tz-Interview

Schuiminisdda Spaenle: So wichtig is d' Mundart für d' Schüler

+
Da Spaenle Ludwig (CSU), da Schuiminisdda vo Bayern.

Minga - Schuiminisdda Spaenle vazäilt im tz-Interview, wie wichtig Mundart für de Schüler is – aa für de Preißn.

In da Schui lernt ma Schriftdeitsch – logisch. Aber heitztag steht in de Lehrplän aa drin, dass ma de bairische Mundart in da Schui pflegn soll. Dafür gibt‘s sogar a dicke „Handreichung“ vom Kultusministerium für de Lehra, damit de wissen, wias des Bairisch aa an Preißn- oda Türken-Kind näherbringa kenna. Die tz hot mitm Schuiminisdder, dem Spaenle Ludwig, drüber gredt, wia schwar des mitm Bairischen im Unterricht is – und wia‘s bei eam selba war, als er in Minga Ende der 60-er, Anfang der 70-er-Jahr in d Schui ganga is, ois des Bairische de Kinda oft no obgwöhnt worn is.

Ham Sie in da Schui Mundart ren deaffa? Oda ham de Lehra gschimpft und gsogd: Red Hochdeitsch!

Da Spaenle Ludwig (CSU), da Schuiminisdda vo Bayern: I war in Schwabing-West in da Näh vom Nordbad auf da Grundschui, und de ollameisddn ham do an Münchna Einschlag ghabt. Wia ma dann Schriftdeitsch glernd ham, war des scho schwierig, ob mas jetzad „Opfesaft“ oda „Apfelsaft“ schreibd. Awa unsre Lehra ham unsa Mundart ned mit Stumpf und Stiel ausgrott, de ham des scho akzeptiad.

Und wia soi da Lehra dem Buam beibringa, dass ma „Apfelsaft“ ned mit „O“ schreibd?

Spaenle: Des is scho a pädagogische Herausfordarung, dem Kind de Hochsprach beizbringa, ohne gleichzeitig des Gfui zu vamiddln, dass er wos ned konn. Awa de Lehra miassn deiddlich macha, dass ma des drenna konn – und dass da Dialekt ned dumm, sondern fia d Identität wichddig is.

In de 70er, 80er-Joah hod ma gsogd: Wer Bairisch redt, is schlecht im Schriftdeitschn. Stimmt des?

Spaenle: Sicha is domois da Dialekt ned imma ois Bereicharung empfundn worn, und ma hod gsogd: Des muasst da obgwohna! De erste Fremdsprach, de a Bayer lerna muass, is Hochdeitsch. Unsa Ministerium hod fia de Lehra a dicke Handreichung zum Dialektuntarichdd gmachd, mid dera laffd des super.

Vui Lehra san ja säiwa Preißn. Wia gengan nacha dee mim Dialektuntarichdd um?

Spaenle: Aa a preißischa oda nordbayrischa Lehra kennt doch sein einga Dialekt – de kennan ois Pädagogn zumindest den Umgang mid dem Dialekt gestalddn. Mei kloane Dochda hod am Anfang vo da Schui rechdd Schriftdeitsch gredt. Plötzlich iss mit Weadda wie „Sackal“ oda „Wammal“ daherkemma – weis bairische Liada in da Schui gsunga ham.

Außahoib vo Bayern wead ma ja heid no oft fia dumm ghoiddn, wenn ma Bairisch redt …

Spaenle: Des mog scho sei, dass des oana denkt, a im politischen Gschäft in Berlin wird ma schnell ois Bayer ausgmacht. Wir Bayern, de Sachsen und die Schwom wern imma an unserm Dialekt erkannt. Aber kimmt gonz auf de Leit o, ob oana deswegen denkt, ma is dumm. In de letzten Jahr is pädagogisch die Erkenntnis komma, dass a Heimat in der Globalisierung, des erdverbunden sei, des Wissen, woher ma kummt, dass des grod jetzt wichtig is.

Jetzt kemman ja vui Buam und Madl aus Syrien oder Afrika in unserne Schuin. Dean se de schwera mitm Deitsch lerna, wenn de Kameraden aufm Schuihof Boarisch redn?

Spaenle: Im Gegenteil! A Beispiel: Nach 9/11 hob i in der CSU-Landesleitung de Arbeitsgruppn Islam gleitet, do hob i den damaligen Chef vom Verband der Islamischen Kulturzentren troffa. Der hat super Deitsch gredt. Dann hob i gfragt: Geh, Sie ham se schwer tan, ois nach Minga komma san. Da foilt der in a breits Niederbayerisch und sogt: „Was moinan‘s, was I für a Riesn-Problem ghabt hob, wie I von Straubing nach Minga oba komma bin.“

Es komman ja a vui Preißn zum Arbeiten nach Minga: San die Münchner Schuin Preißnschuin, red da überhaupts no oana Boarisch?

Spaenle: Egal ob a Schüler aus Berlin, aus Mittelfranken, ausm Erzgebirg oda aus Syrien nach Minga kimmt: Des Boarische ghert zur Integration. Des is unsa Leitkultur, des is unsa Identität. Des is aber was anders ois Assimilation. Integration hoaßt für de Zuagroasten nur: Ihr miasst‘s unser Sproch lerna und eich mit unsera Kultua auseinandersetzn, damit‘s a eire eigne Kultua vastehts. Einheit in da Vielfalt, Vielfalt in da Einheit!

Is des Boarische vom Aussterbn bedroht?

Spaenle: Des glab I net. Sicha miass ma aufpassn: Bayern hat so vui Zuwanderung, 2 Millionen Menschn seit da Deitschn Einheit. Und de Flüchtling komma no dazua. Aba wenn‘s schaun, wia gern die Junga boarische Musi hern, La Brass Banda, Koaflgschroa und wias olle hoaßn: Des Boarische lebt!

Aufgschrim vom Rimpel Klaus

Unsere Aktion "tz auf Bairisch"

Hochdeutsch: Dieser Artikel ist Teil der Aktion „tz auf Bairisch“. Anlässlich des „Internationalen Tags der Muttersprache“ am 21. Februar erscheint die tz-Wochendausgabe am 20. Februar komplett auf Bairisch. Auf tz.de finden Sie vorab und auch am Wochenende eine Auswahl der Texte sowie ein Zusatzangebot mit Grantler-ABC oder dem „Bairisch-Quiz: Wetten, dass Ihr Dialekt verrät, woher Sie kommen“. Zur Überblicks-Seite „tz auf Bairisch“.

Bairisch: Dea Artikel g'head zu unsara Aktion "tz auf Bairisch" dazua. Zum "Intanationalen Dog da Muttersprach" am 21. Februar druck ma de Wochendausgab vo da tz am 20. Feburar vo voan bis hintn auf boarisch. Auf tz.de kenna's davoa und a am Wochenend an Schwung Text und a no mehra dazua finden, wia as Grantler-ABC oda as Boarisch-Quiz. Garantiert, dass eana Dialekt verrodd, wo's herkemman, glamm 'ses uns! Do geht's zua Übersichtseitn "tz auf Bairisch".

auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Trump radiert an "Day One" bereits Obamas Erbe aus
Trump radiert an "Day One" bereits Obamas Erbe aus
US-Presse sagt Donald Trump den Kampf an
US-Presse sagt Donald Trump den Kampf an
USA ziehen sich aus Handelsabkommen TPP zurück
USA ziehen sich aus Handelsabkommen TPP zurück
Millionen protestieren gegen Trump - Präsident greift Medien an
Millionen protestieren gegen Trump - Präsident greift Medien an

Kommentare