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„Sie lebten wie Schweine“: Ukrainer berichten von russischer Besatzung

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Von: Franziska Schwarz

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Ukraine-Krieg: Einwohner im befreiten Isjum in der Ostukraine vor zerstörten Häusern
Aufnahme vom 11. September: Einwohner im befreiten Isjum © Juan Barreto/AFP

Was hinterlassen die russischen Besatzer im Ukraine-Krieg und wie erlebten die Menschen den Alltag? Einwohner von Isjum haben jetzt berichtet.

Isjum - Für die Kameras von CNN zeigt Waleri mit seiner Ehefrau ein Lächeln. Sie stehen auf einer Straße in Isjum, vor kurzem erst haben die russischen Besatzer die Stadt verlassen. Der Mann mittleren Alters sagt den Reportern: „Die Befreiung ist Balsam für die Seele.“

CNN war der erste internationale Fernsehsender, der in die ostukrainische Stadt kam, nur zwei Tage, nachdem die Gegenoffensive der Ukraine das Militär von Wladimir Putin von dort verjagt hatte. Noch sind die Straßen fast menschenleer, berichteten die Reporter. Doch teils würden sich die Einwohner wieder aus ihren Häusern trauen, sie winken vorbeifahrenden Panzern zu und schütteln „jedem ukrainischen Kämpfer, der vorbeigeht“ die Hand.

Einwohner: Russische Besatzer hausen im Ukraine-Krieg wie Tiere

Wie sah das halbe Jahr Besatzung für die Einwohner Isjums aus? Wie verhielten sich die russischen Soldaten? Waleri schilderte, was die Besatzer aus einem vormaligen Schulgebäude machten. Zur Truppenbasis umgewandelt, war es nun umgeben von Schützengräben, Sandsäcken und Kriegsfahrzeugen.

Eine dieser russischen Unterkünfte habe Walerie einmal betreten können. „Sie leben wie die Schweine - nein, Schweine leben besser“, urteilte er gegenüber CNN. In den Häusern der Einwohner erhofften sie sich Beute zum Leben. „Wenn keine Menschen da waren stahlen sie alles.“

Ein russischer Soldat habe ihm einmal gesagt: „Alter, wir haben euch von den Nazis befreit“, erzählte Waleri. Und ein anderer: „Wen sollen wir hier noch einmal befreien?“. Das deckt sich mit aktuellen Berichten über den desolaten Zustand des russischen Militärs. Putin entsendet deshalb angeblich schon keinen neuen Truppen mehr in die Ukraine.

Befreite Stadt in der Ostukraine zu 80 Prozent im Krieg zerstört

Die ukrainische Wochenzeitung Kyiv Post hat unterdessen mit einem Stadtpolitiker Isjums gesprochen. Maksym Strelnyk zufolge halten sich aktuell noch 10.000 Einwohner in der Stadt auf, vier Fünftel weniger als vor der russischen Invasion in die Ukraine.

Mehr als 80 Prozent der Infrastruktur seien zerstört worden, private Häuser, Büros und Behördengebäude eingerechnet. Außerdem funktioniere das Zentralheizungssystem nicht mehr, im Winter betreffe dieses Problem das nahezu alle Einwohner. Strelnyk sorgt sich nach eigenen Angaben stark um die Versorgung von Erkrankten und den Nachschub mit Medikamenten.

Offensive der Ukraine: Isjum-Befreiung schwerer Rückschlag für Moskau

Die am 11. September vom ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj gemeldete Rückeroberung von Isjum sehen Militärexperten als einen schweren Rückschlag für die russische Armee im Osten des Landes.

Russland indes weigert sich weiterhin, diese Teil-Niederlage im Ukraine-Krieg einzuräumen. „Um die Ziele des militärischen Sondereinsatzes zur Befreiung des Donbass zu erreichen, wurde beschlossen, die in den Regionen Balaklija und Isjum stationierten russischen Truppen zu verlegen“, erklärte das Verteidigungsministerium in Moskau. (frs)

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