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Schwerster Raketen-Angriff seit Wochen auf Kiew: Ukraine wirft Russland „atomaren Terrorismus“ vor

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Astrid Theil, Patrick Mayer, Kathrin Reikowski, Bettina Menzel

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Nach Angaben der Ukraine hat Russland am Morgen die Hauptstadtregion Kiew erneut mit Raketen angegriffen. Der News-Ticker zum militärischen Geschehen im Ukraine-Krieg.

Update vom 6. Juni, 8.05 Uhr: Nach Wochen hat es in der ukrainischen Hauptstadt Kiew wieder Explosionen gegeben: Russland hat am Sonntag (5. Juni) militärische und zivile Infrastruktur mit Raketen beschossen. Im Kampf um Sjewjerodonezk startete ie ukrainische Armee einen Gegenangriff und drängte die russischen Truppen nach eigenen Angaben zurück. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj informierte sich bei einem Besuch an der Front im Osten der Ukraine über die militärische Lage. Aktuelle Informationen zur Lage im Ukraine-Krieg lesen Sie im News-Ticker.

Update vom 5. Juni, 22.18 Uhr: Bei einem Besuch in der umkämpften Region Saporischschja hat sich der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj über die militärische Lage informiert. Knapp 60 Prozent der südostukrainischen Region seien seit dem russischen Einmarsch am 24. Februar inzwischen von Moskaus Truppen besetzt worden, sagte der Militärgouverneur des Gebiets, Olexander Staruch, bei dem Gespräch mit dem Präsidenten in der Großstadt Saporischschja. „Viele Menschen treffen aus Orten ein, die zeitweise vom Feind besetzt sind“, sagte Selenskyj einer Mitteilung zufolge.

Die Flüchtlinge müssten mit Wohnungen versorgt werden, verlangte der Präsident. Den Vereinten Nationen zufolge sind mehr als sieben Millionen Menschen innerhalb des Landes geflohen. „Ebenso muss an die Beschäftigung dieser Menschen gedacht werden“, sagte er. Nach Saporischschja waren auch besonders viele Menschen aus der Hafenstadt Mariupol geflüchtet, in der prorussische Separatisten mit Hilfe von Moskaus Truppen die Kontrolle übernommen haben.

Ukraine-News: Ukrainische Armee kontrolliert laut Gouverneur Hälfte der Stadt Sjewjerodonezk

Update vom 5. Juni, 21.32 Uhr: Die ukrainische Armee hat nach Angaben der Regionalverwaltung die Hälfte der umkämpften östlichen Stadt Sjewjerodonezk wieder unter ihre Kontrolle gebracht. Die Streitkräfte hätten die Hälfte der Industriestadt „von russischen Truppen gesäubert“, teilte der ukrainische Gouverneur der Region Luhansk, Serhij Gajdaj, am Sonntag in Internetbotschaften mit. Allerdings werde für die kommenden Tage ein größerer russischer Gegenangriff erwartet.

Nachdem sie durch eine russische Offensive auf die Stadt Sjewjerodonezk zurückgedrängt worden waren, hatten die ukrainischen Truppen dort in den vergangenen Wochen stetig an Boden zurückgewonnen. Die russischen Streitkräfte hätten jedoch den Auftrag, bis Freitag die Kontrolle über Sjewjerodonezk sowie über eine wichtige Verkehrsader zu erlangen, die die Städte Lyssytschansk und Bachmut verbindet, erklärte Gajdaj. „In den nächsten fünf Tagen wird der Beschuss mit schwerer Artillerie von russischer Seite aus stark zunehmen.“ Die Angaben ließen sich nicht unabhängig prüfen.

Update vom 5. Juni, 15.30 Uhr: Die ukrainische Eisenbahngesellschaft Ukrzaliznytsia hat Russlands Behauptung, wonach vier Raketen am Sonntag (5. Juni) Panzer und Militärfahrzeuge der ukrainischen Armee in einer Reparaturwerkstatt in Kiew zum Ziel hatten, dementiert. Zuletzt berichtete das Nachrichtenportal Kyiv Independent darüber, dass die Aussage am Sonntagnachmittag zurückgewiesen wurde.

Ukraine-News: Moskau äußert sich zu Explosionen in Kiew

Update vom 5. Juni, 13.00 Uhr: Das russische Verteidigungsministerium hat sich zu den Angriffen auf Kiew geäußert. Auf Telegram teilte das Ministerium mit, dass hochpräzise Langstrecken-Luft-Boden-Raketen zum Einsatz gekommen seien. Mit ihnen seien Panzer des Typs T-72 zerstört worden, die von osteuropäischen Ländern an die Ukraine geliefert worden seien, sowie weitere gepanzerte Fahrzeuge. Diese hätten sich in Gebäuden einer Autoreparatur befunden.

Von ukrainischer Seite liegt bisher keine Bestätigung vor. Am frühen Sonntagmorgen gab es mehrere Raketen-Angriffe auf Kiew. Die Stadtbezirke Darnyzki und Dniprowski sollen getroffen worden sein. Serhij Leschtschenko, Berater im Büro von Präsident Wolodymyr Selenskyj schrieb auf Telegram, dass Einrichtungen der staatlichen Eisenbahn beschädigt wurden. Präsidentenberater Mychailo Podoljak rief die europäischen Staaten auf, mit „mehr Sanktionen, mehr Waffen” auf die aktuellen Raketenangriffe zu reagieren.

Ukraine-Krieg: mindestens 262 Kinder laut ukrainischem Parlament bisher umgekommen

Update vom 5. Juni, 12.00 Uhr: Seit Beginn des Ukraine-Kriegs sind laut Angaben des ukrainischen Parlaments mindestens 262 Kinder getötet und weitere 467 verletzt worden. In einer Telegram-Mitteilung des Parlaments hieß es, diese Zahlen seien nur vorläufig. Zuletzt berichtete die britische Tageszeitung Guardian darüber. Das ukrainische Parlament plane, Zahlen zu getöteten und verletzten Kindern auch für Regionen mit aktiven Kampfhandlungen sowie in vorübergehend besetzten und befreiten Regionen zu erheben. 

