Kontrollen schon am Brenner

tz-Besuch in Schloss Elmau: So tagen die Staatschefs

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Sichtlich begeistert vom Tagungsort: Bayerns Innenminister Joachim Herrmann.

München - Das Mega-Ereignis am 7. und 8. Juni im Schloss Elmau wirft seine Schatten voraus. Die tz durfte schon vor der Eröffnung einen Blick in die Räume des neuen Luxus-Hotels werfen.

Was wird am Ende von diesem bayerischen G7-Gipfel in Erinnerung bleiben? Barack Obama unter weiß-blauem Himmel vor der malerischen Zugspitze? Oder Chaoten, die Garmisch nach dem Vorbild der Frankfurter EZB-Krawalle in Schutt und Asche legen? Für Dietmar Müller-Elmau, den Gastgeber des Mega-Ereignisses am 7. und 8. Juni im Schloss Elmau, wird das so entscheidend sein wie für alle im Werdenfelser Land, die vom Tourismus leben.

Am Samstag wird der 40 Millionen Euro teure Neubau des nur durch eine Privatstraße zu erreichenden, abgelegenen Luxus-Hotels eröffnet: das Retreat. Die tz durfte zusammen mit einer Pressedelegation schon vor der Eröffnung einen Blick in die Räume werfen, in denen Anfang Juni Obama, Kanzlerin Angela Merkel und die anderen Staats- und Regierungschefs der sieben wichtigsten Industrienationen sich über die Kriege in der Ukraine oder in Syrien die Köpfe heiß reden werden.

„Das Besondere ist, dass dieser Teil des Hotels schon für den Gipfel gebaut wurde“, erzählt Müller-Elmau, der solch ein Großereignis in seinem Schloss schon immer „im Hinterkopf“ hatte. So konnte während des Baus das eine oder andere für die Sicherheit Relevante noch berücksichtigt werden. „Unsere Sprinkleranlage ist so gut, da brauchen Sie einen Schwimmreifen“, scherzt der stolze Schlossherr.

In welcher der 47 Suiten des Hotels Obama wohnen wird, ist noch unklar: „Wir wissen noch nichts und das, was wir wissen, dürfen wir nicht sagen.“ Die Suiten sind 120 bis 200 Quadratmeter groß. „Gebaut wurden sie nicht für Präsidenten, sondern für Familien mit Kindern“, so der Chef des Luxushotels. Im Schloss und den Nebenbauten gibt sechs Restaurants, die während des Gipfels 24 Stunden rund um die Uhr geöffnet haben werden. „Und wenn der japanische Premier um drei Uhr morgens etwas Japanisches essen will, wird er das bekommen“, so Müller-Elmau. Das in schlichter Eleganz gehaltene Hotel bietet drei Spas, zahlreiche Pools und Saunen, ein türkisches Hamam und sogar ein Yogastudio. „Die Politiker und ihre Delegationen werden wahrscheinlich rund um die Uhr arbeiten und keine Zeit für die Pools haben“, glaubt der Hotel-Chef. Aber wichtig sei vor allem die „positive Grundstimmung“ für gute Verhandlungen. „Hier würde sich sogar Putin entspannen, zumindest wenn wir ihn ein wenig massieren“, meint Müller-Elmau über den Kreml-Chef, der ja nicht mehr im erlauchten G7-Kreis dabei sein darf.

G7: Kontrollen schon am Brenner

Es ist eine atemberaubende Aussicht: Von der Hotelterrasse des Schlosses Elmau aus, auf der ein Traum-Pool plätschert, geht der Blick auf das Wettersteingebirge. Doch dann durchbricht das Knattern eines Hubschraubers die Idylle – und lässt ahnen, was auf die Region rund um Garmisch zukommt, wenn erst einmal der G7-Gipfel Anfang Juni hier stattfinden wird. Es ist Bayerns Innenminister Joachim Herrmann, der auf den extra für den Gipfel gebauten Hubschrauberlandeplatz hinabschwebt. Er kommt, um der Presse das Sicherheitskonzept für den Gipfel vorzustellen – ein Thema, das nach den schweren Krawallen am Mittwoch bei der EZB-Eröffnung umso brennender aktuell geworden ist. „Selbstverständlich hat es in den letzten zwölf Monaten schon zum Sicherheitskonzept dazugehört, so etwas wie in Frankfurt einzukalkulieren“, meint dazu Herrmann. Die Polizeitaktik müsse dadurch nicht geändert werden.

Mehr als 15 000 Polizisten werden während des Gipfels im Einsatz sein, die Hälfte davon aus Bayern, der Rest aus anderen Bundesländern und von der Bundespolizei.

Der Wanderparkplatz zum Schachen wurde extra zum Hubschrauberlandeplatz umgebaut und geteert. Denn auch Barack Obama, Angela Merkel und Co. sollen am 7. Juni mit dem Helikopter nach Elmau kommen. „Der Asphalt kommt nach dem G-7-Gipfel wieder weg“, verspricht der Innenminister.

Fliegen ist angesichts der Terror-Gefahr am sichersten, meint der Minister. Aber falls es starken Nebel gibt, werden die Staatschefs und Präsidenten der sieben mächtigsten Industrienationen doch mit dem Auto kommen müssen. „Das ist Plan B und C und ins Sicherheitskonzept einkalkuliert“, meint dazu Herrmann. Dafür müsste dann sogar die Autobahn gesperrt werden. „Aber es wird sicher nicht so sein, dass die Mittenwalder dann drei Tage ihr Haus nicht verlassen können“, so der Innenminister.

Schon im Vorfeld des Gipfels wird die Polizei die umliegenden Wälder durchkämmen, falls gewaltbereite Demonstranten oder Terroristen Waffen lagern wollten. „Aber als unbewaffneter Wanderer werden Sie bis zum Gipfel selbst kein Problem haben.“ Dann wird jedoch die gesamte Region rund um das Luxushotel weiträumig gesperrt.

Der Innenminister will zudem schon vor dem Gipfel Grenzkontrollen wieder einführen. Solche zeitlich begrenzten Grenzkontrollen seien durch das Schengener Abkommen gedeckt. „Da in Frankfurt gewaltbereite Italiener in Bussen herangekarrt wurden, erscheint das sinnvoll, sie im Vorfeld zu stoppen. Wenn ein Polizist den Eindruck hat, dass die zehn Pflastersteine in ihrem Kofferraum nicht zur Verschönerung des Vorgartens dienen, darf er sie an der Einreise hindern.“ Schon vor dem Brenner sollen mögliche Krawallmacher gestoppt werden.

Auch für ordentliches Essen und Unterbringung der Polizisten will Herrmann sorgen – darüber gab es beim Gipfel in Heiligendamm große Klagen der Sicherheitsbeamten. „Wir kriegen das alles hin!“, so das Fazit des Ministers.

Klaus Rimpel

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