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„Brennt in der Hölle“: Explosive ukrainische Drohnen-Grüße an Putin und Russland

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Von: Yannick Hanke

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Im Vordergrund ist Wladimir Putin, Präsident von Russland, während eines Treffens mit dem stellvertretenden Ministerpräsidenten Tschernyschenko im Kreml, zu sehen. Im Hintergrund testet eine Ukrainerin eine Drohne.
Das wird ihm nicht schmecken: Die Ukraine setzt im Kampf gegen Russland und dessen Präsident Wladimir Putin auf Bomben, die mit Drohnen transportiert werden und spezielle Botschaften enthalten. © Gavriil Grigorov/dpa/imago/Montage

Der Wut wortwörtlich mit explosiven Botschaften Luft machen: Das tun Ukrainer, die Sprüche auf Bomben drucken, mit denen russische Besatzer attackiert werden.

Kiew/Moskau – Hier werden definitiv keine Liebesgrüße nach Moskau geschickt. Die Rede ist von jungen Ukrainern, die Bomben mit Botschaften bedrucken, die sich gegen die russischen Besatzer im osteuropäischen Land richten. Mit diesem speziellen Projekt werden Spenden gesammelt, um wiederum mehr Kampfdrohnen kaufen zu können. Das berichtet kreiszeitung.de.

Alles, um sich gegen Russland und dessen Präsidenten Wladimir Putin zur Wehr zu setzen. Ein gepflegtes „Putin: F*** off“ muss sich der Kreml-Herrscher in Form einer explosiven Botschaft dadurch permanent gefallen lassen.

Ukraine-Krieg: Drohnen mit explosiven „VIP-Grüßen“ im Einsatz gegen Russland und Wladimir Putin

In dieser Hinsicht sind der Kreativität im Ukraine-Krieg offenbar keinerlei Grenzen gesetzt. Wer den russischen Besatzern explosive „VIP-Grüße“ zukommen lassen will, der ist mit einer Spende in Höhe von umgerechnet 665 Euro dabei, berichtet das Redaktionsnetzwerk Deutschland. Dafür kann dann aber auch der gesamte Bombenmantel nach individuellen Wünschen gestaltet werden. Eine Textnachricht zum Aufdruck kostet 28 Euro, ab 111 Euro ist ein Aufkleber auf dem Sprengkörper gegen das russische Militär und den isolierten Wladimir Putin möglich.

„Bringen Sie den Russen mithilfe einer Bombe alle Ihre Gefühle zum Ausdruck“, wird schwarzhumorig für die Luxus-Option geworben, berichtet das Redaktionsnetzwerk Deutschland. Hinter der Initiative inmitten des auch von Partisanen bestimmten Ukraine-Kriegs stecken junge Freiwillige der Organisation „Frontline Care“, zu Deutsch in etwa „Frontfürsorge“. Sie stellen die Bombenteile in Kiew weitgehend am 3-D-Drucker her und liefern diese den ukrainischen Streitkräften. Anschließend werden die Bomben von Kampfdrohnen transportiert, die sie über russische Stellungen abwerfen.

Ukraine setzt im Kampf gegen Putins Militär aufs „Boomboard“-Projekt und „Frontline Care“

Das Crowdfundingprojekt firmiert unter dem Titel „Boomboard“. „Boom“ soll dabei phonetisch für die Explosion einer Bombe stehen, während „board“ das englische Wort für Tafel meint, auf die es sich schreiben lässt. Zurück geht „Frontline Care“ auf Liubov Halan, eine 26 Jahre alten Ukrainerin, die vor Kriegsbeginn für die Vereinten Nationen (UN) gearbeitet hatte. Danach begann sie Spenden zu sammeln, um die Soldaten der Ukraine im Kampf gegen den womöglich vor einem Sturz stehenden Putin und dessen Militär mit Uniformen, Socken oder Schuhen auszurüsten.

