Droht eine Eskalation?

Taliban kündigen Frühjahrsoffensive an

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Taliban-Kämpfer in der Ghanzi-Provinz.

Kabul - Die Gewalt in Afghanistan eskaliert. Die Aufständischen kündigen den Beginn ihrer ersten Frühjahrsoffensive seit dem Ende des Nato-Kampfeinsatzes an.

Eineinhalb Jahre nach dem Abzug der Bundeswehr aus Kundus warnt die Provinzregierung vor einer Eroberung der nordafghanischen Provinz durch die Taliban. „Das ist die schlimmste Situation in Kundus seit 2002“, sagte Vizegouverneur Hamdullah Daneschi der Deutschen Presse-Agentur in Kundus.

„Die Taliban sind stärker geworden, und sie werden die gesamte Provinz erobern, wenn unsere Sicherheitskräfte nicht Unterstützung aus der Hauptstadt erhalten.“ Seit dem Abzug der Bundeswehr im Oktober 2013 habe sich die Lage kontinuierlich verschlechtert, sagte Daneschi.

Die Taliban kündigten am Mittwoch den Beginn ihrer ersten Frühjahrsoffensive seit dem Ende des Nato-Kampfeinsatzes in Afghanistan an. Die Operation „Asm“ (Entschlossenheit) werde an diesem Freitag beginnen, teilten die Aufständischen mit. Hauptziele seien „die ausländischen Besatzer“, diplomatische Vertretungen, Angehörige des „Handlanger-Regimes“ und afghanische Sicherheitskräfte. Eingesetzt werden würden Selbstmordattentäter und Schläfer, die in die Sicherheitskräfte eingeschleust würden.

Der Nato-Kampfeinsatz wurde zum Jahreswechsel von der kleineren Mission „Resolute Support“ abgelöst, die der Ausbildung und Unterstützung afghanischer Sicherheitskräfte dient. Basis dafür war ein Sicherheitsabkommen mit den USA.

Die Taliban kritisierten nun, mit dem Abkommen würden die „Kreuzzügler die Kontrolle über unser Land behalten“. Sie riefen Mitarbeiter der Regierung auf, die Seiten zu wechseln. „Die Mudschaheddin sind bereit dazu, all jenen Beamten und Personen sichere und friedliche Lebensbedingungen zu bieten, die die Reihen der Feinde verlassen.“

Die Taliban versicherten, sie würden keine Zivilisten, Schulen, Krankenhäuser oder öffentlichen Plätze angreifen. Solche Versicherungen haben sich in der Vergangenheit als falsch herausgestellt. Die Vereinten Nationen machen die Taliban für die Mehrzahl der zivilen Opfer in Afghanistan verantwortlich.

Daneschi sagte zur Lage in Kundus, ausländische Extremisten, die finanziell gut ausgestattet seien, seien in die Provinz eingesickert. Inzwischen seien die ausländischen Kämpfer und die einheimischen Taliban „mit besseren Waffen ausgerüstet als die Sicherheitskräfte“.

Die Regierung in Kabul habe versprochen, die Sicherheitskräfte in Kundus zu verstärken. Das sei aber nicht geschehen. Am Dienstag wurde bekannt, dass in Kundus ein deutscher Entwicklungshelfer vermisst wird. Möglicherweise wurde er entführt.

Aus Regierungskreisen in Kabul wurde bestätigt, dass der Gouverneur von Kundus, Mohammad Omar Safi, kürzlich eine zusätzliche Brigade der Armee angefordert habe. Entsandt worden sei aber nur ein Bataillon. Eine Brigade umfasst normalerweise 3000 bis 4000 Soldaten, ein Bataillon 600 bis 1000 Soldaten. Safi hatte wegen mangelnder Hilfe aus Kabul im vergangenen Monat mit Rücktritt gedroht.

Polizist: Vermisster Deutscher in Kundus von Taliban entführt

Ein in der nordafghanischen Provinz Kundus vermisster deutscher Entwicklungshelfer ist nach Angaben aus Polizeikreisen von den Taliban entführt worden. Der Mann sei am Sonntag auf dem Weg vom Distrikt Aliabad nach Kundus-Stadt gewesen, als er verschleppt worden sei, sagte ein hochrangiger Polizist, der anonym bleiben wollte, der Deutschen Presse-Agentur am Mittwoch in Kundus. Die Taliban hätten den Deutschen in den Unruhedistrikt Char Darah gebracht. Die Geisel sei am Leben.

Offiziell dementierte Polizeisprecher Sayed Sarwar Hussaini weiterhin, dass es einen Vermissten- oder Entführungsfall gegeben habe. Es handele sich um „unbegründete Gerüchte“.

Ein Bewohner von Char Darah, der namentlich nicht genannt werden wollte, sagte: „Ich habe am Montag einen Ausländer auf einem Motorrad mit einer Taliban-Gruppe gesehen. Als ich fragte, wer er sei, sagten die Taliban, er sei Geld.“ Damit bezog sich der Augenzeuge auf mögliches Lösegeld für die Geisel.

Die „Bild“-Zeitung hatte am Dienstag unter Berufung auf deutsche Sicherheitskreise berichtet, der Vermisste arbeite für die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ). Aus dem Auswärtigen Amt hieß es, ein Krisenstab befasse sich mit dem Fall. Eine offizielle deutsche Bestätigung, dass der Vermisste entführt wurde, lag zunächst nicht vor.

Zuletzt war im vergangenen Oktober in Afghanistan ein deutscher Entwicklungshelfer nach mehr als zweieinhalb Jahren Geiselhaft freigekommen. Der Mitarbeiter der Deutschen Welthungerhilfe war im Januar 2012 von Extremisten aus einem Haus in der ostpakistanischen Stadt Multan verschleppt worden.

dpa

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