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Schwerer Vorwurf: Johnson behauptet, Scholz-Regierung habe auf schnelle Ukraine-Niederlage gehofft

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Von: Stephanie Munk

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Kanzler Scholz in London
Bundeskanzler Olaf Scholz (rechts) bei seinem Antrittsbesuch in Großbritannien. (Archivbild) © Michael Kappeler/dpa

Britischer Ex-Premier Johnson hat in einem Interview zum Ukraine-Krieg Deutschland massiv kritisiert. Aus wirtschaftlichen Gründen habe man auf einen schnelle Niederlage gehofft.

Lissabon/London - Was spielte sich in den Hinterzimmern der internationalen Politik ab, als Russlands Präsident Wladimir Putin sich am 24. Februar 2022 dazu entschloss, seine Truppen in die Ukraine einmarschieren zu lassen? Klar ist: Dass sich die Ukraine nun schon seit fast einem Dreivierteljahr erfolgreich gegen eine russische Eroberung wehrt, hatte kaum jemand erwartet. Anfangs wurden dem viel kleineren Nachbarland wenig Chancen gegen das riesige Russland mit seiner haushoch überlegenen Armee eingeräumt.

Boris Johnson, bis vor kurzem noch britischer Premierminister, hat jetzt in einem Interview mit dem portugiesischen Ableger des US-Senders CNN schwere Vorwürfe an Deutschland gerichtet, was die ersten Tage des Ukraine-Kriegs betrifft. Nach seinen Worten hätte die deutsche Regierung unter Kanzler Olaf Scholz (SPD) zunächst eine schnelle ukrainische Niederlage einem langandauernden Konflikt vorgezogen.

Der Ex-Premier sagte, dass die Haltungen der westlichen Länder sehr weit auseinandergingen, als Putin kurz vor der Invasion fast hunderttausend Soldaten an der russisch-ukrainischen Grenze zusammengezogen hatte. „Diese Sache war ein riesiger Schock“, erinnerte sich Johnson. „Wir konnten sehen, wie sich die Truppen des russischen Bataillons anhäuften, aber verschiedene Länder hatten sehr unterschiedliche Perspektiven.“

Ukraine-Krieg: Deutsche Regierung habe auf schnelle Niederlage der Ukraine gesetzt

Die deutsche Ampel-Koalition habe zu diesem Zeitpunkt gedacht, dass - sollte die Katastrophe eines Krieges eintreffen - es besser sei, „wenn die ganze Sache schnell vorbei wäre und die Ukraine zusammenbrechen würde“, behauptet Johnson. Hintergrund dieser Meinung seien „alle möglichen wirtschaftlichen Gründe“ gewesen. Er selbst habe dies als „eine desaströse Sichtweise“ wahrgenommen: „Aber ich kann verstehen, warum sie so gedacht und gefühlt haben.“

Auch Frankreich kommt in dem Interview nicht gut weg: Johnson behauptet, der französische Präsident Emmanuel Macron habe einen möglichen Krieg bis zum letzten Moment verleugnet. In einem weiteren Bericht von CNN heißt es, dass der französische Geheimdienstchef Eric Vidaud aufgefordert wurde, seinen Posten zu räumen, weil er beim Vorhersehen der russischen Invasion versagt habe.

Johnson kritisiert auch einstige Haltung Italiens zum Ukraine-Krieg

Auch die erste Reaktion Italiens auf Putins Einmarsch kritisierte Johnson. Die Regierung, damals noch unter Mario Draghi, habe „einfach gesagt“, dass sie „unsere Position“ nicht unterstützen könne, da sie „massiv“ von russischem Kohlenwasserstoff abhängig sei.

Der skandalträchtige britische Ex-Premier betonte aber auch, dass die EU-Länder nach dieser ersten Phase eng an der Seite der Ukraine gestanden seien und sie stets zuverlässig unterstützt hätten. (smu)

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