Die wirkliche Zahl der getöteten Kinder übersteige aber aller Wahrscheinlichkeit nach die bisherigen Angaben. Aus besetzten oder umkämpften Gebieten berichteten lokale Behörden, dass es unmöglich sei, die Leichen von den Straßen zu holen oder auch nur die Toten und Verletzten zu zählen. Das Parlament berichtet darüber hinaus, dass 1.938 Schulen oder andere Bildungseinrichtungen durch Bombardierungen beschädigt worden und 182 komplett zerstört worden seien.

Ukraine-Krieg: Schwerster Raketen-Angriff seit Wochen auf Metropolregion Kiew

Update vom 5. Juni, 9.00 Uhr: Nach Angaben des ukrainischen Generalstabs hat Russland am Morgen die Hauptstadt Kiew und einen Vorort erneut mit Raketen angegriffen. Es seien sowohl militärische als auch zivile Infrastruktur getroffen worden. Die teilte die Militärführung in Kiew mit. Es handelte sich um den schwersten Angriff auf die Hauptstadtregion seit Wochen.

Der ukrainische Atomenergiekonzern wirft Russland darüber hinaus „atomaren Terrorismus vor“. Eine Rakete sei bei den russischen Raketenangriffen auf die Region Kiew gefährlich nah am Südukrainischen Kernkraftwerk geflogen. Russland provoziere damit weiterhin die Gefahr einer nuklearen Katastrophe. Die russischen Angreifer begriffen „immer noch nicht, dass schon ein kleines Raketenstück, das in einen funktionierenden Energieblock einschlagen kann, zu einer atomaren Katastrophe und Austreten von Strahlung führen kann“, so die Behörde.

Kampf um Sjewjerodonezk: Gegenangriff der ukrainischen Truppen

Update vom 4. Juni, 21.15 Uhr: Im Kampf um Sjewjerodonezk hätten russische Truppen zeitweise 70 Prozent der Stadt kontrolliert, sagte der Gouverneur der Region Luhansk, Serhij Gajdaj, am Freitag wie die ukrainische Zeitung Kyiv Independent auf Twitter meldete. Die ukrainische Armee habe aber einen Gegenangriff gestartet und die Gebietsgewinne der Russen auf 50 Prozent reduziert, so Gajdaj weiter. Am Samstag meldete Bürgermeister Oleksander Stryuk, dass sich die ukrainischen Truppen neu formiert hätten und eine Verteidigungslinie in der umkämpften Stadt Sjewjerodonezk aufgebaut hätten. Ziel der Ukraine sei es, die volle Kontrolle der Stadt wiederzuerlangen, so die Meldung von Kyiv Independent weiter.

Ukraine-Krieg: Russland meldet Beschuss auf eigenem Staatsgebiet durch ukrainische Truppen

Update vom 4. Juni, 21.05 Uhr: In Russland ist nach Angaben der Region Brjansk erneut ein Dorf an der Grenze zur Ukraine von dem Nachbarland aus beschossen worden. Beim Beschuss des Dorfes Slutschewsk sei ein Mann verletzt worden, zwei Wohnhäuser seien in Brand geraten. Das teilte der Gouverneur der Region, Alexander Bogomas, am Samstag in seinem Nachrichtenkanal bei Telegram mit. Die Angaben ließen sich zunächst nicht von unabhängiger Seite verifizieren.

Bogomas warf den ukrainischen Streitkräften vor, auf das Dorf geschossen zu haben. Der verletzte Einwohner musste demnach in ein Krankenhaus gebracht werden. Die Feuer seien gelöscht worden. Das Dorf mit insgesamt 150 Einwohnern liegt demnach etwa einen Kilometer von der Grenze zur Ukraine entfernt.

Ukraine-Krieg: Russland und Ukraine melden Erfolge in der umkämpften Stadt Sjewjerodonezk

Update vom 4. Juni, 18.18 Uhr: Russland hat den Abzug ukrainischer Soldaten aus der umkämpften Stadt Sjewjerodonezk im Osten der Ukraine gemeldet. „Einige Einheiten der ukrainischen Armee, die bei den Kämpfen um Sjewjerodonezk schwere Verluste (in einigen Einheiten bis zu 90 Prozent) erlitten haben, ziehen sich in Richtung Lyssytschansk zurück“, teilte das Verteidigungsministerium in Moskau am Samstag mit. Wie viele Soldaten die Stadt verlassen haben sollen, ging aus der Erklärung nicht hervor. Die Angaben ließen sich zunächst nicht unabhängig überprüfen. Kurz zuvor hatten die ukrainischen Streitkräfte am Samstag ihrerseits „kleine Erfolge“ bei der Verteidigung der Stadt Sjewjerodonezk gemeldet. Die ukrainischen Kräfte „drängen [die russischen Truppen] aber jetzt zurück,“ hieß es am Samstag von ukrainischer Seite.

Erklärtes Ziel der russischen Streitkräfte ist es, die gesamte Donbass-Region zu erobern, die seit 2014 bereits teilweise von pro-russischen Separatisten kontrolliert wird. Die Nachbarstädte Sjewjerodonezk und Lyssytschansk liegen rund 80 Kilometer östlich von Kramatorsk, der Hauptstadt des ukrainisch kontrollierten Teils der Region Donezk.

