Blutbad in Karachi

Taliban greifen Flughafen an - mehr als 30 Tote

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28 Menschen starben bei dem Angriff der Taliban auf den Flughafen von Karachi.

Islamabad - Premier Sharif trat an, um mit den Taliban zu sprechen. Ein Jahr später beweisen die Extremisten mit dem Angriff auf den Flughafen Karachi erneut, dass es ihnen nicht um Frieden geht. Für Verhandlungen könnte das der Sargnagel gewesen sein.

Die Taliban-Kämpfer waren als Polizisten getarnt, über ihren Sprengstoffwesten trugen sie Uniformen. So gelang es den zehn Angreifern, in der Nacht zu Montag in den internationalen Flughafen in Pakistans größter Metropole Karachi einzudringen. Fünf Stunden lang lieferten sich die im Frachtbereich verschanzten Extremisten Gefechte mit Sicherheitskräften. Alle Flüge wurden bis zum Montagnachmittag gestrichen. Der Angriff mit mehr als 30 Toten war der unverfrorenste seit dem Amtsantritt von Premierminister Nawaz Sharif vor rund einem Jahr - und könnte der Sargnagel in dessen Bemühungen um Frieden mit den pakistanischen Taliban (TTP) sein.

Die TTP nannte den Angriff auf den zivilen Flughafen einen Racheakt für den Tod „unschuldiger“ Menschen bei Bombardements der Luftwaffe in den Stammesgebieten an der afghanischen Grenze. Im Mai waren rund 100 Extremisten bei Luftschlägen getötet worden - nachdem die TTP eine Waffenruhe im April nicht verlängert hatte. TTP-Sprecher Shahidullah Shahid erklärte am Montag: „Das ist eine Botschaft an die pakistanische Regierung, dass wir noch am Leben sind.“

Sollte Sharif noch ein letzter Beweis gefehlt haben, dass es der TTP nicht um Frieden geht, könnten die Extremisten ihn mit dem Angriff erbracht haben. Dabei war Sharif angetreten, eine Verhandlungslösung in dem seit mehr als zehn Jahre währenden Konflikt zu finden, der Zehntausende Pakistaner das Leben gekostet hat. Die Bemühungen standen allerdings von Anfang an unter keinem guten Stern - was nicht nur der TTP und der Regierung geschuldet ist.

Unmittelbar vor dem geplanten Beginn von Gesprächen töteten die USA bei einem Drohnenangriff im November TTP-Chef Hakimullah Mehsud, auf dessen Kopf Washington fünf Millionen US-Dollar Belohnung ausgesetzt hatte. Die pakistanische Regierung sprach von einem „Angriff auf den Friedensprozess“. Die TTP warf der Sharif-Regierung dennoch vor, die Taliban an die USA „verkauft“ zu haben.

Nach dem Tod des TTP-Chefs setzte sich Mullah Fazlullah an der Spitze des Zusammenschlusses von mehr als einem Dutzend Extremistengruppen durch. Er gilt als noch größerer Hardliner, als es Mehsud schon war. Fazlullah hatte einst das Swat-Tal unter seine Kontrolle gebracht. Damals führte er ebenfalls Friedensverhandlungen mit der Regierung, die ihm Swat hilflos überließ. Der für seine Brutalität bekannte Extremist dehnte seinen Einfluss daraufhin immer weiter aus. Als seine Kämpfer nur noch rund 100 Kilometer vor Islamabad standen, musste ihn die Armee im Jahr 2009 mit einer Großoffensive stoppen.

Nach der Taliban-Niederlage in Swat nahm die Gewalt in Pakistan zwischen 2010 und 2012 dann tatsächlich ab - um im vergangenen Jahr wieder zuzulegen. Nach Statistiken des Pakistanischen Instituts für Friedensstudien (Pips) kamen 2013 bei 1717 Terrorangriffen 2451 Menschen ums Leben - fast 20 Prozent mehr als im Vorjahr. Besonders viele Opfer haben religiöse Minderheiten wie Schiiten zu verzeichnen. Auch in der Nacht zum Montag wurden bei Anschlägen im Südwesten Pakistans 24 Schiiten getötet.

Fazlullah hat sich zwar öffentlich für Verhandlungen mit der Regierung ausgesprochen, doch das dürften nicht viel mehr als Lippenbekenntnisse sein. Er macht keinen Hehl darum, was sein Ziel ist: Die Scharia in ganz Pakistan. „Das Ziel unseres Kampfes ist, dem Gesetz Allahs in seinem Land und Volk Geltung zu verschaffen“, sagte Fazlullah in einer Videobotschaft im Mai. Doch trotz solch markiger Worte gelingt es Fazlullah nicht, seinen Laden zusammenzuhalten.

In der TTP rumort es. Im Streit um Friedensgespräche sagte sich erst vor einigen Tagen eine mächtige Taliban-Gruppierung von Fazlullah los. Manche Taliban sind für Verhandlungen mit der pakistanischen Regierung, was aber nicht als Beleg für ihre Liebe zum Frieden verstanden werden muss. Gruppen wie das Hakkani-Netzwerk sprechen sich dafür aus, keinen Krieg mit Pakistan zu führen - sondern alle Kraft auf den Kampf gegen die ausländischen Truppen und die Regierung im benachbarten Afghanistan zu konzentrieren.

dpa

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