Beckenringbruch

tz-Interview: Arzt erklärt Merkels Verletzung

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Angela Merkel verletzte sich beim Langlaufen.

Berlin/München - Mindestens drei Wochen muss Angela Merkel nach einem Skiunfall auf Krücken gehen. Im tz-Interview erklärt Dr. Alexander Kirgis, Orthopäde im OCM, die Verletzung.

Bei der Kanzlerin wurde ein „unvollständiger Bruch im linken hinteren Beckenring“ diagnostiziert. Was heißt das?

Dr. Alexander Kirgis: Der hintere Beckenring markiert den Übergang von Becken zu Kreuzbein. Dort befindet sich das sogenannte Kreuzdarmbeingelenk. Ein dortiger Bruch, auch unvollständig, ist ziemlich schmerzhaft.

Spielt es für die Therapie eine Rolle, ob die Fraktur vollständig oder unvollständig ist?

Dr. Kirgis: Ja. Vollständige Brüche können instabil sein und erfordern mitunter eine Operation. Bei unvollständigen Frakturen handelt es sich um sogenannte Fissuren, also Haarrisse im Knochen. Hier ist noch genügend intaktes Knochenmaterial vorhanden, das eine gewisse Stabilität gewährleistet. Dann muss nicht operiert werden.

Wie sehen die nächsten Wochen für die Kanzlerin aus?

Dr. Kirgis: Sie darf sich jetzt nur schmerzadaptiert belasten. Mit anderen Worten: Sie benötigt jetzt Unterarmgehstützen, um das betroffene Bein zu entlasten. Bettruhe ist nicht zwingend erforderlich. Sitzen dürfte auch kein Problem sein. Es kann aber sein, das sie anfangs eine weiche Unterlage benötigt. Zusätzlich ist eine Thrombosevorbeugung zu empfehlen. Dazu werden in der Regel Blutverdünner injiziert.

Ist die Verletzung denn eine typische für Skilangläufer?

Dr. Kirgis: Nein. Es kann aber dazu kommen, wenn man auf harten Untergrund – wie eine Eisplatte oder harten Schnee – stürzt, weil es einem zum Beispiel die Skier wegzieht. Dann fallen Sie aus etwa einem Meter Höhe auf das Becken und können sich derartige Verletzungen zuziehen.

Wie lange wird die Genesung der Kanzlerin dauern?

Dr. Kirgis: Bis die Schmerzen abklingen, muss man sicher mit vier Wochen rechnen. Gut ausgeheilt ist so ein stabiler Bruch dann mit etwa sechs Wochen. Auf die leichte Schulter sollte die Kanzlerin den Bruch aber in keinem Fall nehmen: Kommt die Fraktur nicht zur Ruhe, kann es zu einer schleichenden Fehlstellung der Knochen kommen.

Katrin Basaran

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