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Mit 60 in Teil-Rente? Die Pläne der GroKo

München - Jetzt will die Bundesregierung die Teilrente attraktiver machen. Die tz erklärt die Pläne – und wo es noch Streit zwischen SPD und Union sowie den Gewerkschaften gibt.

Runter vom Vollgas in den letzten Arbeitsjahren? Bisher werden die Möglichkeiten, mit 63 die Arbeitszeit zu verringern und Teilrente zu beziehen, kaum genutzt. Jetzt will die Bundesregierung die Teilrente attraktiver machen. Die tz erklärt die Pläne – und wo es noch Streit zwischen SPD und Union sowie den Gewerkschaften gibt.

Wie funktioniert die derzeitige Teilrenten-Regelung?

Wer in Frührente geht, darf maximal 450 Euro im Monat mit einem Job oder durch ein Gewerbe hinzuverdienen. Daneben gibt es aber schon heute die Möglichkeit der Teilrente: Arbeitnehmer können sich ab 63 einen Teil der Rente ausbezahlen lassen für die Zeit bis zum regulären Renteneintrittsalter (65 plus x, je nach Geburtsdatum). Bis dahin arbeiten die Teilrentner mit reduzierter Stundenzahl: Bei einer Ein-Drittel-Teilrente darf der westdeutsche Durchschnittsverdiener mit einem Brutto-Monatseinkommen von 2904,75 Euro monatlich derzeit noch 2073,75 Euro dazuverdienen. Arbeitet er die halbe Arbeitszeit weiter, darf er noch 1576,05 Euro neben der Teilrente verdienen, bei einer Zwei-Drittel-Teilrente noch 1078,35 Euro.

Warum wird dieses Modell bislang so schlecht angenommen?

„Das derzeitige Konstrukt ist zu starr und kaum bekannt“, so die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung. Deshalb nutzten 2013 bundesweit nur 1624 Beschäftigte das Teilrentenmodell. „Überschreitet zum Beispiel ein Zwei-Drittel-Rentner seine Zuverdienstgrenze um nur einen Euro, bekommt er nur noch eine halbe Teilrente. Passiert ihm das bei einer Ein-Drittel-Teilrente, entfällt der Rentenanspruch ganz.“ Und die Teilrente greift zu spät – die 63-Jährigen, die es sich leisten können, ziehen es vor, ganz mit dem Arbeiten aufzuhören, so die Böckler-Stiftung.

Welche Verbesserungen plant die Koalition?

Die starren Zuverdienstgrenzen sollen kippen, darin sind sich Union und SPD einig. Der Zuverdienst soll so hoch sein dürfen, dass man mit der Teilrente den besten Verdienst der vergangenen 15 Jahre erreicht.

Worüber streitet die GroKo noch?

Darüber, ob die Teilrente schon ab 60 möglich sein soll. Die SPD zeigt sich offen für diese Gewerkschaftsforderung. „Wir müssen hier weiter springen als bisher und uns stärker den Bedürfnissen der Älteren anpassen“, sagte SPD-Arbeitsministerin Andrea Nahles. Aber: Diese Form der Frühverrentung solle nicht zu Lasten der Rentenkasse finanziert werden. Nach Berechnungen des Ministeriums würde eine Teilrente ab 60 ohne Abstriche für die Arbeitnehmer die Rentenversicherung rund 900 Millionen Euro jährlich kosten. Um die Sozialkassen nicht zu belasten, will die SPD deshalb, dass die Arbeitnehmer den Arbeitgebern dadurch entstehende Renten-Abschläge „durch tarifvertragliche Regelungen abkaufen“.

Welche Renten-Abschläge müsste man bei einer Teilrente ab 60 hinnehmen?

Das Arbeitsministerium stellt folgende Modellrechnung auf: Ein Durchschnitts-Arbeitnehmer, der ab 60 Jahren eine Teilrente in Höhe von 455 Euro bezieht, würde seine Rente ab der regulären Altersgrenze um 198 Euro auf 1109 Euro im Monat verringern. Dieses Minus könne ausgeglichen werden, indem der Betroffene noch dreieinhalb Jahre nach der Regel­grenze in Teilzeit weiterarbeite. Oder die Rentenminderung könne auch durch die Zahlung von 34 000 Euro ausgeglichen werden.

Für wen ist das Teilrenten-Modell interessant?

Nach Berechnungen der Böckler-Stiftung ist die Teilrente für Gutverdienende etwa in der Chemiebranche interessant, weniger aber für Beschäftigte mit niedrigerem Einkommen, etwa im Einzelhandel. Ein Durchschnittsverdiener der Chemiebranche mit 33 000 Euro Jahresgehalt, der nur noch drei Tage in der Woche bzw. 22 Wochenstunden arbeitet, reduziert sein Gehalt mit der Teilrente um netto zehn bis 15 Prozent. Dazu kommen dauerhafte Abschläge bei der Rente.

Wie will die Regierung schlechter verdienenden Berufsgruppen Teilrenten ermöglichen?

Die SPD will mit einem neuen „Arbeitssicherungsgeld“ auch Pflegern, Krankenschwestern oder Bauarbeitern zur Teilrente verhelfen. Falls ältere Arbeitnehmer solcher Berufsgruppen gesundheitlich eingeschränkt sind, sie aber nicht die Bedingungen für eine Erwerbsminderungsrente erfüllen, sollen sie in Teilzeit gehen können. Der Einkommensverlust soll zum Teil über das Arbeitslosengeld ausgeglichen werden. Die Union steht dem Plan skeptisch gegenüber.

Klaus Rimpel

Rubriklistenbild: © dpa

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