Hilflose Reflexe als Problem

Kommentar: Europa darf sich nicht aufgeben

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Marc Kniepkamp.

München - Scheitert das grenzenlose Europa? tz-Redakteur Mark Kniepkamp findet in seinem Kommentar deutliche Worte zum Thema und fordert zum gemeinsamen friedlichen Kampf auf.

Europa gibt derzeit ein Bild der Schande ab. Wie der Schwarze Peter werden Schutzsuchende aus Syrien und anderen Ländern derzeit auf unserem Kontinent umhergereicht – eine gemeinsame Antwort auf die Herausforderungen des Flüchtlingsstroms sucht man vergebens. Stattdessen findet man hilflose Reflexe – wie die Kontrolle der Grenzen innerhalb der EU.

Wenn an diesen Grenzen, die ja schon lange keine mehr sind, jetzt über Jahre wieder die Schlagbäume fallen, dann hat Europa ein massives Problem. Der Normalmensch wird es bei der nächsten Urlaubsreise merken, wenn er plötzlich stundenlang auf der Autobahn steht, nur um einem genervten Grenzer seinen Pass unter die Nase zu halten. Drastischer wären die Folgen für die Wirtschaft: Teile für die Produktion kommen aus ganz Europa und werden bei Bedarf geliefert. Müssen die Lkw auf ihre Abfertigung warten, geht am Band erst mal nichts.

Für Europa muss diese Drohkulisse der Anlass zur Umkehr sein. Weg von den Antworten der Vergangenheit, weg vom überforderten Nationalstaat. Europa kann an dieser Krise wachsen, dafür muss die Politik aber endlich gemeinsam handeln. Es kann nicht sein, dass wir einem Land wie Griechenland den Schutz der Außengrenzen für 26 Schengen-Staaten aufs Auge drücken. Und es kann nicht sein, dass die Verteilung der Flüchtlinge auf unserem Kontinent immer noch nicht leistungsgerecht zwischen den EU-Mitgliedsstaaten geregelt worden ist.

Marc Kniepkamp

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