Überraschungsgast bei Seehofer-Empfang

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Zwei Politiker, die erbitterte Rivalen um das Amt des Ministerpräsidenten geworden sind: Horst Seehofer (l.) und Christian Ude

München - 1500 Gäste begrüßte Horst Seehofer am Freitag zu seinem Neujahrsempfang. Darunter befand sich auch ein hochrangiger Mann, der bisher regelmäßig geschwänzt hatte.

Alles wie immer – oder um mit Dinner for one zu sprechen – „the same procedure as every year“: Gut 1500 Gäste aus Wirtschaft, Politik und Kultur, diverse Wein- und Milchköniginnen, kernige Gebirgsschützen sowie Bürger, die sich im Ehrenamt verdient gemacht haben, stehen geduldig Schlange, um Ministerpräsident Horst Seehofer ein gutes neues Jahr zu wünschen.

Doch eines ist beim diesjährigen Neujahrsempfang in der Residenz anders als sonst. Denn wenn Münchens OB Christian Ude sich ins Defilee einreiht, um dem Ministerpräsidenten die Hand zu schütteln, bricht ein Blitzlichtgewitter los, wie es das seit dem legendären Neujahrsempfang im Jahre 2007 nicht gegeben hat, als CSU-Rebellin Gabriele Pauli Edmund Stoiber mit ihrer Anwesenheit provozierte.

Denn Ude hatte den Neujahrsempfang bislang gemieden, obwohl er immer eingeladen war. Einmal allerdings, zu Stoibers Zeiten war das, da war er sehr wohl dagewesen. „Ich habe da gelernt, dass es eine Möglichkeit gibt, das Defilee abzukürzen“, gab er am Freitagabend zu Protokoll. Und zu Ministerpräsident Seehofer gewandt: „Diese Art von Upgrading hindert mich nicht daran, jegliche Art von Präsidentenamt zu übernehmen.“ Konter von Seehofer: „Es freut mich, dass mich erstmals der OB der Landeshauptstadt bei diesem Empfang heimsucht. Mein Neujahrswunsch ist, dass diese Heimsuchung in dieser Form noch viele Jahre erhalten bleibt.“

 

Ganz klar: Das Zusammentreffen der beiden Polit-Granden war auch Teil des längst tobenden Vorwahlkampfes. Ude will Seehofer die Show stehlen, doch CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt findet die Show des Roten halb so schlimm. Gegenüber der tz frotzelte er: „Ich sehe keine Provokation darin, wenn Ude sich brav in die Schlange einreiht, um dem Bayerischen Ministerpräsidenten die Hand geben zu dürfen.“

Seehofer hatte schon vor dem Neujahrsempfang dem BR seinen Neujahrs-Vorsatz verraten: 2012 werde es Null-Toleranz gegenüber Abweichlern in den eigenen Reihen geben. „Alleingänge können wir uns nicht mehr leisten“, drohte er. Sein Vorgänger Erwin Huber hält sich aber nicht an die Geschlossenheits-Vorgabe und entfesselte mit einem SZ-Interview eine Debatte über die Ursachen des Stoiber-Rücktritts vor fünf Jahren: Seehofer hatte von einem „Sturz“ Stoibers gesprochen. Huber widersprach: „Die Worte Fehler und Putsch treffen die Vorgänge absolut nicht“. Ohne die Kreuther Klausur 2007 wäre „die CSU in der Opposition gelandet“.

tz

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