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Ukraine-Krieg: Lauterbach wettert gegen Altkanzler Schröder – „Lächerlich, Witzfigur, zum Fremdschämen“

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Anfang der Woche sollen neue Verhandlungen starten. Der ukrainische Präsident Selenskyj drängt auf Frieden „ohne Verzögerung“. Der News-Ticker.

Update vom 28. März, 8.45 Uhr: Gesundheitsminister Karl Lauterbach*hat die mutmaßlichen Vermittlungsversuche von Altkanzler Gerhard Schröder* im Ukraine-Krieg als naiv bezeichnet. „Also wenn jemand wie Putin einen Krieg macht, da wird er nicht sagen: ‚Oh Gerd, jetzt, wo du das sagst, ich denk nochmal drüber nach, vielleicht mach ich jetzt hier mal langsam‘“, sagte der SPD*-Politiker in der ARD-Dokumentation „Konfrontation“, die am Montagabend (28. März) ausgestrahlt wurde.

„Mir hat Gerhard Schröder offen gesagt leid getan. Weil er hier eine Naivität an den Tag gelegt hat. Der ganze Auftritt grenzte ans Peinliche. Fremdschämen ist ein Begriff, der einem da in den Kopf kommt“, so Lauterbach.

Schröder steht seit Jahren wegen seines Engagements für russische Staatskonzerne in der Kritik - vor dem Hintergrund des russischen Angriffs auf die Ukraine nimmt der Druck auf ihn immer weiter zu.

Ukraine-Krieg: Karl Lauterbach äußert sich über Gerhard Schröder

„Ich habe ihn mal sehr geschätzt, das ist aber schon lange her. Er war wirklich ein Altkanzler, der viel aus dem, was er gemacht hat, als Staatsmann hätte machen können - aber er hat quasi alles verloren“, sagte Lauterbach über Schröder. „Ihm ist es gelungen, als Altkanzler jetzt an der Grenze zu einer Witzfigur unterwegs zu sein.“ Von seinem früheren Prestige sei nichts übrig geblieben. „Man wird ihn nicht als Kanzler in Erinnerung haben - sondern als jemanden, der zum Schluss an der Grenze zum Lächerlichen unterwegs war“, so Lauterbach.

Gesundheitsminister Karl Lauterbach am 28. März bei einer Corona-Pressekonferenz in Berlin.
Gesundheitsminister Karl Lauterbach am 28. März bei einer Corona-Pressekonferenz in Berlin. © Christoph Soeder/dpa

Update vom 28. März, 16.45: Nach Angaben von The Kyiv Independent sind in der umkämpften Hafenstadt Mariupol im Ukraine-Krieg bislang knapp 5000 Menschen, darunter 210 Kinder, getötet worden. Die Angaben lassen sich aktuell nicht unabhängig überprüfen.

Ukraine-Krieg: Charkiw seit Ausbruch unter schwerem Beschuss – „russischsprachige Stadt“

Update vom 28. März, 15.50 Uhr: In der ostukrainischen Millionenstadt Charkiw sind seit Beginn der russischen Angriffe nach ukrainischen Angaben fast 1180 mehrgeschossige Wohnhäuser zerstört worden. Außerdem seien mehr als 50 Kindergärten, fast 70 Schulen und 15 Krankenhäuser vernichtet worden, sagte der Charkiwer Bürgermeister Ihor Terechow am Montag nach Angaben der Agentur Unian. Binnen 24 Stunden hätten die russischen Truppen Charkiw fast 60 Mal mit Artillerie und Mörsern beschossen. Die Angaben lassen sich nicht unabhängig überprüfen. Rund 30 Prozent der Bevölkerung hätten die Stadt verlassen, sagte Terechow. Einige Menschen seien aber auch wieder zurückgekehrt.

Die Bewohner ausgebombter Häuser werden nach Angaben Terechows in verbliebenen Schulen, Kindergärten sowie Kellern und U-Bahn-Stationen untergebracht. Trotz der Angriffe seien die Supermärkte in Charkiw weiter geöffnet, und es gebe alle notwendigen Lebensmittel. Charkiw werde auch mit humanitärer Hilfe aus anderen Städten versorgt. Aus den USA sei zudem eine Medikamentenlieferung im Wert von 880.000 Dollar eingetroffen.