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Eine Sondereinheit von Soldaten der russischen Seite geht in der umkämpften Stadt Sjewjerodonezk an Gebäuden vorbei, die durch Beschuss beschädigt wurden (Symbolbild, 29. Mai). © IMAGO/Alexander Reka / ITAR-TASS

Ukraine-Krieg: Ukrainischer Präsident berichtet von vier Toten bei russischem Angriff auf Kloster

Update vom 4. Juni, 17.33 Uhr: Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskjy berichtet laut Kyiv Independent davon, dass in der Region Donezk bei einem russischen Angriff auf ein Kloster in Sviatohirsk vier Menschen getötet und vier Menschen verletzt worden seien. Mehr als 60 Menschen, darunter Kinder, hätten sich in dem Kloster versteckt. Die Angaben konnten nicht unabhängig überprüft werden.

Ukraine-Krieg: Deutscher Freiwilliger verstirbt wohl bei Kämpfen in der Ukraine

Update vom 4. Juni, 15.41 Uhr: Im Ukraine-Krieg ist nach ukrainischen Angaben ein deutscher Kämpfer getötet worden. Insgesamt vier ausländische Freiwillige, die auf der Seite der Ukraine gekämpft hatten, seien ums Leben gekommen, teilte eine Freiwilligenbrigade der Ukraine namens Internationale Verteidigungslegion am Samstag mit. Neben dem Deutschen seien drei Männer aus den Niederlanden, Frankreich und Australien getötet worden.

Zu den Umständen des Todes der vier ausländischen Kämpfer oder dem Ort machte die Freiwilligenbrigade in ihrer Erklärung keine Angaben. Es hieß nur: „Wir haben unsere Brüder im Kampfe verloren, aber ihre Tapferkeit, ihr Gedenken und ihr Vermächtnis wird uns für immer inspirieren.“ Der Erklärung waren Fotos der Männer im Kampfanzug und mit leichten Waffen beigefügt.

Nach Angaben der Organisation kämpfen Staatsbürger aus vielen Ländern auf Seiten der Ukraine, darunter aus Dänemark, Israel, Polen, Kroatien und Großbritannien. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte kurz nach dem Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine Ende Februar die Bildung einer internationalen Brigade aus Freiwilligen angekündigt. Nach ukrainischen Angaben meldeten sich daraufhin rund 20.000 Freiwillige aus aller Welt. Russland hatte diese Woche erklärt, „hunderte“ ausländischer Kämpfer in der Ukraine getötet zu haben.

Ukraine-Krieg: Russische Raketenangriffe treffen angeblich Artillerieschule

Update vom 4. Juni, 12.57 Uhr: Nach eigenen, nicht überprüfbaren Angaben, hat das russische Militär ein Zentrum zur Schulung von Artilleristen an westlicher Waffentechnik getroffen. „Mit hochpräzisen Luft-Boden-Raketen wurde eine Schlag gegen ein Artillerieausbildungszentrum der ukrainischen Streitkräfte im Raum Stezkiwka im Gebiet Sumy geführt“, sagte der Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums, Igor Konaschenkow, am Samstag. In dem Zentrum seien die Soldaten in der Handhabung der westlichen Haubitze M777 unterrichtet worden, fügte er hinzu. Zudem sei im Gebiet Odessa im Süden der Ukraine „ein Lager ausländischer Söldner“ durch einen Raketeneinschlag vernichtet worden.

Insgesamt hat nach russischen Angaben die eigene Luftwaffe in den vergangenen 24 Stunden mehr als 400 ukrainische Soldaten, 20 Kampf- und Schützenpanzer, rund ein Dutzend Artilleriegeschütze und Raketenwerfer sowie etwa 30 Fahrzeuge „liquidiert“. Die russiche Luftabwehr soll zudem ein ukrainisches Transportflugzeug abgeschossen haben. Die Angaben sind unabhängig nicht zu überprüfen.

Ukraine-Krieg: „Das kann sich noch zwei bis sechs Monate hinziehen“

Update vom 4. Juni, 10.35 Uhr: Die ukrainische Präsidialverwaltung geht davon aus, dass der Ukraine-Krieg noch bis zu einem halben Jahr dauern kann. Am Ende hänge es auch davon ab, wie sich die Stimmung in den Gesellschaften Europas, der Ukraine und Russlands verändere. „Das kann sich noch zwei bis sechs Monate hinziehen“, sagte der ukrainische Präsidentenberater Mychajlo Podoljak im Interview mit dem oppositionellen russischen Online-Portal „Medusa“ am Freitagabend.

Mychajlo Podoljak (rechts im Bild im Pullover), Berater des ukrainischen Präsidenten Selenskyj, nimmt als Mitglied der ukrainischen Delegation an den Verhandlungen in der Türkei teil.
Mychajlo Podoljak (rechts im Bild im Pullover), Berater des ukrainischen Präsidenten Selenskyj, nimmt als Mitglied der ukrainischen Delegation an den Verhandlungen in der Türkei teil. © Emrah Gurel/dpa

Podoljak warnte dabei einmal mehr vor territorialen Zugeständnissen an Russland. Das werde den Krieg nicht beenden. „Weil es für die Russische Föderation - und das hat Herr Putin mehrmals gesagt - prinzipiell ist, dass allein die Existenz der ukrainischen Staatlichkeit schädlich ist.“ Der russische Vormarsch ziele daher weniger auf die Eroberung konkreter Gebiete als auf die Zerstörung der Ukraine an sich.

Ukraine-Krieg: Geheimdienst steht in Kontakt zu den von Russland gefangen genommenen Kämpfern aus Mariupol

Update vom 4. Juni, 10.07 Uhr: Der ukrainische Geheimdienst steht laut n-tv in Kontakt zu den von Russland gefangen genommenen Kämpfern aus dem Asowstal-Stahlwerk in Mariupol. Im Ukraine-Krieg unternehme die Regierung alles, um sie freizubekommen, sagt Innenminister Denys Monastyrskij demnach im ukrainischen Fernsehen.

