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"Putin wird sich an uns ­rächen"

tz trifft Pussy Riot in München: Das Interview

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tz-Politikredakteur Klaus Rimpel war beeindruckt von den Pussy-Riot-Aktivistinnen.

München - Zwei Aktivistinnen von Pussy Riot haben im Münchner Arri-Kino einen Dokumentarfilm über ihre kremlkritischen Aktionen und ihre Verhaftungen vorgestellt. Die tz sprach mit den Symbolfiguren des Anti-Putin-Protests.

„Pussy vs. Putin“: Nadeschda Tolokonnikowa (24) und Maria Aljochina (25), die beiden Aktivistinnen der Punk-Bund Pussy Riot, haben im Münchner Arri-Kino einen Dokumentarfilm über ihre kremlkritischen Aktionen und ihre Verhaftungen vorgestellt. Die beiden protestierten anschließend zusammen mit einigen Münchnern vor der Residenzpost gegenüber der Staatsoper. Denn die Luxus-Immobilie soll dem russischen Multimillionär Arkadij Rotenberg, einem Judo-Partner Putins, gehören. Ihr Wunsch, das Münchner Gefängnis Stadelheim zu besuchen, wurde vom Bayerischen Justizministerium abgelehnt. Die tz sprach mit den Symbolfiguren des Anti-Putin-Protests.

"Putin wird sich an uns ­rächen"

Was bedeutet die Krim-Krise für Russland?

Nadeschda Tolokonnikowa: Wir sind schockiert über das Verhalten der russischen Regierung. Aber die große Demonstration gegen das Vorgehen Putins, an der wir vor einer Woche in Moskau teilgenommen haben, zeigt: Es gibt viele Russen, die das nicht akzeptieren!

Putin drohte in seiner Rede zur Krim der Opposition: Wer gegen seine Politik ist, sei ein Handlanger der CIA. Wird Ihr Leben in Russland jetzt noch gefährlicher?

Tolokonnikowa: Putin hat der Opposition mit dieser Rede den Krieg erklärt – das ist immer seine Strategie, Menschen, die ihren Verstand einsetzen und ihrer eigenen Moral folgen, als Verbrecher darzustellen.

Wie werden Sie eingeschüchtert und bedroht?

Maria Aljochina: Immer wieder hält die Polizei uns an, hindert uns daran, zu Veranstaltungen zu gehen. Es ist die pure Gewalt, mit der gegen uns vorgegangen wird – wir wurden in Sotschi mit Schlagstöcken und Pfefferspray angegriffen. Als wir beim Essen in einem McDonald’s in Nischni Nowgorod waren, überfielen uns Schläger und spritzten uns mit ätzender grüner Farbe an. Aber so geht es nicht nur uns, so geht es jedem in Russland, der sich gegen die Macht stellt.

Haben Sie Angst?

Tolokonnikowa: Natürlich haben wir Angst. Aber Mut heißt, die Angst zu überwinden.

Was sollte die internationale Gemeinschaft in der Krim-Frage tun?

Tolokonnikowa: Die Sanktionen, die der Westen gegen Putin erlassen hat, sind richtig! Die Putin-Anhänger in Russland werden erst dann verstehen, was seine Politik bedeutet, wenn er auch ihnen Geld wegnimmt. Die Sanktionen tun Putin weh – die Wut darüber wird sich in seiner Innenpolitik widerspiegeln. Putin wird sich an uns, an der Opposition, rächen.

Pussy Riot in München: Pressekonferenz und Demo

Pussy Riot in München: Pressekonferenz und Demo

Hat Putin durch die Krim-Annexion bei den Russen an Popularität gewonnen? 

Tolokonnikowa: Das ist reine Propaganda. Wir sehen es als unsere Aufgabe an, durch diese Propaganda durchzudringen und aufzuklären.

Ist das auch der Grund, warum Sie den Film „Pussy vs. Putin“ gemacht haben?

Aljochina: Dieser Dokumentarfilm, der von unseren Freunden gedreht wurde, zeigt anhand unserer Verhaftung Russland von innen. Als ich den Film zum ersten Mal gesehen hatte, musste ich weinen, weil wir noch einmal die Verhaftung und das alles durchlebten. Aber auch die Anteilnahme vieler Menschen, die in diesem Film dokumentiert ist, rührt mich zu Tränen.

Wie war die Zeit im russischen Straflager?

Aljochina: Das Gefängnis ist eine Insel des Schreckens. Die Menschen außerhalb verschließen davor die Augen. Deshalb haben wir es uns zur Aufgabe gemacht, mit unserer Organisation „Zona Prawo“ (Zone des Rechts) den Menschen die Augen zu öffnen. Die Häftlinge werden zu Objekten degradiert, verlassen das Lager als psychisch Behinderte. Wir wollen Prozeduren schaffen, mit denen sich Menschen gegen unwürdige Urteile und Haftbedingungen wehren können. Wissen Sie, wir sind komische Menschen: Wenn wir im Ausland sind, wollen wir die dortigen Gefängnisse besuchen! In Berlin haben wir uns nett mit dem dortigen Gefängnisdirektor unterhalten. Wir hatten auch eine Zusage, das Münchner Gefängnis in Stadelheim anzuschauen – es ärgert uns, dass wir es jetzt kurzfristig doch nicht besuchen dürfen.

Sie haben ja beide ein kleines Kind. Gibt es einen Punkt, ab dem Sie sagen: Wir müssen Russland unserer Familie zuliebe verlassen?

Tolokonnikowa: Natürlich ist es anders, wenn man Verantwortung für ein Kind hat. Aber wir werden Russland deshalb nicht verlassen. Wir wollen, dass unsere Kinder in ihrem gewohnten Umfeld bleiben können. Wir wollen, dass unsere Kinder ein besseres Russland bekommen.

Interview: Klaus Rimpel

Pussy Riot im Porträt

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