„Charkiw ist eine russischsprachige Stadt“, zitierte die Zeitung Ukrajinska Prawda Terechow. Zu Beginn des Krieges habe praktisch jeder vierte Einwohner Verwandte oder Bekannte in Russland gehabt. Viele hätten auch Freunde in Russland gehabt. „Die Menschen hätten sich niemals in ihrem schlimmsten Traum vorstellen können, dass Russland die Ukraine und Charkiw angreift“, sagte Terechow.

Update vom 28. März, 15.30 Uhr: In einem Interview hat Selenskyj über im Ukraine-Krieg getötete Bürgermeister gesprochen. „Russen entführen die Bürgermeister unserer Städte. Einige von ihnen können wir nicht finden. Einige von ihnen haben wir bereits gefunden, und sie sind tot“, sagte der ukrainische Präsident gegenüber The Economist. Im selben Interview warf er Deutschland vor, „oft Fehler“* zu machen.

Ukraine-Krieg Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine Proteste in Washington
Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine, spricht auf einem vorab aufgezeichneten Video bei einer Kundgebung am Lincoln Memorial am Sonntag (27. März 2022). © picture alliance/dpa/ZUMA Press Wire | Michael Brochstein

Ukraine-Krieg: Selenskyj drängt vor neuen Verhandlungen auf Frieden „ohne Verzögerung“

Erstmeldung vom 28. März, 12 Uhr:

Kiew - Vor der Wiederaufnahme direkter Gespräche zwischen der Ukraine und Russland zur Beendigung des Ukraine-Krieges hat der ukrainische Staatschef Wolodymyr Selenskyj auf Frieden „ohne Verzögerung“ gedrungen. „Unser Ziel ist klar - so schnell wie möglich Frieden und die Wiederherstellung des normalen Lebens in unserem Heimatland“, sagte Selenskyj in einer Videobotschaft in der Nacht zu Montag.

Laut dem ukrainischen Unterhändler David Arachamia sollen die Gespräche von Montag bis Mittwoch in der türkischen Metropole Istanbul stattfinden. Es ist das erste Mal seit Wochen, dass ein persönliches Treffen der ukrainischen und russischen Verhandler angesetzt wurde. In den vergangenen Wochen waren einige Gesprächsrunden ergebnislos zu Ende gegangen, zuletzt war lediglich online verhandelt worden.

Ukraine-Krieg: Videobotschaft von Selenskyj – Präsident formuliert „rote Linien“ bei Verhandlungen

Selenskyj formulierte in seiner Video-Botschaft seine roten Linien bei den Verhandlungen mit Russland. „Die Souveränität und territoriale Integrität der Ukraine stehen nicht in Zweifel“, sagte er. „Wirksame Sicherheitsgarantien für unseren Staat sind zwingend.“

Zuvor hatte der ukrainische Präsident in einem Interview mit mehreren unabhängigen russischen Medien gesagt, seine Regierung werde die Frage der von Russland geforderten Neutralität seines Landes „gründlich“ prüfen. Mit Blick auf die von russischen Separatisten kontrollierten Gebiete in der Ostukraine sagte Selenskyj: „Wir verstehen, dass es unmöglich ist, alle Gebiete mit Gewalt zu befreien.“ Eine Rückeroberung der Gebiete würde „den Dritten Weltkrieg“ auslösen.

Eine Neutralität der Ukraine ist eine der russischen Hauptforderungen in den Verhandlungen über einen Waffenstillstand. Die Ukraine würde bei einem solchen Neutralitätsmodell auf einen Beitritt zur Nato verzichten müssen.

Ukraine-Krieg: Russische Luftangriffe auf Städte gehen in der Nacht zum Montag weiter

Das russische Militär hat seine Luftangriffe gegen ukrainische Städte auch in der Nacht zum Montag fortgesetzt. Nach ukrainischen Medienberichten wurden unter anderem die Hauptstadt Kiew sowie Luzk, Riwne und Charkiw von mehreren schweren Explosionen erschüttert. In Luzk im Nordwesten der Ukraine wurde ein Treibstoffdepot getroffen. Zuvor war in allen Regionen des Landes Luftalarm ausgelöst worden.

Doch die Gegenangriffe ukrainischer Truppen scheinen Wirkung zu zeigen. Eigenen Angaben zufolge konnte das ukrainische Militär russische Truppen in Regionen um Kiew sowie um Charkiw teils zurückdrängen. Diese Angaben konnten von unabhängiger Seite zunächst nicht bestätigt werden. „Wir treiben die Besatzer in Richtung (russischer) Grenze zurück“, so der regionale Militärchef Oleg Synegubow auf Telegram. *Merkur.de und tz.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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