Haftbedingungen, Versorgung und Möglichkeiten einer Freilassung der Kämpfer seien immer wieder vom ukrainischen Geheimdienst zu erfahren. Im Mai waren nach wochenlangen Kämpfen um die ostukrainische Stadt Mariupol mehrere Tausend Ukrainer in russische Gefangenschaft geraten. Zuvor hatten in Kiew vor allem Frauen, Mütter und Schwestern der Kämpfer die Regierung aufgefordert, sich für die vor allem männlichen Kämpfer einzusetzen. Nach russischen Angaben hatten die Kämpfer kapituliert.

Ukraine-Krieg: Russland setzt Kampf um Sjewjerodonezk mit Hilfe frischer Reserven fort

Update vom 4. Juni, 8.47 Uhr: Russland hat im Kampf um die Stadt Sjewjerodonezk im ostukrainischen Gebiet Luhansk seine Angriffe nach ukrainischen Angaben mit Hilfe frischer Reserven fortgesetzt. „Mit Artillerieunterstützung führt der Feind Sturmhandlungen in der Ortschaft Sjewjerodonezk durch, hat seine Gruppierung mit der mobilen Reserve des 2. Armeekorpus verstärkt, die Kämpfe in der Stadt halten an“, hieß es im Lagebericht des ukrainischen Generalstabs am Samstag.

Das Foto vom 29. Mai 2022 zeigt zerstörte Wohngebäude in Sjewjerodonezk.
Das Foto vom 29. Mai 2022 zeigt zerstörte Wohngebäude in Sjewjerodonezk. Die ostukrainische Großstadt ist weiter stark umkämpft. © Alexander Reka/Imago

Demnach seien russische Angriffe auf den Vorort Ustynowka ebenso erfolglos verlaufen wie eine versuchte Bodenoffensive im Raum Bachmut. Die russischen Angriffe zielen darauf ab, die ukrainischen Truppen in Sjewjerodonezk von der Versorgung abzuschneiden und sie einzukesseln. Die Gegend um Sjewjerodonezk - Lyssytschansk - ist der letzte Flecken im Gebiet Luhansk, der noch von kiewtreuen Truppen gehalten wird. In der vergangenen Woche sind die russischen Truppen erstmals in Sjewjerodonezk eingedrungen, doch die vollständige Einnahme der früheren Großstadt ist bislang nicht gelungen.

Ukraine-Krieg: Russische Angriffe auf Slowjansk laut ukrainischem Generalstab erfolglos

Der ukrainische Generalstab gab außerdem an, dass die russischen Angriffe Richtung Slowjansk in der Nacht erfolglos verliefen. Erstürmungsversuche seien in den Ortschaften Bogorodytschne und Wirnopillja zurückgeschlagen worden, die Russen hätten Verluste erlitten. Der Ballungsraum Slowjansk ist ein weiteres wichtiges Ziel der russischen Angriffe im Donbass. Dort liegt das Hauptquartier der ukrainischen Verteidigungskräfte in der Region.

Mutter und Tochter
Mutter und Tochter warten in Slowjansk im Bezirk Donezk auf einen Bus, um das Land zu verlassen. © Petros Giannakouris/AP/dpa

Die Militärexperten des amerikanischen Institute for the Study of the War (ISW) teilten in einer aktuellen Lageeinschätzung mit, die Russen hätten im Raum Isjum etwa 20 taktische Bataillone für einen Vormarsch auf Slowjansk zusammengezogen. Es sei aber unwahrscheinlich, dass die russischen Truppen dort in den nächsten Tagen substanzielle Fortschritte machten.

Ukraine kontrolliert 50 Prozent der stark umkämpften Stadt Sjewjerodonezk

Update vom 3. Juni, 22.51 Uhr: Laut Kyiv Independent gibt die Ukraine aktuell an, 50 Prozent der stark umkämpften Stadt Sjewjerodonezk zu kontrollieren. Nach einer großen ukrainischen Gegenoffensive seien nicht mehr wie zuvor 70 Prozent der Stadt unter russischer Kontrolle.

Ukraine-Krieg: Ukraine sieht russische Angriffe auf Slowjansk im Donbass bevorstehen

Update vom 3. Juni, 21.20 Uhr: Im Ukraine-Krieg zieht die russische Armee starke Kräfte für einen Angriff auf die Großstadt Slowjansk im Donbass zusammen. Davon geht die Ukraine aus, unabhängig überprüfbar sind diese Angaben derzeit nicht. Auf Facebook schrieb das ukrainische Militär am Freitagabend von bis zu 20 russischen Bataillons-taktischen Gruppen (BTG). Damit sind Kampfeinheiten mit gepanzerter Infanterie, Artillerie und Luftabwehr, sie zählen 600 bis 800 Soldaten, gemeint.

Slowjansk gehört zum ostukrainischen Verwaltungsgebiet Donezk, das Russland vollständig erobern will. Die Stadt liegt außerdem im Rückraum des seit Tagen umkämpften Sjewjerodonezk im Gebiet Luhansk.

In Sjewjerodonezk rücke der Feind im Schutz von starkem Artilleriefeuer in den Wohnvierteln weiter vor. Russland habe aber nur teilweise Erfolg, hieß es in dem Bericht. Die russische Seite hat dagegen verkündet, die Stadt fast vollständig unter Kontrolle zu haben. Die ukrainische Gebietsverwaltung berichtet, die ukrainische Armee habe mit Gegenangriffen ein Fünftel der Stadt zurückgewonnen.

Ukraine-Krieg: Moskau will „militärische Spezialoperation“ bis zum Erreichen aller Ziele fortsetzen

Update vom 3. Juni, 21.03 Uhr: Aus Moskau hieß es am Freitag, Russland werde die hier so bezeichnete „militärischen Spezialoperation“ in der Ukraine bis zum Erreichen aller Ziele fortsetzen. „Es sind bereits einige Ergebnisse erzielt worden“, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow der Agentur Interfax zufolge.