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Im Sommer 2022 hätte man dann gemerkt, wie wichtig Drohnen im Kampf gegen die Russen und wohl auch afghanische Söldner sein, heipt es in dem RND-Bericht. Mithilfe einer Kreativagentur konnte „Boomboard“ ins Leben gerufen werden, ohne dafür Geld in die Hand nehmen zu müssen. „Frontline Care“ wiederum arbeitet mit dem ukrainischen Drohnenhersteller UA Dynamics zusammen. Hier haben Veteranen die umbemannten Flugzeuge vom Typ „Punisher“ entwickelt, welche die „Boomboard“-Bomben abwerfen.

„Spottbillige“ Bomben aus dem 3-D-Drucker treiben Putins Besatzer zur Weißglut

Die Drohnen könnten bis zu 45 Kilometer tief ins Feindesland fliegen, heißt es von UA-Dynamics-Ingenieur Yevhen Balatsev. Die Flugzeuge mit einer Spannweite von unter drei Metern seien für Putins Militär, das mitunter auch zum Meutern bereit ist, nur schwer zu orten. Sie trügen jeweils eine „Boomboard“-Bombe, die von UA Dynamics selbst als „spottbillig“ bezeichnet wird. Schließlich besteht ihr Mantel aus einem PVC-Rohr und Plastikteilen aus dem 3-D-Drucker.

Die ungelenkte Bombe im Kampf gegen die russischen Besatzer würde von den Soldaten mit Sprengstoff, Schrapnellen und einem Aufprallzünder gefüllt. Aufgrund eines fehlenden Präzisionslenksystem würde die Bombe schlicht am Ende ihrer Flugbahn detonieren. Eine Bombe, die zwar wenig kosten mag, jedoch gigantische Explosionen auslösen könne.

„Brennt in der Hölle“: Ukraine setzt Bomben mit persönlichen Nachrichten gegen Putins Russland ein

Das große Ziel des Crowdfundingprojekts sei es, 200.000 Dollar (umgerechnet in etwa 203.000 Euro) einzusammeln, um den Streitkräften der Ukraine vier „Punisher“-Drohnen zu finanzieren. Drohnen, „die den Invasoren dabei helfen werden, ihren gemütlichen Ruheplatz zwei Meter unter der Erde unseres Mutterlandes zu finden“, wie es auf der Homepage des Projekts heißt. Bislang seien schon 170.000 Dollar an Spendengeldern zusammengekommen. Drei Kampfdrohnen konnte man den ukrainischen Streifkräften bereits übergeben. Die Ukraine mit Drohnen unterstützt indes aber auch Star-Wars-Ikone Mark Hamill.

Ja, es ist manchmal lustig und manchmal traurig. Ja, es ist eine Spendenkampagne. Aber was wir wirklich erreichen wollen, ist, einen Völkermord zu verhindern

Liubov Halan, Initiatorin von „Frontline Care“ 

Die Idee, persönliche Nachrichten auf Bomben gegen das russische Militär zu drucken, „wurde irgendwie zu einer therapeutischen Art, dem eigenen Ärger Luft zu machen und den Feind zu bestrafen“. Das sagt Mykola Rybyytva, der Vollzeit für das Projekt arbeitet und hierfür sogar seinen früheren Job aufgegeben hat. Es sind kurze Texte wie „Putin: F*** off“, „Brennt in der Hölle“, „Ruhm für die Ukraine“ oder „Für Charkiw, die Stadt der Träume“, die auf den Bombenmänteln zu lesen sein. Auch aus dem Ausland finden sich Botschaften, „Mit Liebe aus Toronto“ oder „Liebe Grüße von Max G“ sind nur zwei Beispiele.

„Völkermord verhindern“: Witzige Botschaften auf Bomben der Ukraine mit ernstem Hintergrund

Eines wollen die Initiatoren von „Frontline Care“ aber klarstellen: Eine Verharmlosung des immer wieder neu eskalierenden Ukraine-Kriegs sollen die Botschaften auf den Bombenmänteln nicht darstellen. Vielmehr sei es „auch ein Weg, um Spannungen zu bewältigen“, sagt Rybytva. Dem kann Liubov Halan nur zustimmen. „Ja, es ist manchmal lustig und manchmal traurig. Ja, es ist eine Spendenkampagne. Aber was wir wirklich erreichen wollen, ist, einen Völkermord zu verhindern“.

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