Feige Anschläge in Paris

tz-Kommentar: Wir sind Paris, wir sind Europa!

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Rudolf Bögel ist Chefredakteur der tz.

München - Die Anschläge in Paris treffen und betreffen uns alle. Die Konsequenzen müssen weitreichend sein und dennoch von Vernunft getragen. Ein Kommentar von tz-Chefredakteur Rudolf Bögel.

Nun haben sie uns mit Bomben und Kalaschnikows herausgefordert. Die Schergen des Islamischen Staats, der größten und vielleicht sogar schändlichsten Terror-Organisation der Welt, haben uns den Krieg erklärt! Amerikas 9/11 ist Europas Freitag, der 13.! Ein Tag, den wir nie vergessen werden, vor allem nicht die vielen unschuldigen Opfer, die in einem barbarischen Akt feige ermordet wurden.

Wir, das sind nicht die Pariser, die Franzosen alleine. Wir sind Europa. Wir werden die Krise gemeinsam durchstehen, wir werden keinen Fingerbreit vor Gewalt und Terror weichen und unsere demokratischen Grundwerte und unser Verständnis von einem freien, gleichen und brüderlichen Leben verteidigen. ­Liberté. Egalité. Fraternité!

Aber wir erwarten in dieser Situation auch mehr als nur solidarische Signale der arabischen Welt. Da müssen endlich die finsteren Finanziers des grausamen IS-Terrors, die in Saudi-Arabien und anderen Golfstaaten sitzen, ausgehoben werden. Da muss noch mehr politischer Druck ausgeübt werden, um Assads blutige Apokalypse zu stoppen. Und letztendlich sind auch die Religionsführer gefordert: Wenn Terroristen im Namen Allahs Unschuldige ermorden, dann ist es auch im Interesse dieser Religion, den Terroristen, die damit diesen Glauben in den Schmutz ziehen, den ideologischen Nährboden zu entziehen.

Nein, meine lieben konservativen Freunde vom rechten Flügel der CSU (Herr Söder, Sie sind gemeint!) und nein, ihr ideologischen Brandstifter von der AfD und von den Mü-, Bay-, und Pegidas dieser Welt. Das soll jetzt kein Wasser auf Eure Mühlen sein.

Der Ruf nach mehr Verantwortung in der arabischen Welt heißt nicht, dass wir Deutschen und wir Europäer wieder alle Verantwortung abgeben und uns von der Verpflichtung zur humanitären Hilfe verabschieden können. Vernünftige Flüchtlingshilfe gehört zum Wesen einer funktionierenden Demokratie und zu einem freien Europa – das lassen wir uns nicht zerstören, schon gar nicht von Verbrechern.

Die Bomben und Schüsse von Paris müssen aber auch ein Weckruf sein. Zu lange hat Europa gezögert und im eigenen Vorhof die anderen zündeln lassen. Nun brennt es, und wenn nicht das ganze Haus in Flammen aufgehen soll, müssen wir zurückkehren zu einer gemeinsamen, visionären und vor allem konsequenten europäischen Politik.

Die Zeit des Zauderns ist vorbei. Einmal mehr muss Europa in der Krise wachsen, und einmal mehr muss Europa wie Phönix aus der Asche auferstehen. Übung darin hat dieser Kontinent mehr als ­genug!

Rudolf Bögel

Chefredakteur tz

 

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