Als ein Ziel Russlands im Angriffskrieg auf die Ukraine gilt die komplette Kontrolle über die ukrainischen Gebiete Luhansk und Donezk. Nach Einschätzung britischer Geheimdienste kontrolliert Russland mittlerweile mehr als 90 Prozent der Luhansk-Region. Es sei wahrscheinlich, dass Moskau dort in den kommenden zwei Wochen vollständig die Kontrolle übernehme, hieß es in einem Update des britischen Verteidigungsministeriums.

Ukraine-Krieg: Reuters Journalisten verletzt - in Fahrzeug pro-russischer Separatisten?

Update vom 3. Juni, 20.53 Uhr: Zwei Journalisten der Nachrichtenagentur Reuters sind in der Ostukraine leicht verletzt und ihr Fahrer getötet worden. Auf dem Weg nach Sjewjerodonezk für eine Reportage, sei die Gruppe unter Beschuss geraten. Laut einem Reuters-Sprecher waren die Journalisten in einem von pro-russischen Separatisten bereitgestellten Fahrzeug unterwegs, „das von einem von den Separatisten bereitgestellten Fahrer gefahren wurde“. Die Nachrichtenagentur machte zunächst keine näheren Angaben zur Identität der Journalisten oder den Umständen des Angriffs.

Ukraine-Krieg: Klitschko zeigt sich siegessicher - Zeit des Mutes und der Ausdauer

Update vom 3. Juni, 20.22 Uhr: Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko zeigt sich 100 Tage nach Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine siegessicher. „Russland führt einen barbarischen Krieg zur Vernichtung der Ukraine und der Ukrainer“, sagte er in einem Selfie-Video in seinem Telegram-Kanal. „Es ist aber auch eine Zeit des Mutes und der Ausdauer“, so der frühere Box-Weltmeister.

Vitali Klitschko im von russischen Angriffen zerstörten Kiew. Der ehemalige Boxweltmeister ist Bürgermeister der ukrainischen Hauptstadt und organisiert dort den Widerstand gegen Russlands Armeen.
Vitali Klitschko im von russischen Angriffen zerstörten Kiew. Der ehemalige Boxweltmeister ist Bürgermeister der ukrainischen Hauptstadt und organisiert dort den Widerstand gegen Russlands Armeen. © Sergej Supinsky/afp

„Wir stehen und kämpfen alle zusammen. Jeder an seinem Platz. Wir bewundern unsere Streitkräfte“, sagte er. „Die Ukraine wird sich von den russischen Barbaren befreien. Ja, es wird schwierig. Aber ich glaube, dass jeder von uns diese Prüfungen mit Würde überstehen wird. Denn dies ist ein Krieg des Bösen und des Guten. Und Güte und Gerechtigkeit gewinnen immer noch.“ 100 Tage Krieg seien voller blutiger Schlachten, Verluste und Todesfälle, sagte Klitschko aber auch.

Während seines Videos ist Luftalarm zu hören, den es in der ukrainischen Hauptstadt immer wieder gibt. „Die Ukraine ist stärker und erfolgreicher geworden“, sagte der 50-Jährige. „Deshalb werden wir gewinnen!“

Ukraine-Krieg: Mariupols Bürgermeister wirft Moskau Geiselnahme vor

Update vom 3. Juni, 17.15 Uhr: Nach der russischen Einnahme der Hafenstadt Mariupol im Südosten der Ukraine hat der vertriebene Bürgermeister Wadym Boitschenko der Führung in Moskau eine Geiselnahme der dort verbliebenen Menschen vorgeworfen. Es seien noch etwa 100 000 Einwohner in Mariupol. „Sie werden dort festgehalten von den russischen Truppen und praktisch als menschliche Schutzschilde benutzt“, sagte Boitschenko am Freitag in Kiew. Die Einwohner könnten nicht auf von der Ukraine kontrolliertes Gebiet fliehen. Vielmehr wollten die Russen die Zivilisten in der Stadt behalten, um der Ukraine eine Befreiungsoffensive zu erschweren.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte gesagt, dass Kiew auf die Lieferung von Waffen aus dem Westen warte, um ihre Gebiete zu befreien. Dabei solle aber nicht das Leben vieler Menschen gefährdet werden. Bürgermeister Boitschenko sagte, dass Mariupol nicht aufgegeben werde, obwohl die Stadt zu 95 Prozent zerstört sei.

Schwere Waffen für die Ukraine: Präsident Selenskyj dankt USA und anderen Verbündeten

Update vom 3. Juni, 16.15 Uhr: Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat den USA und anderen Verbündeten für die jüngsten Zusagen zur Lieferung moderner Waffen gedankt. In einer Videoansprache erwähnte er vor allem die Mehrfachraketenwerfer vom Typ Himars aus den USA. „Diese Waffen werden wirklich dazu beitragen, das Leben unseres Volkes zu retten und unser Land zu schützen“, sagte Selenskyj in Kiew. Er dankte auch Schweden, das am Donnerstag unter anderem Schiffsabwehr-Raketen zusagt hatte.

Auch Berlin forciert offenbar die Lieferung schwerer Waffen. So wurde unter der Woche bekannt, dass Deutschland vier MARS-II-Raketenwerfer aus Beständen der Bundeswehr an die Ukraine liefern wird. Neben bereits zugesagten sieben Panzerhaubitzen2000. Hinzu kommt ein Flugabwehrsystem Iris-T SLM des deutschen Rüstungskonzerns Diehl Defence aus Überlingen am Bodensee, das Deutschland kauft und der Ukraine überlasst.

