Mehr als 60 Tote bei Terrorserie im Irak

Bagdad - Die Zweifel an der Exit-Strategie der US-Regierung für den Irak und Afghanistan werden größer. Nach dem Abzug der letzten US- Kampftruppen ist der Irak von einer Terrorwelle erschüttert worden.

Nach Angaben von Augenzeugen, Ärzten und Polizisten starben am Mittwoch durch Sprengstoffanschläge und Selbstmordattentate landesweit mindestens 64 Menschen. Rund 190 Menschen wurden bei den Anschlägen verletzt. Die Polizei zählte binnen weniger Stunden über 20 Explosionen in zehn Städten. Erst am Vortag hatte die US-Armee erklärt, der Abzug ihrer Kampftruppen sei beendet.

“Diese Explosionen zeigen uns, dass die irakischen Sicherheitskräfte noch nicht fähig und richtig ausgerüstet sind, um die Verantwortung für die Sicherheit zu übernehmen, jetzt, wo die US- Truppen nicht mehr da sind“, sagte der Parlamentarier Fallah al- Luhaibi der Nachrichtenagentur dpa. Al-Luhaibi gehört der Al-Irakija- Liste an, die seit der Parlamentswahl im März die stärkste Fraktion bildet, aber wegen des seither andauernden Streits um die Schlüsselpositionen noch keine Regierung bilden konnte.

Das ist Afghanistan

Seit dem Sturz der Taliban vor acht Jahren sind Milliarden Hilfsgelder nach Afghanistan geflossen. © dpa
In dem Land am Hindukusch sind inzwischen mehr als 100.000 internationale Soldaten stationiert. © dpa
Afghanistan ist jedoch immer noch eines der korruptesten, ärmsten und gefährlichsten Länder der Welt © dpa
In Afghanistan leben auf einer Fläche, die knapp doppelt so groß ist wie Deutschland, rund 33 Millionen Menschen. © dpa
Dem Entwicklungsindex (HDI) der Vereinten Nationen zufolge ist Afghanistan derzeit das zweitärmste Land der Welt. Schlechter ist die Lage nur im Niger. © dpa
Der Index berücksichtigt neben dem Einkommen auch Faktoren wie Kindersterblichkeit, Unterernährung und Bildung. © dpa
Mehr als 50 Prozent der Afghanen leben Schätzungen zufolge unter der Armutsgrenze. © dpa
Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt laut Vereinten Nationen bei 44 Jahren (Deutschland: 80 Jahre). © dpa
Der Durchschnitt der ärmeren Länder liegt laut Weltbank bei 59 Jahren. © dpa
Auf dem Korruptionsindex 2009 von Transparency International ist Afghanistan weiter zurückgefallen und steht auf dem vorletzten Rang. Noch schlechter ist die Lage nur in Somalia. © dpa
Die Wirtschaftsleistung (BIP) lag laut Internationalem Währungsfonds (IWF) unter Einberechnung eines Kaufkraftausgleichs 2008 bei 21,4 Milliarden Dollar oder 760 Dollar pro Kopf. © dpa
Für 2009 rechnet der IWF mit einem BIP von 25,1 Milliarden Dollar. © dpa
Das Volumen des illegalen Opiumhandels wird von der Weltbank auf ein Drittel des regulären BIP geschätzt. © dpa
Afghanistan produziert mehr als 90 Prozent des weltweit gehandelten Opiums, woraus Heroin hergestellt wird. © dpa
Für Projekte der Entwicklungshilfe und des Wiederaufbaus sind von der Bundesregierung von 2002 bis 2010 mehr als 1,2 Milliarden Euro Hilfsgelder zugesagt. © dpa
Bis Mitte August 2009 wurden davon 830 Millionen Euro ausgezahlt. © dpa
Damit ist es das größte Empfängerland deutscher Entwicklungshilfe. © dpa

Das US-Außenministerium bezeichnete die Zunahme der Gewalt in jüngster Zeit als wenig überraschend. “Es war vorhersagbar, da es Fraktionen im Irak gibt, die den Fortschritt unterlaufen wollen, der dort gemacht wurde“, sagte der Sprecher des Außenamtes, Mark Toner in Washington. “Aber insgesamt lässt die Gewalt nach und die Stabilität nimmt zu.“

Die US-Armee hatte am Dienstag bekanntgegeben, die Zahl ihrer Truppen im Irak sei erstmals seit dem Einmarsch von 2003 auf weniger als 50 000 Soldaten gesunken. US-Präsident Barack Obama wird am kommenden Dienstag (31. August) eine Rede an die Nation zum Irak-Krieg halten. Es handele sich dabei um seine zweite Ansprache aus dem Oval Office, dem Arbeitszimmer des Präsidenten, teilte das Weiße Haus mit. Die Rede wird gewöhnlich von allen großen US-Fernsehsendern übertragen.

Bomben explodierten neben Polizeistationen

Die meisten Toten gab es am Mittwoch in der Stadt Al-Kut südlich von Bagdad. Nach Angaben von Augenzeugen starben hier allein 20 Menschen, als ein Selbstmordattentäter neben dem Gebäude der Provinzverwaltung eine Autobombe zündete. 90 Menschen erlitten Verletzungen. Weitere Anschläge ereigneten sich in Nord-Bagdad, in der Schiiten-Stadt Kerbela, in Basra, Ramadi, Falludscha, Dudschail, al-Makdadija, Kirkuk, Mossul und Bakuba.

Die Bomben detonierten neben Polizeistationen oder auf Hauptstraßen, wo Passanten starben. In der westlichen Stadt Falludscha traf es eine Familie, die sich neben einer Polizeipatrouille aufhielt. Zwei kleine Jungen starben. Die Angehörigen der Patrouille blieben nach Polizeiangaben unversehrt.

Keine Kampfeinsätze der US-Armee ohne die Iraker

Die Europäische Union verurteilte die Anschlagsserie. Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton sei “zutiefst betrübt“, teilte eine Sprecherin am Mittwoch in Brüssel mit. Ashton bekräftigte die Notwendigkeit, eine stabile Regierung im Irak zu bilden. Die Europäische Union sei zur Unterstützung einer solchen Regierung bereit.

Gemäß einem Vertrag zwischen Washington und der irakischen Regierung sollen auch die letzten US-Truppen das Land bis Ende 2011 verlassen. Bis dahin sollen sie die irakische Armee unterstützen und ihre Soldaten ausbilden. Kampfeinsätze der US-Armee ohne die Iraker soll es nicht mehr geben. Die einzige Region, die am Mittwoch von Terroranschlägen verschont blieb, war das kurdische Autonomiegebiet im Norden. Dort sorgen ehemalige Kämpfer der kurdischen Parteimilizen für Sicherheit.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

Auch interessant

Meistgelesen

Corona-Krise: Altmaier denkt an einschneidende Maßnahme - Kühnert: „Natürlich Quatsch“
Corona-Krise: Altmaier denkt an einschneidende Maßnahme - Kühnert: „Natürlich Quatsch“
Wieder Corona-Beschränkungen in mehreren US-Bundesstaaten
Wieder Corona-Beschränkungen in mehreren US-Bundesstaaten
Brasiliens Polizei zieht Blutspur durch Favelas
Brasiliens Polizei zieht Blutspur durch Favelas
Corona-Hotspots Gütersloh und Warendorf: Verkündet Laschet das Ende des Lockdowns?
Corona-Hotspots Gütersloh und Warendorf: Verkündet Laschet das Ende des Lockdowns?

Kommentare