Tribunal erklärt Ex-Präsidenten für schuldig

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Liberias früherer Präsident Charles Taylor ist am Donnerstag vom Sierra-Leone-Tribunal wegen Kriegsverbrechen für mitschuldig befunden worden.

Den Haag - Liberias früherer Präsident Charles Taylor ist am Donnerstag vom Sierra-Leone-Tribunal wegen Kriegsverbrechen für mitschuldig befunden worden.

Erstes internationales Urteil gegen einen afrikanischen Staatschef: Der UN-Sondergerichtshof für Sierra Leone hat den früheren liberianischen Präsidenten Charles Taylor am Donnerstag wegen Unterstützung von Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit schuldig gesprochen.

Der heute 64-jährige Taylor habe Rebellen, die im Nachbarland Sierra Leone für zahllose Gräueltaten während des Bürgerkriegs von 1991 bis 2002 verantwortlich waren, mit Waffen, Munition, Kommunikationsgeräten und Logistik versorgt, sagte der Vorsitzende Richter Richard Lussick bei der Urteilsverkündung am Donnerstag. Das Gericht erklärte ihn in elf Anklagepunkten für schuldig, darunter Terror, Mord, Vergewaltigung und der Anwerbung von Kindersoldaten.

Lussick setzte die Anhörung zur Verkündigung des Strafmaßes für den 16. Mai fest. Zwei Wochen später werde es festgesetzt, sagte Lussick. Taylor wird seine Haftstrafe in Großbritannien verbüßen. Eine maximale Höchststrafe existiert nicht. Rebellenführer aus Sierra Leone waren in der Vergangenheit zu Haftstrafen von bis zu 52 Jahren verurteilt worden.

Anklage und Verteidigung kündigten an, das Urteil auf mögliche Gründe für eine Berufung zu prüfen. „Dieses Urteil bringt den vielen tausenden Opfern, die einen schrecklichen Preis für die Verbrechen Taylors gezahlt haben, ein gewisses Maß an Gerechtigkeit“, sagte Anklägerin Brenda Hollis. Taylors Anwalt, Courtenay Griffiths,verurteilte hingegen den Schuldspruch. Er basiere auf „unsauberen und korrupten Beweisen“.

Positive Reaktionen auf Urteil

Menschenrechtsaktivisten werteten das Urteil als Meilenstein im Kampf gegen bisher straflos gebliebene Verbrechen durch Staatschefs auf aller Welt. „Taylors Verurteilung sendet ein starkes Signal, dass auch jene in den höchsten Positionen für schwere Verbrechen zur Rechenschaft gezogen werden können“, sagte Elise Keppler von Human Rights Watch.

Auch die Bundesregierung begrüßte die Verurteilung und lobte die Arbeit des Sondertribunals. „Der Sondergerichtshof hat bereits mit seinem Urteil zur Zwangsrekrutierung von Kindersoldaten Rechtsgeschichte geschrieben. Nun steht er mit dem Abschluss des Verfahrens gegen Charles Taylor als erster der Sondergerichtshöfe vor der Vollendung seines Mandats“, sagte Staatsministerin Cornelia Pieper am Donnerstag in einer Erklärung.

Taylor nahm den Schuldspruch auf, ohne Emotionen zu zeigen. Er hatte sich in allen Anklagepunkten als nicht schuldig bezeichnet. Die Richter verurteilten ihn zwar wegen der Unterstützung von Gräueltaten durch die Rebellen, schrieben ihm aber keine Befehlsverantwortung zu, da er keine direkte Kontrolle über die Rebellen gehabt habe, die er unterstützte.

dapd

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