„Die Panzerhaubitze 2000 kann wirklich was. Die Ukraine bekommt eines der modernsten Flugabwehrsysteme (Iris-T SLM, d. Red.). Das ist nicht nur ausgedienter Schrott, den wir dahinschicken“, erklärte Vize-Kanzler Robert Habeck (Grüne) bei „Maybrit Illner“ im ZDF zur Lieferung schwerer deutscher Waffen an die Ukraine: „Die Panzerhaubitze 2000 ist wirklich hochmoderne Artillerie.“

Russland vor Einnahme von Sjewjerodonezk: Hunderte Zivilisten verstecken sich in Chemiefabrik

Update vom 3. Juni, 15.35 Uhr: In der umkämpften Stadt Sjewjerodonezk in der Ostukraine verstecken sich nach übereinstimmenden ukrainischen und russischen Angaben Zivilisten in Bunkern unter einer Chemiefabrik. Die ukrainische Verwaltung des fast an Russland verlorenen Gebiets Luhansk sprach am Donnerstag von etwa 800 Menschen in der Fabrik Asot (Stickstoff). „Das sind Einheimische, die gebeten wurden, die Stadt zu verlassen, die sich aber geweigert haben. Auch Kinder sind dort, aber nicht sehr viele“, sagte Gouverneur Serhij Hajdaj dem US-Sender CNN.

Trotz des Vorrückens russischer Truppen in der Stadt wird die Fabrik weiter von ukrainischen Soldaten verteidigt. Ein Sprecher der prorussischen Separatisten von Luhansk warf den ukrainischen Bewaffneten vor, die Zivilisten in das Werk gelockt zu haben und sie mit Gewalt am Verlassen zu hindern. Das meldete die Agentur Tass.

Nach Angriff durch Russland: Laut Ukraine wurden bislang 95 Zivilisten in Kiew getötet

Update vom 3. Juni, 15.05 Uhr: Russland soll durch seinen Angriff auf das Nachbarland seit dem 24. Februar 95 Zivilisten in Kiew getötet haben, darunter 4 Kinder. Das berichtet das ukrainische Medienprojekt The Kyiv Independent unter Berufung auf die Regionalverwaltung der Hauptstadt mit ihren rund 2,8 Millionen Einwohnern.

Dutzende von Raketen seien demnach auf Kiew abgefeuert worden, von denen 28 die Metropole getroffen hätten. Die russischen Truppen hätten außerdem 233 Wohngebäude, 36 Privathäuser, 46 Schulen und 29 Kindergärten in Kiew beschädigt, heißt es in dem Bericht. Wie immer lassen sich die Angaben nicht unabhängig überprüfen.

Hundert Tage nach Kriegsbeginn: Präsident Wolodymyr Selenskyj gibt sich siegessicher

Update vom 3. Juni, 13.09 Uhr: Hundert Tage nach Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine hat sich die ukrainische Führung siegessicher gezeigt: „Der Sieg wird unser sein“, sagte Präsident Wolodymyr Selenskyj am Freitag in einem auf der Internet-Plattform Instagram veröffentlichten Video. „Die Vertreter des Staates sind hier, verteidigen die Ukraine seit hundert Tagen“, sagte Selenskyj. In dem 36-sekündigen Video sind Selensky sowie Ministerpräsident Denys Schmygal und der Präsidentenberater Mychailo Podoljak vor dem Gebäude der Präsidialverwaltung in Kiew zu sehen.

Das Video erinnert an eine Botschaft, welche dieselben Regierungsmitglieder im Februar einen Tag nach Kriegsbeginn aufgenommen hatten, um die Bevölkerung zu beruhigen und zu zeigen, dass sie selbst im Land bleiben würden.

Ukraine-Krieg: Frische Gräber getöteter Soldaten in Mariupol
Aufnahme vom 2. Juni: Frische Gräber getöteter Soldaten in Mariupol © STRINGER/AFP

Ukraine-News: Russland meldet Tötung von angeblich 360 ukrainischen Soldaten

Update vom 3. Juni, 11.25 Uhr: Das russische Militär hat nach eigenen Angaben in der Nacht weitere schwere Luft-, Raketen- und Artillerieangriffe gestartet. „Insgesamt sind durch Schläge der Luftwaffe mehr als 360 Nationalisten sowie 49 Waffensysteme und Militärfahrzeuge vernichtet worden, darunter eine Funkstation für die Luftraumüberwachung in Slowjansk in der Donezker Volksrepublik“, sagte der Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums, Igor Konaschenkow, am Freitag. Im Raum Slowjansk befindet sich das Hauptquartier der ukrainischen Streitkräfte im Donbass.

Nach russischen Angaben wurden neben Kampf- und Schützenpanzern auch mehrere noch aus sowjetischer Produktion stammende Raketenwerfer vom Typ „Grad“ und vier Munitionsdepots für die ukrainischen Artillerie- und Raketenstreitkräfte im Donbass-Gebiet beschossen. Daneben seien Dutzende Gefechtsstände und im südukrainischen Gebiet Mykolajiw auch ein Punkt zur Steuerung von Drohnen getroffen worden, sagte Konaschenkow. Die Angaben konnten nicht mittels unabhängiger Quellen überprüft werden.

Ukraine-News: Ukrainisches Militär meldet Verluste Russlands seit Beginn des Krieges

Update vom 3. Juni, 10.04 Uhr: Russland soll seit Beginn des Ukraine-Krieges über 30.000 Streitkräfte, 1367 Panzer, 3366 Panzerfahrzeuge, 210 Flugzeuge, 175 Helikopter, 535 Drohnen, 95 Flugabwehrsysteme und 675 Artilleriesysteme verloren haben. Das meldete der Generalstab des ukrainischen Militärs laut Angaben der ukrainischen Zeitung Kyiv Independent am Freitagmorgen. Die Angaben konnten zunächst nicht unabhängig überprüft werden. Die Verluste auf ukrainischer Seite gab der Generalstab zunächst nicht an.

