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Teilmobilisierung reicht wohl nicht: Putin könnte laut Experten jetzt einen Schritt weitergehen

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Von: Bedrettin Bölükbasi

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Wladimir Putin während seiner Rede zum russischen Feiertag der nationalen Einheit.
Wladimir Putin während seiner Rede zum russischen Feiertag der nationalen Einheit. © Evgeny Biyatov/Imago

Im Ukraine-Krieg mobilisierte Russland eigenen Angaben zufolge etwa 300.000 neue Rekruten. Weil das nicht genügt, will der Kreml den Einzug von Rekruten wohl „verdeckt“ fortsetzen.

München — Nach schweren Verlusten im Ukraine-Krieg erteilte Kreml-Chef Wladimir Putin im September den Befehl für eine Teilmobilisierung in Russland. So sollte das Defizit an Soldaten beseitigt werden. Glaubt man Moskau, dann wurden etwa 300.000 neue Kämpfer rekrutiert.

Doch damit hat sich die Sache offenbar nicht erledigt: Unabhängige Experten der amerikanischen Denkfabrik „Institute for the Study of War“ (ISW) halten eine verdeckte Fortführung der Mobilmachung für Russlands Krieg für wahrscheinlich.

Ukraine-Krieg: Putin will offenbar weiter mobilisieren — Truppenstärke wohl nicht erreicht

Demnach deuten jüngst von Putin unterzeichnete Dekrete darauf hin, dass die Teilmobilmachung entgegen russischer Behauptungen keine ausreichende Truppenstärke erzielt hat. Dafür spreche auch, dass Putin bislang kein Dekret unterzeichnet hat, das die Ende September ausgerufene Mobilmachung offiziell beendet, lautete die Einschätzung des ISW.

Der Kreml hatte am Dienstag (1. November) erklärt, dass die Teilmobilmachung von 300.000 Reservisten für den Kriegsdienst in der Ukraine abgeschlossen sei. Putin zufolge sind sogar 318.000 Männer mobilisiert worden. Damit sei eine Beendigung der Mobilmachung per Erlass unnötig, hieß es von Kremlsprecher Dmitri Peskow.

Ukraine-Krieg: Kreml-Chef unterzeichnet Dekrete zur zusätzlichen Mobilisierung

Nach ISW-Angaben sind die russischen Angaben jedoch nicht stimmig mit Putins Erlass von diesem Freitag (4. November), der russischen Behörden auch den Einzug von Zivilisten erlaubt, bei denen eine Verurteilung für schwere Verbrechen aussteht.

Weiterhin soll Putin Dekrete unterschrieben haben, die den Kreis der Wehrdienstleistenden auf Männer ausweiten, die in Freiwilligenformationen dienten, sowie Ausnahmen festlegen für den Einzug von Wehr-Ersatzdienstleistenden. Gerade die Möglichkeit, Häftlinge anstatt von Zivilisten einzuziehen, deuteten die ISW-Experten als Versuch, um weiteren sozialen Spannungen zuvorzukommen.

Trotz der Kreml-Behauptungen, dass die Kreiswehrersatzämter nun keine Reservisten mehr einziehen dürften, berichteten russische Oppositionelle und Online-Medien laut ISW, dass sich Behörden auf eine zweite Mobilmachungswelle vorbereiteten, indem etwa die Rekrutierungszentren modernisiert und Listen möglicher Rekruten erstellt würden. Auch hätten laut dem Bericht einzelne Männer Einberufungsbescheide für das kommende Jahr erhalten. Ukrainer in Russland fürchten eine neue Mobilisierung(bb/dpa)

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