Afghanistan

Dutzende Tote bei schwerem Selbstmordanschlag

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Ein Selbstmordattentäter hat auf einem Marktplatz in Kabul viele Menschen in den Tod gerissen.

Kabul - Auf einem belebten Markt in Afghanistan sprengt sich mitten im Fastenmonat Ramadan ein Attentäter in die Luft. Er richtet ein Blutbad an - für das die Taliban nicht verantwortlich sein wollen.

Beim schwersten Selbstmordanschlag in Afghanistan seit Jahresbeginn sind im Südosten des Landes Dutzende Menschen getötet worden, die meisten davon Zivilisten. Der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Sahir Asimi, sagte, der Attentäter habe am Dienstag auf einem belebten Markt 89 Menschen mit in den Tod gerissen. Er berief sich dabei auf Truppen vor Ort, die die Rettungsarbeiten leiteten. Der Präsidentenpalast meldete dagegen 41 Tote bei dem Anschlag auf dem Basar in der Provinz Paktika.

Die Mission der Vereinten Nationen in Afghanistan (UNAMA) berichtete von 43 getöteten Zivilisten, darunter acht Kindern. Nach Angaben des Präsidentenpalastes wurden 28 Menschen verletzt, laut Verteidigungsministeriums waren es 42. UNAMA meldete dagegen 95 verletzte Zivilisten.

Die Taliban dementierten jede Beteiligung an dem Anschlag, der mitten in dem für Muslime heiligen Fastenmonat Ramadan stattfand. „Wir verurteilen die Tat“, teilten die militanten Islamisten mit. Ihre Kämpfer schützten Zivilisten. Das steht in deutlichem Widerspruch zu UN-Statistiken, wonach die Aufständischen für rund drei Viertel der zivilen Opfer im Afghanistan-Konflikt verantwortlich sind.

Der Gouverneur des Distrikts Orgun, Mohammad Resa Kharoti, sagte, unter den Toten seien auch mindestens zwei Polizisten. Der Attentäter habe sich in der Distrikthauptstadt Orgun in einem Auto in die Luft gesprengt, als Polizisten ihn an einem Checkpoint am Basar stoppten.

Kharoti sagte, die Explosion habe die ganze Umgebung erschüttert. „Die Gegend ist voller Blut.“ Teile des Basars seien zerstört worden. Das staatliche Krankenhaus sei angesichts der vielen Verletzten überfüllt. Asimi sagte, das Verteidigungsministerium habe zwei Hubschrauber und acht Krankenwagen geschickt, um Verletzte in Militärkrankenhäuser zu bringen.

Ban Ki Moon: Anschlag ist "ein abscheuliches Verbrechen"

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon verurteilte den Anschlag als Verletzung der Menschenrechte. „Solch ein Angriff auf Zivilisten, noch dazu im heiligen Monat Ramadan, ist ein abscheuliches Verbrechen“, erklärte Ban. Es könne keine Rechtfertigung geben.

Auch die Bundesregierung äußerte sich erschüttert und verurteilte die Tat. Eine Sprecherin des Auswärtigen Amts erklärte: „Das afghanische Volk hat bei den beiden Wahlgängen zum Präsidentenamt den Einschüchterungsversuchen der Taliban mutig widerstanden und ist zahlreich zu den Urnen gegangen. Wir hoffen, dass sich die Bürgerinnen und Bürger in Afghanistan weiterhin nicht von ihrem Weg in Richtung mehr Stabilität und Demokratie abbringen lassen.“

Bei einem weiteren Bombenanschlag in der afghanischen Hauptstadt Kabul wurden zwei Mitarbeiter der Pressestelle des Präsidentenpalastes getötet. Fünf weitere Mitarbeiter des Presseamtes seien verletzt worden, als ihr Fahrzeug in eine Sprengfalle geriet, teilte die Polizei mit. Aus dem Palast hieß es, bei den Toten habe es sich um einen Techniker und einen Kameramann gehandelt. Die Taliban bekannten sich zu dieser Tat und teilten mit, Ziel seien Mitarbeiter der Pressestelle gewesen.

Vor dem Auslaufen des Nato-Kampfeinsatzes Ende des Jahres hat die Gewalt in Afghanistan wieder deutlich zugenommen. Zugleich sorgt für Unsicherheit im Land, dass immer noch kein Sieger der Präsidentenwahl feststeht, deren erste Runde vor mehr als drei Monaten stattfand.

Am vergangenen Samstag einigten sich die beiden Kandidaten Abdullah Abdullah und Aschraf Ghani darauf, alle 8,1 Millionen Stimmen der Stichwahl vom 14. Juni erneut auszählen zu lassen. Vermittelt hatte den Kompromiss in Kabul US-Außenminister John Kerry. Damit war das befürchtete Scheitern der ersten demokratischen Machtübergabe in der Geschichte Afghanistans abgewendet worden. Die Neuauszählung wird nach Schätzung der Wahlkommission mindestens drei Wochen dauern.

dpa

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