Ukraine-News: Melnyk kritisiert Ampel unter Scholz nach 100 Tagen Ukraine-Krieg

Update vom 3. Juni, 9.12 Uhr: Der ukrainische Botschafter in Deutschland, Andrij Melnyk, sagte am Freitag im ZDF-Morgenmagazin, dass er zufrieden mit der jüngsten Ankündigung von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) sei, Waffen wie etwa das Luftabwehrsystem Iris-T in die Ukraine zu schicken. „Aber wenn wir ehrlich sind, 100 Tage Krieg, bis heute wurde noch kein einziges schweres Gerät in die Ukraine geliefert aus Deutschland.“ Die ersten Waffen würden wahrscheinlich erst Ende Juni ankommen, so Melnyk weiter.

Andrij Melnyk
Der ukrainische Botschafter Andrij Melnyk hatte der Bundesregierung in den vergangenen Monaten immer wieder zu große Zurückhaltung bei der Lieferung von Waffen vorgeworfen. © Soeren Stache/dpa

100 Tage Ukraine-Krieg: Putin-Truppen kontrollieren offenbar 20 Prozent des ukrainischen Staatsgebietes

Indes riefen ukrainische Behörden am 100. Kriegstag zum Durchhalten auf. „Heute kämpfen und halten wir jeden Meter der Region Luhansk“, sagte Regionalgouverneur Serhij Gajdaj am Freitagmorgen. In den vergangenen hundert Tagen hätten die russischen Angriffe in der Region 33 Krankenhäuser, 237 ländliche Gesundheitseinrichtungen, fast 70 Schulen und 50 Kindergärten zerstört. Schwer umkämpft ist insbesondere die Industriestadt Sjewjerodonezk, die letzte Bastion der Ukrainer in der Region Luhansk. Nach Gajdajs Angaben vom Vortag kontrollieren die russischen Truppen 80 Prozent der Stadt. Ukrainische Soldaten halten sich demnach noch im Industriegebiet der Stadt verschanzt.

Nach Einschätzung britischer Geheimdienste kontrolliert Russland mittlerweile mehr als 90 Prozent der Luhansk-Region in der Ukraine. Es sei wahrscheinlich, dass Moskau dort in den kommenden zwei Wochen vollständig die Kontrolle übernehme, hieß es am Freitag in einem Update des britischen Verteidigungsministeriums. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sagte in der Nacht, die Verteidiger hätten „im Kampf um Sjewjerodonezk einige Erfolge erzielt“. Es bleibe jedoch „derzeit das schwierigste Gebiet“. Insgesamt kontrollieren russische Streitkräfte nach ukrainischen Angaben mittlerweile „rund 20 Prozent“ des ukrainischen Staatsgebietes.

100 Tage Ukraine-Krieg: Großstadt Sjewjerodonezk im Osten soll „möglichst nicht aufgegeben werden“

Update vom 03. Juni, 6.08 Uhr: Seit nunmehr 100 Tagen tobt an diesem Freitag der von Russland entfesselte Angriffskrieg in der Ukraine. Dabei wehren sich ukrainische Truppen weiter gegen den Verlust der Großstadt Sjewjerodonezk im Osten, in der russische Truppen mit ihrer überlegenen Feuerkraft vorrücken. Die Stadt solle möglichst nicht aufgegeben werden, sagte Vize-Generalstabschef Olexij Hromow am Donnerstag in Kiew: „Die Lage ist schwierig, aber sie ist besser als gestern. Und sie ist unter Kontrolle.“

100 Tage Ukraine-Krieg: Präsident Selenskyj zieht Zwischenfazit

Präsident Wolodymyr Selenskyj zog bei mehreren Auftritten eine Art Bilanz des Krieges seit dem 24. Februar. Bei den Kämpfen im Osten würden täglich bis zu 100 ukrainische Soldaten getötet, sagte er in einer Videoschalte bei einer Sicherheitskonferenz in der slowakischen Hauptstadt Bratislava.

Update vom 02. Juni, 22.40 Uhr: Laut dem ukrainischen Generalstab vermint Weißrussland Straßen, Brücken und Wälder in der Nähe der ukrainischen Grenze. Das berichtet Nachrichtenportal The Kyiv Independent unter Berufung auf die Streitkräfte.

Gleichzeitig bestehe nach Angaben des Generalstabs weiterhin die Gefahr von Luftangriffen aus Weißrussland, heißt es. Teile der russischen Truppen, die zu Beginn des Kriegs auf Kiew zumarschiert sind, sollen von belarussischem Staatsgebiet aus die Grenze zur Ukraine überschritten haben. Minsk-Machthaber Alexander Lukaschenko gilt als enger Verbündeter des russischen Präsidenten Wladimir Putin.

Schwere Kämpfe im Donbass: Bis zu 500 verwundete ukrainische Soldaten pro Tag

Update vom 02. Juni, 21.30 Uhr: Die schweren Kämpfe im Donbass haben die ukrainische Armee und die territorialen Verteidigungskräfte des Landes zuletzt hohe Verluste gekostet. „Wir verlieren täglich bis zu 100 Soldaten“, erklärte Präsident Wolodymyr Selenskyj bei einer Live-Schalte zum International Security Forum imslowakischen Bratislava.

Zudem würden pro Tag 450 bis 500 Soldaten verletzt und/oder verwundet, erzählt Selenskyj. Auch an diesem Donnerstag brachte ein Airbus der Luftwaffe einzelne verwundete ukrainische Soldaten zur Behandlung nach Deutschland. Die deutsche Luftwaffe fliegt seit Wochen verletzte Kämpfer aus dem Osten Polens in die Bundesrepublik, wo sie auf Kliniken verteilt und medizinisch betreut werden.

Update vom 02. Juni, 20.45 Uhr: Nach den militärischen Fortschritten Russlands im Donbass erwartet die ukrainische Armee verstärkte Bombardements äußersten Süden des Landes.

