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„Sie werden Putin den Rest geben“: Gamechanger im Ukraine-Krieg - was können Abrams und Leopard?

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Von: Felix Durach

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Leopard-2- und Abrams-Panzer könnten eine Schlüsselrolle im weiteren Verlauf des Ukraine-Kriegs einnehmen. Das macht die beiden Waffensysteme so besonders.

Berlin – Die monatelangen Debatten haben endlich zu einem Ergebnis geführt. Deutschland wird moderne Kampfpanzer vom Typ Leopard 2 in die Ukraine liefern und seinen Verbündeten ebenfalls die Lieferung erlauben. Ob das Zögern von Olaf Scholz (SPD) nun Unsicherheit oder Kalkül war – der Bundeskanzler liefert. Mit seiner Strategie könnte es Scholz auch gelungen sein, die USA mit ins Boot zu holen. Denn auch die Lieferung von Abrams-Kampfpanzern an Kiew scheint nur noch eine Frage der Zeit zu sein.

Ukraine: Rückkehr des Panzer-Kriegs? Diese Vorteile bringen Leopard 2 und Abrams

In wenigen Monaten könnten somit westliche Kampfpanzer durch die Ostukraine rollen und russischen Modellen gegenüberstehen. Die Rückkehr des bereits als historisch abgeschriebenen Panzer-Kriegs scheint besiegelt. Doch können die Lieferungen von Leopard 2 und Abrams tatsächlich eine entscheidende Auswirkung auf den Ukraine-Krieg haben?

Ein deutscher Kampfpanzer vom Typ Leopard 2A7 auf einem Truppenübungsplatz in Munster.
Ein deutscher Kampfpanzer vom Typ Leopard 2A7 auf einem Truppenübungsplatz in Munster. © PATRIK STOLLARZ/AFP

Die Experten sind sich bei diesem Thema nicht vollständig einig. Ende der vergangenen Woche bremsten die Experten des Deutschen Panzermuseums die Erwartungshaltungen an Leopard und Abrams. Mit der Aussage „Westpanzer sind keine Superpanzer“ wiesen die Experten in einem Beitrag auf Twitter darauf hin, dass auch moderne westliche Kampfpanzer keinen Fall unzerstörbar sind. Vor allem der Leopard 2 wird bei einem Einsatz in der Ukraine wohl zum ersten Mal nicht auf einen unterlegenen Gegner treffen.

Westliche Panzerlieferungen in die Ukraine: „Panzer werden Putin den Rest geben“

Andere Experten ordnen die Vorteile, welche die Panzer den ukrainischen Streitkräften geben werden, jedoch deutlich größer ein. Der Militär-Experte Nicholas Drummond sieht die Panzer beispielsweise als zentralen Baustein für das Gelingen einer größeren ukrainischen Gegenoffensive in 2023. Drummond rechnet mit einer massiven russischen Offensive in den kommenden Monaten – noch bevor die Kampfpanzer in der Ukraine eintreffen werden. Sollten die ukrainischen Verteidiger diese Bemühungen abwehren können, wäre der Weg frei für eine Gegenoffensive. „Dafür benötigt sie unsere Panzer und Schützenpanzer. Unsere Panzer (...) werden Putin den Rest geben. Es wird eine Niederlage für Russland werden“, sagte Drummond gegenüber dem Stern.

Abrams und Leopard 2 gelten in Fachkreisen als die besten Kampfpanzer der Welt. Damit sind sie nicht nur den aktuell von der Ukraine eingesetzten sowjetischen T-72-Panzern, sondern auch den von Russland benutzten T-90-Panzern im direkten Duell überlegen. Der große Unterschied zwischen dem deutschen und dem US-amerikanischen Modell ist der Antrieb. Während der Leopard 2 mit einem Dieselmotor angetrieben wird, verfügt der Abrams über eine Gasturbine.

Der Verbrauch von letzterem liegt nach Angaben des Pentagon somit bei 700 Liter auf 100 Kilometer. Der Leopard ist mit 530 Litern etwas sparsamer. Der hohe Verbrauch und die aufwendige Wartung waren auch Argumente der US-Regierung gegen eine Lieferung. Dafür ist der US-amerikanische Panzer auch geringfügig schneller.

Leopard 2 und Abrams: Offensiv wie defensiv ein Upgrade

Die Geschwindigkeit beider Panzer in Kombination mit ihrer Kampffähigkeit ist einer der wichtigsten Vorteile der Kampfpanzer. Militärhistoriker Ralf Raths, der Leiter des Deutschen Panzermueseums, erklärte zuletzt gegenüber tageschau.de zu den beiden modernen Panzern: „Sie können aus voller Fahrt schießen und treffen - und das über mehrere Kilometer, auch im Rückwärtsfahren.“ Die Panzer sowjetischer Bauart würden jedoch nicht über diese Präzision verfügen.

Ein weiterer Vorteil der modernen Waffensysteme ist die weiterentwickelte Panzerung. Der Militär-Experte Gustav Gressel erklärte bereits im Dezember gegenüber Merkur.de von IPPEN.MEDIA: „Bei westlichen Panzern ist die Chance höher, dass die Besatzung einen Treffer überlebt. „Ein getroffener T-64/72/80/90 (die verschiedenen von der Ukraine eingesetzten Panzertypen sowjetischer Bauart, Anm. d. Red.) brennt meist mit der Besatzung aus.“

Schlüsselrolle bei Gegenoffensive? Nato-General Stoltenberg lobt Lieferung von Kampfpanzern

Wegen der technischen Überlegenheit könnten Leopard 2 und Abrams also sehr wohl eine Schlüsselrolle in einer möglichen ukrainischen Gegenoffensive einnehmen. Vorausgesetzt, die Nato-Staaten schaffen es rechtzeitig, ausreichende Mengen der Kampfpanzer in das Kriegsgebiet zu schaffen. „In einem kritischen Moment des russischen Krieges können sie der Ukraine helfen, sich zu verteidigen, zu siegen und sich als unabhängige Nation zu behaupten“, kommentiert Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg die Leopard-Lieferung in einem Beitrag auf Twitter.

US-Verteidigungs-Experten: Kampfpanzer könnten „das russische Militär zu besiegen“

Die Experten vom US-Thintank „Institute for the Study of War“ ordneten die Bereitstellung von Leopard 2 und Abrams ebenfalls als möglichen Wendepunkt im Kriegsverlauf ein. Wie aus der aktuellen ISW-Analyse hervorgeht, sei die ukrainische Militärführung in den letzten Wochen nicht in der Lage gewesen, russische Schwächen auf dem Schlachtfeld auszunutzen. Kiew habe das nötige Kriegsgerät für eine effiziente Gegenoffensive gefehlt.

Das würde sich durch die modernen Kampfpanzer jedoch ändern. Die Bereitstellung von Kampfpanzern durch westliche Staaten für die Ukraine wird der Ukraine helfen, mechanisierte Kriegsführung durchzuführen, um das russische Militär zu besiegen und ukrainisches Territorium zu befreien“, so die Prognose des ISW. (fd)

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