Sie wollten nur ein bisschen feiern

Zu viel getanzt: Taliban enthaupten 17 Menschen

Kabul - Taliban-Kämpfer haben in Afghanistan 17 Menschen enthauptet, weil sie auf einer Feier zu Musik getanzt haben. Bei einem Feuergefecht starben außerdem zwei NATO-Soldaten.

Kämpfer der radikal-islamischen Taliban haben im Süden Afghanistans nach Angaben des Innenministeriums 17 Zivilisten enthauptet, darunter zwei Frauen. Das teilte das Ministerium am Montag in einer Stellungnahme mit. Die Regierung der Unruheprovinz Helmand erklärte dagegen, die Menschen seien am Vortag im Distrikt Kajaki möglicherweise erschossen worden. Die Hintergründe der Tat seien noch unklar. Dorfbewohner sprachen von einem Racheakt. Die Taliban waren für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen.

„Wir haben bislang keine verlässlichen Informationen über die Tötung der 17 Zivilisten“, sagte der Sprecher des Provinzgouverneurs, Daud Ahmadi, der Nachrichtenagentur dpa. Da die Gebirgsregion im Nordosten von Helmand von den Taliban kontrolliert werde, könne die Regierung kein Ermittlungsteam in das betroffene Gebiet entsenden. Man müsse sich deshalb auf Geheimdienstinformationen verlassen.

„Unsere Agenten haben uns zunächst gesagt, die Menschen seien von Aufständischen enthauptet worden“, teilte Ahmadi mit. Inzwischen seien jedoch Zweifel an dieser Version aufgekommen. So gebe es unbestätigte Berichte, zwei örtliche Taliban-Kommandeure seien im Streit um zwei Frauen aneinandergeraten. Diese Auseinandersetzung sei eskaliert und habe zum Tod der 17 Zivilisten geführt.

Dorfbewohner und ein Behördenvertreter, der anonym bleiben wollte, sprachen zudem von einem möglichen Racheakte der Taliban. Demnach hätten die 15 getöteten Männer ein privates Fest gefeiert, zu dem sie zwei Tänzerinnen eingeladen hätten. Dafür seien sie „bestraft“ worden. Unter dem Ende 2001 gestürzten Taliban-Regime waren Musik- und Tanzveranstaltungen verboten. „Es gibt in dieser Sache noch sehr viele offene Fragen, die geklärt werden müssen“, sagte Ahmadi.

In der östlichen Provinz Laghman tötete unterdessen ein Soldat der afghanischen Armee zwei Angehörige der Internationalen Schutztruppe Isaf. Wie ein Sprecher der Nato-geführten Isaf am Montag mitteilte, wurde auch der mutmaßliche Täter von Sicherheitskräften erschossen.

Angriffe von Tätern in Uniformen der afghanischen Armee und Polizei auf ausländische Soldaten haben zuletzt deutlich zugenommen. Die Isaf zählte seit Jahresbeginn 33 Vorfälle, bei denen insgesamt 42 Nato-Angehörige ums Leben kamen.

Zehn afghanische Soldaten starben nach Polizeiangaben in der Nacht zu Montag in der Provinz Helmand bei einem Angriff von Aufständischen auf einen Militärposten. Die Taliban bekannten sich zu der Tat.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

auch interessant

Meistgelesen

Trump liebt Deutschland - und warnt BMW
Trump liebt Deutschland - und warnt BMW
US-Presse sagt Donald Trump den Kampf an
US-Presse sagt Donald Trump den Kampf an
Verfassungsgericht hat entschieden: NPD wird nicht verboten
Verfassungsgericht hat entschieden: NPD wird nicht verboten
Wegen Verleumdung: Mutmaßliches Opfer verklagt Donald Trump 
Wegen Verleumdung: Mutmaßliches Opfer verklagt Donald Trump 

Kommentare