Trotz Umfrage-Hoch: Gegenwind für Seehofer

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Ministerpräsident Horst Seehofer

München - Vor vier Jahren stürzte die CSU in Wildbad Kreuth ihren Vorsitzenden Stoiber. Bei der diesjährigen Klausur ist kein solches Parteiendrama zu erwarten. Doch für Horst Seehofer bedeuten die aktuell guten Umfrage-Werte nicht nur Aufwind.  

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Umfrage: CSU dank Guttenberg bei 45 Prozent

Persönlich bläst ihm der Wind ins Gesicht. Bei 45 Prozent taxiert das Institut Emnid seine Partei in Bayern derzeit. Die zuletzt bei 38 Prozent liegende CSU käme damit wieder in die Nähe der Alleinherrschaft. Das Problem für den bayerischen Ministerpräsidenten und CSU-Vorsitzenden: Die Befragten setzen dabei auf Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg als Zugpferd.

Die Studie im Auftrag der “Bild“-Zeitung wurde just am Tag vor der an diesem Mittwoch beginnenden traditionellen Klausur der CSU im bayerischen Wildbad Kreuth veröffentlicht. Zwar wurde sowohl in der Landesgruppe im Bundestag als auch in der Parteizentrale in München betont, dass es dieses Mal ein harmonisches und ruhiges Treffen in dem für die CSU berühmt-berüchtigten Kurort geben werde. Doch die Guttenberg-Fans in der CSU werden von der Umfrage erneut bestätigt. 2007 wurde in Wildbad Kreuth CSU-Chef Edmund Stoiber gestürzt. 1976 kündigte die CSU-Landesgruppe im Bundestag bei einem Treffen in dem Hochtal die Fraktionsgemeinschaft mit der CDU auf. So wurde Kreuth für die CSU zum Synonym des Aufbegehrens.

Bei dieser 35. Zusammenkunft von Mittwoch bis Freitag wird in der CSU nicht mit spektakulären Wendungen gerechnet. Nach außen lenkt sie ohnehin das Augenmerk auf die FDP, deren angeschlagenem Parteichef Guido Westerwelle am Donnerstag ein schwieriges Dreikönigstreffen in Stuttgart bevorsteht. Doch zumindest hinter den Kulissen werden CSU- Politiker auch über ihren eigenen Parteichef reden. Seehofer weiß, dass Debatten um die Vorsitzenden Gift sind. Noch keine Partei habe nach solchen Diskussionen besser dagestanden als vorher, sagte er der “Bild am Sonntag“ und erinnerte an den Verlust der absoluten Mehrheit für die CSU in Bayern nach Stoibers Abgang.

Den Koalitionspartner FDP warnte er davor, Westerwelle zu demontieren. Dabei soll ihm dem Vernehmen nach weniger das Wohl Westerwelles am Herzen liegen als die Koalition im Bund. Denn wie Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) soll Seehofer der Überzeugung sein, dass dem eben erst in ruhigeres Fahrwasser gekommenen schwarz-gelben Bündnis mit einem neuen FDP-Chef wieder neue Profilierungskämpfe drohen würden. Was die Profilierung angeht, erscheint Guttenberg laut Umfragen derzeit für alle anderen Bundespolitiker unerreichbar zu sein. Nach Ansicht von Koalitionsmitgliedern wollen die meisten Menschen derzeit keine Fehler bei ihm sehen. Wo andere straucheln würden, stehe er blendend da, heißt es.

Etwa bei der Bundeswehrreform und deren Finanzierung. Auch die von Politikern und Medien breit und scharf kritisierte Mitnahme seiner Ehefrau auf Afghanistanreise hat ihm nicht geschadet. Im Gegenteil. Seine Umfragewerte sind gestiegen. Mit Blick auf die Unruhe in der FDP um Westerwelle skizzierte Seehofer in dem Interview: “Es sind stets dieselben Stufen: Erst kommt der Erfolg, dann schleichen sich Fehler ein, dann beginnt die Suche nach Sündenböcken. Und am Ende kommt die Selbstfindungsphase.“ In welcher Phase die CSU ist, wird sich in Kreuth zeigen.

dpa

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