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Ukraine-Krieg: Viele Ex-Bundeswehr-Soldaten? Schätzung deutscher Freiwilliger sickert durch

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Von: Patrick Mayer

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Mit einer Panzerabwehrrakete bewaffnet: ein ukrainischer Soldat an einem Checkpoint in Kiew.
Mit einer Panzerabwehrrakete bewaffnet: ein ukrainischer Soldat an einem Checkpoint in Kiew. © IMAGO / CTK Photo

Offenbar melden sich immer mehr Ausländer, um der Ukraine als Soldaten im Krieg gegen Russland beizustehen. Auch etliche Deutsche sind wohl darunter. Ein Foto geht bei Twitter viral.

München/Kiew - Amerikaner, Mexikaner, Briten, Schweden, Litauer, Inder und auch Deutsche. Die Berichte, wonach sich immer mehr ausländische Legionäre den ukrainischen Streitkräften anschließen, um gegen die russischen Invasionstruppen zu kämpfen, mehren sich von Tag zu Tag.

Ukraine-Konflikt: Tausende Freiwillige aus dem Ausland ziehen gegen Russland in den Krieg

Am Montag (7. März) postete das Nachrichtenportal The Kyiv Independent bei Twitter ein Foto einer Gruppe junger Männer, die als „internationale Legion“ innerhalb der ukrainischen Freiwilligenverbände beschrieben werden. „Nach Angaben der ukrainischen Bodentruppen kamen die Freiwilligen aus den USA, Großbritannien, Schweden, Litauen, Mexiko und Indien“, steht bei dem Post.

Die Männer tragen neben schweren Waffen teils ukrainische Uniformen sowie schusssichere Westen mit der ukrainischen Nationalflagge darauf. Stand Dienstagnachmittag, 16 Uhr, hatte das Posting schon beinahe 77.000 Likes erhalten.

Krieg gegen Russland: Ukraine rekrutiert auch Deutsche

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung (F.A.Z.) berichtet davon, dass die Ukraine für den Krieg* auch Deutsche für ihre Armee rekrutiert. So würden reihenweise Männer bei Hansjürgen Doss anrufen, einem Honorarkonsul der Ukraine und ehemaligen CDU-Bundestagsabgeordneten. Darunter seien auch (ehemalige) Bundeswehr-Soldaten, etwa ein Sanitätsoberst aus der Pfalz oder ein Fallschirmjäger. Ihr Ziel: die Aufnahme in die Fremdenlegion der ukrainischen Reservetruppen. Laut F.A.Z. wirbt das ukrainische Generalkonsulat in Frankfurt am Main verstärkt auf Facebook dafür.

Der Zulauf ist offenbar groß. „Aus 16 Ländern weltweit sind bereits Freiwillige in die Ukraine gekommen, die bereit sind, Rücken an Rücken mit dem ukrainischen Volk gegen die Aggressoren zu kämpfen“, erzählte der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba Anfang März vor Journalisten: „Ihre Zahl hat bereits mehr als tausend Menschen überschritten.“ Präsident Wolodymyr Selenskyj meinte wiederum in einem öffentlichen Aufruf: „Jeder, der sich der Verteidigung der Ukraine*, Europas und der Welt anschließen will, kann kommen und Seite an Seite mit den Ukrainern gegen die russischen Kriegsverbrecher kämpfen.“

Im Video: Kompakt - Die News zum Ukraine-Krieg und dem Überfall Russlands

Das politische Berlin wollte dem zumindest keine Hürden setzen. Auf eine Anfrage des Tagesspiegel beim Innen- und Justizministerium hin, hatte die Bundesregierung erklärt, dass sie Deutsche nicht daran hindern wird, sich freiwillig am Krieg in der Ukraine* zu beteiligen. Das gelte sowohl für die ukrainische als auch die russische Seite.

Laut Welt soll die geplante internationale Legion der Ukraine auf bis zu 16.000 Soldaten anwachsen. Die Zeitung zitiert einen 19-jährigen deutschen Studenten, der namentlich nicht genannt wird. „Ich kann nicht einfach hier sitzen und nichts machen“, sagt der junge Mann demnach: „Nicht, wenn (Wladimir) Putin* gerade alles zu zerstören droht, was in Europa in den vergangenen Jahrzehnten aufgebaut wurde.“

Ukraine-Krieg: Internationale Fremdenlegion zieht gegen russische Truppen ins Feld

Auch ein 30-jähriger Jurist aus Frankfurt wollte sich für den Kampf der Ukraine gegen Russland freiwillig melden. Er begründete seine Motivation mit dem Auftreten des ukrainischen Präsidenten. „Selenskyj ist ein brillanter Redner, der Menschen mitreißen und davon überzeugen kann, dass jetzt der Augenblick ist, für unsere Freiheit und Demokratie einzustehen“, sagte er der Welt.

Die F.A.Z. schreibt wiederum von einem 30-jährigen Jurastudenten aus der Nähe von Berlin, der sich in diesen Tagen auf den Weg machen will. Doch: Wie viele Deutsche wollen vor Ort und mit der Waffe in der Hand gegen die völkerrechtswidrigen Absichten des Moskau-Despoten Wladimir Putin kämpfen? Es gibt nur Schätzungen.

Ein Beispiel: Der Business Insider analysierte eigenen Angaben zufolge verschlüsselte Chat-Gruppen, in denen deutsche Bundeswehr-Reservisten einen Kriegseinsatz als Fremdenlegionäre planen sollen. Ihre Zahl soll demnach in die Hunderte gehen. Einzelne Ex-Soldaten sollen sogar schon im Kriegsgebiet sein. Zur Einordnung: Laut Angaben der Bundeswehr gab es in Deutschland, Stand Februar 2022, bis zu 900.000 sogenannter Reservisten.

Die Freiwilligen werden sich mit Legionären aus anderen Ländern zusammenfinden. Laut britischer The Times zum Beispiel mit Rab Grady, einem 61 Jahre alten Großvater aus dem schottischen Edinburgh. Sie alle vereint ein Ziel: der Ukraine beizustehen. (pm) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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