Die Burka- und Burkini-Debatte

tz-Kommentar: Bikini-Verfechter und Sittenwächter

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Klaus Rimpel.

München - In seinem Kommentar nimmt tz-Politik-Chef Klaus Rimpel Stellung zur Burkini-Debatte. Im aufgeklärten Weltbild sei eines zentral: Toleranz!

An der Grenze, in der Schule oder vor Gericht muss man Gesicht zeigen – es ist also richtig, wenn in diesen Situationen eine Vollverschleierung verboten wird. Aber wir müssen aufpassen, dass wir bei all den aufgeregten Kleidungsstreitereien nicht den Islamisten auf den Leim gehen und unsere eigenen Werte über Bord werfen. Die französische Burkini-Debatte zeigt, wie schnell aus einer liberalen Gesellschaft ein Staat zu werden droht, der mit „Kleiderordnungs-Wächtern“ die individuelle Freiheit angreift. Wenn französische Polizisten Frauen vom Strand treiben, weil sie Leggings und Shirt statt Bikini tragen, dann ist das nicht besser, als wenn iranische Sittenwächter Frauen öffentlich demütigen, weil ihr Kopftuch das Haar nicht bedeckt. Wenn afghanische Taliban Frauen zwingen, sich in sackartigen Hüllen zu verstecken, widerspricht das natürlich unserem aufgeklärten Weltbild. Aber in diesem Weltbild ist eines zentral: Toleranz! Eine muslimische Frau in Deutschland muss knappe Bikinis bei anderen tolerieren. Umgekehrt muss es die Bikini-Trägerin aushalten, dass es in anderen Kulturen andere Schamgrenzen gibt – gerade bei Badekleidung geht es nicht nur um Religion.

Die Terrorgefahr steigt sicher nicht durch Frauen, die im Burkini Spaß im Schwimmbad haben. Die steigt eher durch Debatten, die alle Muslime in die Ecke drängen, nach dem Motto: Ihr gehört hier einfach nicht her. „Jeder soll nach seiner Facon selig werden“: Dieses 300 Jahre alte Credo von Friedrich II. ist immer noch das beste Gegengift gegen Extremisten.

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