Ausland – Iran und Russland auf Assads Seite, Saudi-Arabien auf der anderen – immer noch glauben, den Krieg gewinnen zu können. Zudem muss man Verhandlungen mit den wichtigen Gruppen führen – nicht nur mit den „Netten“. Die kurzfristige Ausladung des zentralen Akteurs hinter Assad, dem Iran, war da ein Riesen-Fehler.

Sollte auch mit den Al-Kaida nahestehenden Gruppen verhandelt werden?

Bank: Die lehnen jegliche Verhandlungen ab. Das Problem ist, selbst wenn es je eine Verhandlungslösung gibt, werden diese Terror-Gruppen ihre Gewalt fortsetzen.

Wie beeinflusst die Enthüllung, dass Assad systematisch Gefangene töten und foltern ließ, die Friedensverhandlungen?

Bank: Dies dürfte bei den anstehenden Verhandlungen eine untergeordnete Rolle spielen. Für ein zukünftiges, hoffentlich friedliches und multikonfessionelles Syrien wird die Aufarbeitung der Regimegewalt aber ein sehr wichtiges Thema werden.

Interview: Klaus Rimpel

Rubriklistenbild: © AFP

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