Syrien: Opposition fordert mehr Einsatz von UN

Istanbul - Die Vereinten Nationen rufen zum Ende der Gewalt auf, doch in Syrien gehören Gräueltaten inzwischen zum Alltag. Ein neues Video zeigt, wie Islamisten elf Gefangene hinrichten. Syriens Opposition fordert die Staaten auf, endlich zu handeln.

Nach dem Appell der Vereinten Nationen für ein Ende Gewalt in Syrien kommen in dem Bürgerkriegsland neue Gräueltaten ans Licht. Die syrischen Menschenrechtsbeobachter verwiesen am Donnerstag auf ein bei YouTube veröffentlichtes Video, auf dem die Hinrichtung von elf Gefangenen zu sehen ist. Die Täter sollen der dschihadistischen Al-Nusra Front angehören.

Die Opfer sind den Angaben nach Soldaten, die von einem „Scharia-Gericht“ im östlichen Deir as-Saur wegen nicht näher beschriebener Massaker „zum Tode verurteilt wurden“. Die syrische Opposition forderte von der internationalen Staatengemeinschaft mehr Einsatz, um den seit mehr als zwei Jahren andauernden Konflikt zu beenden.

Die Nationale Syrische Koalition begrüßte die am Vorabend beschlossene Syrien-Resolution zwar. Mit dem Beschluss allein werde das Leiden des syrischen Volkes jedoch nicht beendet, erklärte die wichtigste Oppositionsplattform zugleich. „Es muss dringend sehr viel mehr getan werden“, heißt es darin.

Das Regime von Präsident Baschar al-Assad müsse unter Druck gesetzt werden, damit Millionen notleidender Syrer humanitäre Hilfe erhalten könnten. Außerdem müssten Vorbereitungen für die spätere Verfolgung von Kriegsverbrechern getroffen werden. Die Welthungerhilfe forderte, sichere Gebiete für humanitäre Hilfe einzurichten.

Die UN-Vollversammlung hatte am Mittwoch die Gewalt in Syrien verurteilt und das Regime zum politischen Wandel aufgefordert. 107 der 178 anwesenden Staaten stimmten für die Resolution. Die Entschließungen der Vollversammlung sind, anders als die Resolutionen des Sicherheitsrates, nicht bindend. Die Mitglieder des Sicherheitsrates sind in der Syrienfrage gespalten. Vor allem Russland hält dort seine schützende Hand über das Assad-Regime.

Außenminister Guido Westerwelle (FDP) sagte in Berlin auf einem Europaforum des WDR, die Entscheidung der Vollversammlung sei sicher ein Fortschritt, aber nicht ausreichend. Jetzt sollte die neue Initiative der USA und Russlands unterstützt werden. Die beiden Mächte wollen alle Konfliktparteien bei einer internationalen Konferenz an den Verhandlungstisch bringen.

Menschenrechtler werfen sowohl den Regime als auch Rebellen Menschenrechtsverstöße vor. Erst vor wenigen Tagen sorgte ein Video für Entsetzen, das zeigt, wie ein syrischer Rebellenkommandeur die Leiche eines Soldaten schändet, indem er Herz und Leber herausschneidet. Solche Aufnahmen sind von unabhängiger Seite nur schwer zu überprüfen.

Die oppositionellen Menschenrechtsbeobachter erklärten derweil, dass bei einem Massaker Anfang Mai in dem Dorf Al-Baidha südlich der Stadt Banias nach neuen Erkenntnissen mindestens 145 Menschen getötet wurden - darunter 34 Kinder. Die Tat sei damit das wohl schwerste Kriegsverbrechen der regimenahen Kräfte, da die Zivilisten wegen ihrer religiösen Zugehörigkeit getötet worden seien.

Die Bewohner der Küstenstadt Banias sind überwiegend Alawiten. Sie gehören damit derselben islamisch-schiitischen Glaubensrichtung an wie Machthaber Assad. Im Süden von Banias sind hingegen einige Dörfer von sunnitischen Muslimen bewohnt. Der Aufstand gegen das Assad-Regime wird größtenteils von Sunniten getragen. Seit Beginn der Erhebung im März 2011 sind nach Einschätzung von UN-Mitgliedern mehr als 80 000 Menschen getötet worden. Aktivisten gehen von weit mehr Opfern aus.

dpa

Rubriklistenbild: © AP

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