Türkei plant Merkel-Wahlsieg in Politik ein

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Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan (Archivbild vom 25.02.2013).

Istanbul - Für die Türkei ist Deutschland der wichtigste Handelspartner, im Ringen um einen EU-Beitritt aber auch die härteste Nuss. In der Heimat werden vor der Bundestagswahl interessante Abweichungen im Verhalten der Deutschtürken registriert.

Mit Äußerungen gegen einen EU-Beitritt der Türkei bringen deutsche Unionspolitiker die Regierung in Ankara regelmäßig in Wallung. Die Verbitterung erklärt auch manch aufbrausende Reaktion, wie sie zuletzt der türkische Europaminister Egemen Bagis im Streit um deutsche Kritik an den brutalen Polizeieinsätzen gegen die türkische Protestbewegung gezeigt hat.

Wenn Bundeskanzlerin Angela Merkel auf Kosten der Türkei Wahlkampf machen wolle, werde sie das Schicksal des früheren französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy teilen, sagte Bagis. Dass er Merkel damit eine Niederlage in Aussicht stellte, sei aber nicht als Drohung zu verstehen, wurde schnell nachgeschoben, als die Wogen hoch schlugen.

Inzwischen ist es ruhig geworden, nicht nur weil der Bürgerkrieg im Nachbarland Syrien und ein möglicher Militärschlag gegen das Assad-Regime die politische Agenda in der Türkei dominiert. Die Regierung in Ankara scheint einen neuen Wahlsieg der als Türkei-Skeptikerin geltenden Bundeskanzlerin schon weitgehend in ihre Politik eingepreist zu haben und schweigt lieber.

Genau wird in der Türkei aber verfolgt, wie sich die in Deutschland lebenden Türken positionieren. Traditionell wählen sie vor allem SPD und Grüne. In diese Haltung kommt aber Bewegung, auch weil sie stark von Interessen der Einwanderergeneration geleitet ist.

Im Ausland lebende Türken sympathisieren einer Studie aus Ankara zufolge nur in der neuen Heimat mehrheitlich mit linken Parteien, in der Türkei bevorzugen sie dagegen vor allem konservative Kräfte. Insgesamt etwa 60 Prozent der in EU-Staaten lebenden Türken seien Anhänger der in der Türkei regierenden islamisch-konservativen AKP, wie eine Studie der Hacettepe-Universität Ankara im April ergeben hatte. Dagegen erklärten 55 Prozent der Befragten, in den Staaten der EU für sozialdemokratische Parteien stimmen zu wollen. Etwa 17 Prozent der Befragten sagten, sie seien für kommunistische Parteien oder Sozialisten.

"Das Ergebnis ist kein Widerspruch. Es ist eine rationale Entscheidung", sagte Murat Erdogan, Leiter des Zentrums für Migration und politische Studien der Universität. Für die Migranten gehe es in der EU um das Arbeitsumfeld, Löhne und soziale Fragen. "Wenn das Thema auf die Türkei kommt, sind sie viel nationaler und ideologischer", sagte er der Nachrichtenagentur dpa.

Das Zentrum hat für die Untersuchung 2634 in Europa lebende Türken befragt, davon 1030 in Deutschland. Insgesamt gab es Meinungsumfragen in elf EU-Staaten. Rund 70 Prozent der Befragten erklärten, sie wollten in ihrer neuen Heimat bleiben. Fast ein Drittel von ihnen sagte, keinesfalls in die Türkei zurückkehren zu wollen. Die Hälfte der in der EU lebenden Türken oder aus der Türkei stammenden Menschen habe die Staatsbürgerschaft eines EU-Staates, mehr als 80 Prozent bezeichneten sich als gut integriert.

Türkische Medien berichteten zudem über eine deutsche Studie zum Wahlverhalten türkischstämmigen Wähler in der Bundesrepublik, nach der SPD und Grüne zwar weiter vor liegen. Aber auch die CDU kann demnach zulegen und auf etwa 20 Prozent der Stimmen kommen.

Die Grünen seien zwar wegen ihrer liberalen Einwanderungspolitik beliebt, womöglich würden sie aber wegen ihres Eintretens für die türkische Protestbewegung bei den Gezi-Demonstrationen im Sommer abgestraft. "Obwohl die meisten türkischen Migranten in Deutschland üblicherweise SPD oder Grüne wählen, sind sie nicht liberal orientiert. Die Mehrheit derer mit doppelter Staatsbürgerschaft geben in der Türkei ihre Stimme der AKP", schrieb die Zeitung "Today's Zaman".

dpa

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