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„Ganzes Land steckt im Dreck“: Russischer Oligarch verurteilt Putins „Scheißarmee“ und „Ukraine-Massaker“

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Von: Stephanie Munk

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Der russische Geschäftsmann Oleg Tinkov bei der Tour de France 2016.
Der russische Geschäftsmann Oleg Tinkow bei der Tour de France 2016. © Kim Ludbrook/dpa

Putins Truppen seien eine „Scheißarmee“, ganz Russland stecke im Dreck: Der Oligarch Oleg Tinkow hat auf Instagram hart ausgeteilt. Fast alle Russen seien gegen den Ukraine-Krieg.

Moskau - Der russische Milliardär Oleg Tinkow hat auf Instagram bemerkenswert scharfe Kritik an dem von Präsident Wladimir Putin begonnenen Ukraine-Krieg geübt. Der Krieg sei „sinnlos“, schreibt der Milliardär, es würden unschuldige Zivilisten und Soldaten sterben. Niemand profitiere davon. „90 Prozent der Russen sind gegen den Krieg“, behauptet der Oligarch. „Aber zehn Prozent jedes Landes sind Idioten.“

Das ganze Land ist beschmutzt von Vetternwirtschaft, Speichelleckerei und Unterwürfigkeit.

Der russische Oligarch Oleg Tinkow auf Instagram über Russland

Vom Westen fordert Tinkow, Putin eine gesichtswahrende Möglichkeit zu geben, aus dem Krieg auszusteigen. Nur so könne das „Massaker“ beendet werden, meinte er. Ein früherer russischer Außenminister hatte zuletzt vor dieser Variante noch explizit gewarnt. Am Mittwoch ist der Ukraine-Konflikt in eine neue militärische Phase getreten, die russische Armee scheint von der völligen Zerstörung des Ostens nicht zurückzuschrecken.

Russischer Oligarch zieht über Putins Armee her - „das ganze Land steckt im Dreck“

Mit der russischen Armee und Putin geht Tinkow scharf ins Gericht. „Die Generäle, aus ihrem Rausch aufgewacht, haben erkannt, dass sie eine Scheißarmee haben“, schrieb Tinkow auf Instagram. „Und wie sollte die Armee auch gut sein, wenn das ganze Land im Dreck steckt und beschmutzt ist von Vetternwirtschaft, Speichelleckerei und Unterwürfigkeit“, kritisierte Tinkow.

Auf Instagram bekam Tinkow viel Zustimmung: Sein Beitrag wurde bis Mittwochvormittag schon von über 100.000 Nutzern mit „gefällt“ markiert. Zudem wurde der Beitrag innerhalb kürzester Zeit über 20.000 Mal kommentiert.

Russen-Oligarch wütet über Ukraine-Krieg und Putin: Auf Aussagen drohen bis zu 15 Jahre Haft

Tinkow hatte sein erstes Kapital mit dem Import von Elektronikwaren gemacht, ehe er dann eine Brauerei unter seinem Namen gründete. Zum Milliardär wurde er durch die Gründung der Internetbank „Tinkoff Bank“, die sich nicht zu der wortreichen Kritik ihres Großaktionärs an Putins Krieg äußerte. Internationale Bekanntheit erlangte der russische Oligarch als Besitzer des Radsport-Teams „Tinkoff“ bei der Tour de France.

Tinkow lebt nach einer Leukämie-Erkrankung seit einigen Jahren hauptsächlich im Ausland. Er war einer der ersten unter Russlands Superreichen, die den Ukraine-Krieg kritisierten. Schon im Februar nannte er den russischen Angriff „unfassbar und sträflich“. Die russische Führung sollte ihr Geld lieber in die Bekämpfung von Krankheiten investieren, forderte er. In Moskau sind solche Aussagen inzwischen strafbar als Verunglimpfung der Armee, es drohen bis zu 15 Jahre Haft.

Russen-Oligarch wütet über Ukraine-Krieg und Putin: Durch Sanktionen hat er Milliarden verloren

Trotzdem fiel auch Tinkow als russischer Milliardär unter die Sanktionen, die Großbritannien gegen die russische Finanzelite verhängte. Laut der Wirtschaftszeitschrift Capital haben die Aktien seiner Tinkoff-Bank daraufhin um 80 Prozent an Wert verloren. Tinkow soll durch die Sanktionen bereits fünf Milliarden Dollar Verluste erlitten haben. (smu/dpa) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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