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Verleibt sich Russland eroberte Gebiete ein? Moskau widerspricht plötzlich prorussischen Separatisten

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Von: Patrick Mayer

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Oblast Cherson: Russische Soldaten bewachen ein Wasserkraftwerk.
Oblast Cherson: Russische Soldaten bewachen ein Wasserkraftwerk. © IMAGO / SNA

Russland kontrolliert die Regionen Cherson und Saporischschja im Süden der Ukraine. Einen schnellen Anschluss soll es laut Moskau aber nicht geben. Der Kreml lehnt damit entsprechende Forderungen ab.

München/Cherson - Die Seehafenstadt liegt am Mündungsdelta des Dnepr, genau zwischen dem mit Abstand größten Fluss der Ukraine, der Krim und dem Schwarzen Meer. Strategisch bedeutsam, wurden Cherson und die gleichnamige Oblast gleich zu Beginn des russischen Einmarsches erobert. Die Großstadt mit ihren rund 290.000 Einwohnern ist fest in russischer Hand. Doch Anfang der Woche geriet auch Cherson militärische wieder in den Fokus, während im Donbass nordöstlich heftige Kämpfe toben.

Ukraine-News: Cherson und Saporischschja - Moskau will kein kurzfristiges Referendum für Anschluss an Russland

Aus diesem Grund wird es nach Angaben aus dem Kreml in den besetzten Gebieten in der Südukraine kurzfristig kein Referendum zum Anschluss an Russland geben. „Wenn die Sicherheit nicht völlig gewährleistet ist – und wir sehen die andauernden Schläge der ukrainischen Militärs und Nationalisten auf zivile Ziele in diesen Gebieten – ist es natürlich kaum möglich, davon zu sprechen“, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow an diesem Donnerstag (2. Juni). Er meinte damit besagtes mögliches Referendum.

Damit widersprach Peskow Forderungen der prorussischen Verwaltung in den Gebieten Cherson und Saporischschja sowie einigen Moskauer Politikern nach einem schnellen Anschluss der Region an Russland. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte in den vergangenen Wochen wiederholt gesagt, dass sein Land sein Staatsgebiet vollumfänglich zurückerobern wolle.

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An diesem Donnerstag erklärte Selenkyj, dass die russischen Truppen derzeit 20 Prozent der Ukraine besetzen. „Wir müssen uns gegen fast die komplette russische Armee verteidigen. Alle kampfbereiten Truppenteile Russlands sind an diesem Angriff beteiligt“, meinte der 44-jährige Politiker und sprach von einer Frontlinie von über 1000 Kilometern.

Krieg mit Russland: Ukrainische Armee rückt wieder auf Cherson im Süden vor

Nachdem sich die Kämpfe zuletzt auf den Donbass und die Region um die Millionenstadt Charkiw im Nordosten konzentriert hatten, startete die ukrainische Armee Anfang der Woche eine Gegenoffensive im Süden. Militärangaben zufolge eroberten die Streitkräfte bis Mittwochabend 20 besetzte Ortschaften von russischen Truppen im Verwaltungsgebiet Cherson zurück. Aus diesen Dörfern sei etwa die Hälfte der Bevölkerung geflüchtet, sagte der Leiter der regionalen ukrainischen Militärverwaltung, Hennadij Lahuta, im Fernsehen. Der Angriff werde von Norden aus dem ukrainischen Gebiet Dnipropetrowsk geführt, die ukrainischen Truppen rückten weiter nach Süden vor. Unabhängig überprüfbar waren die Informationen nicht. (pm)

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