Syrien: Viele Tote bei Bombenanschlägen

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Die syrische Regierung geht gnadenlos gegen die Rebellen vor.

Damaskus - In Syrien spitzt sich die Lage weiter zu. Bei zwei Bombenanschlägen in Aleppo starben mindestens 25 Menschen. Die Protesthochburg Homs liegt seit sieben Tagen unter Dauerbeschuss.

Bomben in Aleppo, Homs unter Dauerbeschuss: Im Bürgerkrieg in Syrien fließt immer mehr Blut. Bei zwei Bombenanschlägen vor Einrichtungen der Sicherheitskräfte in der syrischen Stadt Aleppo kamen am Freitag mindestens 25 Menschen ums Leben, 175 wurden verletzt. Das syrische Staatsfernsehen beschuldigte Regimegegner, Oppositionelle machten dagegen das Regime von Machthaber Baschar al-Assad für die Anschläge verantwortlich. Der Dauerbeschuss der Protesthochburg Homs durch Regimetruppen ging unterdessen weiter, allein am Freitag wurden binnen weniger Stunden 19 Menschen getötet. In den Provinzen Damaskus-Land und Daraa gab es mindestens 7 weitere Tote, wie Regimegegner berichteten.

Die staatliche Nachrichtenagentur Sana meldete, die Anschläge hätten einem Gebäude des Militärgeheimdienstes und dem Sitz der Ordnungspolizei gegolten. Unter den Schuttbergen wurden weitere Opfer vermutet. Aktivisten berichteten, die Wucht der Detonationen sei im Umkreis von einem Kilometer spürbar gewesen.

Oppositionelle erklärten unter Berufung auf Anwohner, die vor den Explosionen verdächtiges Verhalten der Sicherheitskräfte beobachtet haben wollen: “Dies ist ein weiteres schwarzes Theaterstück des Regimes.“ Die Regierungstruppen hätten nach den Detonationen jeweils mehrere Schüsse abgegeben, um den Eindruck zu erwecken, es habe ein Gefecht zwischen ihnen und den “Terroristen“ stattgefunden.

Die Führung im Nachbarland Libanon zog Truppen an der Grenze zu Syrien zusammen. Zuvor war berichtet worden, über die Grenze würden Waffen in die syrische Protesthochburg Homs geschmuggelt, wie die Nachrichtenagentur dpa aus Armeequellen erfuhr. Ein Augenzeuge berichtete, zahlreiche Soldaten seien am Morgen an die Grenze beordert worden, wo sie Kontrollpunkte errichtet hätten.

Vor allem die Großstadt Homs liegt unter Dauerbeschuss. Beobachter befürchten, der mit mehr als 650 000 Einwohnern drittgrößten Stadt Syriens drohe heute das Schicksal von Hama vor 30 Jahren. Damals hatte Assads Vater Hafis al-Assad den Widerstand in der Stadt mit 300 000 Einwohnern mit allen Mitteln bekämpfen lassen. Bisher wurden in Homs nach Angaben syrischer Oppositioneller mehr als 2850 Menschen getötet - Tendenz schnell steigend. Wie viele Tote es 1982 in Hama gab, ist unklar. Heutige Schätzungen bewegen sich zwischen 10 000 und 30 000 Toten.

Das “abscheuliche Blutvergießen“ in Syrien müsse beendet werden, verlangte US-Präsident Barack Obama nach einem Treffen mit dem italienischen Ministerpräsidenten Mario Monti in Washington. Die USA und Italien seien sich einig, die jetzige Regierung in Damaskus, die “ihr Volk angreift“, müsse ersetzt werden.

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Bundeskanzlerin Angela Merkel äußerte sich zutiefst betroffen über Assad. “Die Bilder und Berichte aus Syrien wühlen mich genauso auf wie wahrscheinlich die meisten Bürger“, sagte Merkel der “Passauer Neue Presse“ (Freitag). Um das Blutvergießen in Syrien zu stoppen, macht sich Merkel gemeinsam mit dem französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy für die Gründung einer Kontaktgruppe stark. Damit sollen die Bemühungen um eine rasche Lösung des Konflikts verstärkt werden.

Der deutsch-syrische Schriftsteller Rafik Schami sieht keine Chancen mehr für ein baldiges Ende der Gewalt in Syrien. Der Bürgerkrieg sei längst im Gange, erklärte der 65-Jährige im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa in Mainz. Er kommuniziere sehr rege über oppositionelle Verbindungen per Telefon, Handy und Internet mit seinen Freunden, die in Syrien untergetaucht seien, berichtete Schami. Ein baldiges Ende der Gewalt in seiner Heimat könne nur durch ein Wunder geschehen, wenn ein Teil der Machthaber den anderen ausschalte und der Opposition die Hand reiche.

Mitglieder der syrischen Exil-Opposition in Deutschland forderten einen bundesweiten Abschiebestopp für syrische Flüchtlinge. Sie kritisierten in Berlin, dass bislang nur einzelne Bundesländer wie Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Schleswig-Holstein auf die Abschiebung von syrischen Flüchtlingen verzichteten.

Trotz Sanktionen gab die Schweiz drei Millionen Euro für einen hohen Geheimdienstmann und Cousin Assads frei. Die Entscheidung zugunsten des 41-jährigen Hafis Machluf, dessen Bruder Rami Machluf als einer der reichsten Männer Syriens und Geldgeber des Assad-Clans gilt, setzten Schweizer Anwälte durch. Es handele sich um einen Ausnahmefall, zu dem man nicht im einzelnen Stellung nehme, sagte eine Sprecherin des zuständigen Staatssekretariats für Wirtschaft (SECO) in Bern der Nachrichtenagentur dpa.

dpa

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