Laut General Oleksiy Hromov gehen die Streitkräfte davon aus, dass die russischen Invasionstruppen dort Luft- und Raketenangriffen auf kritische Infrastrukturen verstärken werden. Hromov erneuerte laut The Kyiv Independent die Befürchtung, dass Russland die gesamte Schwarzmeerküste vom Osten der Ukraine bis zum moldwischen Transnistrien erobern will. In der prorussischen und international nicht anerkannten Teilrepublik Moldaus ist die 14. russische Gardearmee stationiert, die bislang nicht in den Krieg eingegriffen hat.

„Abnutzungskrieg“ in der Ukraine: Stoltenberg stellt Nato-Bündnis auf viel Geduld ein

Update vom 02. Juni, 20.30 Uhr: Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg hat die westlichen Staaten dazu aufgerufen, sich auf einen langen „Abnutzungskrieg“ in der Ukraine einzustellen. „Was wir sehen, ist, dass dieser Krieg mittlerweile zu einem Abnutzungskrieg geworden ist“, sagte der Norweger an diesem Donnerstag nach einem Treffen mit US-Präsident Joe Biden in Washington. „Darauf müssen wir uns auf lange Sicht einstellen.“

Der Krieg „könnte morgen enden, wenn Russland seine Aggression beendet“, hatte Stoltenberg am Mittwoch bei einer Pressekonferenz zusammen mit US-Außenminister Antony Blinken gesagt. Aber „wir sehen derzeit keine Anzeichen in diese Richtung“. Die Kämpfe in der Ukraine dürften noch „viele Monate“ anhalten, sagte Blinken.

Die Ukrainer „zahlen einen hohen Preis dafür, dass sie ihr eigenes Land auf dem Schlachtfeld verteidigen“, sagte Stoltenberg am Donnerstag weiter. „Aber wir sehen auch, dass Russland hohe Verluste hinnehmen muss.“ Er bekräftigte zwar, dass die Nato nicht in eine direkte Konfrontation mit Russland eintreten wolle, sagte aber, das westliche Militärbündnis habe die „Verantwortung“, die Ukraine zu unterstützen.

Update vom 02. Juni, 20.15 Uhr: Russland kontrolliert die Regionen Cherson und Saporischschja im Süden der Ukraine. Einen schnellen Anschluss soll es laut Moskau aber nicht geben. Der Kreml lehnt damit entsprechende Forderungen ab.

Im Krieg mit Russland: Bis zu 100 ukrainische Soldaten werden am Tag getötet

Erstmeldung vom 02. Juni: München/Kiew/Sewerodonezk - Es gibt Meldungen, dass sich die Ukraine wegen eines taktischen Plans aus dem Donbass zurückzieht. Das berichtete bereits am Mittwochabend (1. Juni) das „heute journal“ des ZDF. Es solle demnach unbedingt vermieden werden, dass die dort kämpfenden Einheiten von den vorrückenden russischen Verbänden eingekesselt werden. So wie es den Soldaten im Stahlwerk von Mariupol geschah.

In der aktuellen Lage sammeln sich die ukrainischen Streitkräfte offenbar tiefer im Land neu. Laut ukrainischem Präsident Wolodymyr Selenskyj kontrolliere Russland aktuell ein Fünftel des Landes - zum Beispiel die Regionen Cherson und Saporischschja. „Rund 20 Prozent unseres Territoriums sind nun unter Kontrolle der Besatzer“, erklärte der 44-Jährige und berichtete: „Wir verlieren täglich 60 bis 100 Soldaten.“

Selenskyj-Botschaft an die Ukraine: Leben der Soldaten wichtiger als voreilige Offensiven

Er richtete sich ferner an diejenigen, die versuchten, der ukrainischen Armee „vorzuschreiben, wo sie vor allem angreifen oder den Feind zurückwerfen muss“, sagte Selenskyj in einer täglichen seiner Videoansprachen: „Die Ukraine schätzt jede Meinung hoch. Die Ukraine schätzt aber vor allem jedes Leben hoch.“ Russland schicke „Menschen nur deshalb in die Hölle der Kämpfe“, meinte er, „weil sie in Moskau wünschen, irgendetwas innerhalb von wenigen Tagen oder bis zu einem bestimmten Datum zu erobern“.

Ein Militärexperte sieht in den aktuellen Rückzügen ein taktisches Manöver Kiews, während die ukrainischen Streitkräfte auf die Lieferung schwerer Artillerie-Waffen wie des MARS-II-Raketenwerfers der Bundeswehr warten. Russland setze im weiten Donbass „hauptsächlich auf bodengestützte Artillerie, zudem kann es sich lokal teilweise auf Luftüberlegenheit stützen. Die Ukraine verteidigt sich zäh, muss aber auch taktische Rückzüge anwenden - etwa in der Stadt Sjewjerodonezk“, sagt Franz-Stefan Gady im Gespräch mit der „Tagesschau“ der ARD: „Einkesselungen sehen wir hingegen selten, sondern ein methodisch-langsames Vorrücken der russischen Verbände und ein taktischer Rückzug auf ukrainischer Seite.“

Ukraine-News: Angeblich „schlecht ausgebildete Einheiten“ Kiews im Donbass

Das große Defizit auf ukrainischer Seite seien fehlende schwere Waffen. „Momentan ist die Ukraine damit beschäftigt, mechanisierte Reserveverbände aufzustellen, die dann vielleicht im Hochsommer oder später einsatzbereit sein könnten. Sie sind der Schlüssel zu jeglichen großräumigen Offensiven - und müssen gut gegen Angriffe aus der Luft geschützt sein“, erklärt der Politikberater vom Institute for International Strategic Studies (IISS) in London. Im Donbass seien zudem seitens der Ukraine „schlecht ausgebildete Einheiten mit zu wenig Ausrüstung und Munition früh ins Gefecht geworfen“ worden.

Verfolgen Sie die wichtigsten militärischen Entwicklungen im Russland-Ukraine-Krieg hier im News-Ticker. (pm)

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