Tunesien zwischen Chaos und Hoffnung: Urlauber ausgeflogen

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Der Deutsche Tunesien-Urlauber Ronald Graba und seine Tochter Carmen Buhr umarmen sich am Samstag bei seiner Ankunft im Flughafen Hannover Langenhagen. Aus Sicherheitsgründen werden tausende Urlauber aus Tunesien in ihre Heimat zurückgeflogen.

Tunis - Der Druck der Straße trieb den autoritären Herrscher Ben Ali nach fast einem Vierteljahrhundert in die Flucht. Die neuen Machthaber versuchen, wieder Ordnung zu schaffen. Für viele deutsche Touristen wurde der Urlaub zum Alptraum.

Chaos und Gewalt in Tunesien: Nach der überstürzten Flucht von Herrscher Zine el Abidine Ben Ali ins Exil ging die Armee gegen Mitglieder der Präsidenten-Leibgarde vor. Die neuen Machthaber und das Militär mühten sich, die die Lage unter Kontrolle zu bekommen. Am Sonntagnachmittag fielen wieder Schüsse im Zentrum der Hauptstadt Tunis. Berichte, wonach vier Deutsche in Tunis festgenommen wurden, konnten das Auswärtige Amt in Berlin und die Botschaft am Sonntag zunächst nicht bestätigen.

Unruhen hatten auch die ersten Stunden nach dem Ende der Ära Ben Ali geprägt, der sich nach Protesten gegen sein hartes Regime nach Saudi Arabien abgesetzt hatte. Seit Beginn der Proteste starben weit mehr als 130 Menschen, darunter auch ein deutsch-französischer Fotograf. Binnen 24 Stunden hatte das Mittelmeerland drei Präsidenten. Tausende Urlauber mussten Hals über Kopf nach Deutschland zurückreisen.

Chaos: Staatskrise in Tunesien

Chaos: Staatskrise in Tunesien

In Tunis wurde nach Medienberichten der Chef der Leibgarde festgenommen. Augenzeugen berichteten immer wieder von Plünderungen und verschärften Kontrollen des Militärs. Im Zentrum standen am Sonntag weiter Panzer auf den Straßen. Seit der Flucht von Ben Ali gilt in Tunesien der Ausnahmezustand. Auch der Luftraum war zwischenzeitlich gesperrt.

Mit einem Kraftakt holten die großen Reiseveranstalter am Wochenende deutsche Urlauber aus Tunesien nach Hause. Am Sonntagabend sollten rund 5000 deutsche Touristen wieder daheim sein. Bei ihrer Rückkehr berichteten viele von Schüssen und Gewalt.

Der deutsch-französische Fotograf Lucas Mebrouk Dolega (32) hatte für die european pressphoto agency (epa) gearbeitet. Er war während der Ausschreitungen von einer Tränengasgranate am Kopf getroffen worden. Er starb später im Krankenhaus.

Übergangspräsident Foued Mebazaa soll nun schnell Neuwahlen vorbereiten. Der 77-Jährige war schon der zweite Übergangspräsident, der nach der Flucht von Ben Ali ernannt worden war. Nachdem sich der Langzeit-Präsident ins Exil abgesetzt hatte, war zunächst Ministerpräsident Mohamed Ghannouchi mit den Amtsgeschäften betraut worden. Ghannouchi soll im Auftrag von Mebazaa nun in Gespräche mit der bisher kaum formierten Opposition treten.

dpa

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