1. tz
  2. Politik

Putin vor dem Sturz? „Im Umfeld gibt es Intrigen“

Erstellt:

Von: Tim Vincent Dicke

Kommentare

Der Ukraine-Krieg setzt Putin massiv unter Druck. Offenbar denken Russlands Eliten darüber nach, den russischen Präsidenten abzulösen.

Moskau – Die Auswirkungen des Ukraine-Kriegs beeinflussen das Leben von kremlnahen Oligarchen in Russland dramatisch. Sie stehen auf den Sanktionslisten, dürfen teils nicht mehr in westliche Staaten einreisen, nicht wenige haben zudem viel Geld verloren. Wollen die Eliten dem Machtstreben von Kreml-Chef Wladimir Putin ein Ende setzen?

So zumindest sieht es der ukrainische Diplomat Wolodymyr Ohrysko, von 2007 bis 2009 Außenminister des Landes, das sich aktuell gegen die russische Aggression verteidigt. In einem am Dienstag (22. November) vom ukrainischen Nachrichtenportal The New Voice of Ukraine veröffentlichten Meinungsartikel schreibt Ohrysko, dass es in Russland geheime Gespräche gebe, die darauf abzielten, Putin als russischen Staatspräsidenten abzusetzen.

Russland: Ukraine-Krieg könnte das Ende von Putin sein

„Wenn die Wirtschaftssanktionen gegen Russland und die ukrainischen Siege an der Front zusammenkommen, werden wir sehr ernste Nachrichten aus Moskau erhalten“, schreibt Ohrysko. Der frühere Außenminister erwarte dramatische Auswirkungen der Sanktionen bis zum Frühjahr 2023, die man in allen Lebensbereich in Russland zu spüren bekomme. „Und das werden die entscheidenden Monate sein, in denen sich alles an der Front entscheiden wird.“

Für Putin könnten dann dramatische Zeiten einbrechen, prognostiziert Ohrysko. Zwar geht er nicht davon aus, dass es wegen des Ukraine-Kriegs großflächige Proteste von der Mehrheitsgesellschaft geben wird – vielmehr könnte der innerste Zirkel von Putin zu einem Problem für den Machthaber werden, so der Diplomat. „Innerhalb der russischen Eliten ist die Situation anders. In Putins Umfeld gibt es Intrigen“, urteilt der 66-Jährige.

Der russische Präsident Wladimir Putin
Der russische Präsident Wladimir Putin steht im eigenen Land unter Druck. (Archivbild) © Yevgeny Biyatov/AFP

Ohryskos Vorhersage stützt sich auf eine Beobachtung: Den schwerreichen Menschen in Russland sei Putin letztlich egal, Loyalität gegenüber dem Präsidenten nur Mittel zum Zweck. Wichtig sei ihnen lediglich, dass sie ihr Leben in Saus und Braus weiterführen könnten. „Denn dieser Entourage ist schon lange klar, dass die Lebensformel – in Russland rauben, im Westen Geld verprassen – schön ist.“ Zu schön also, um sich es von den „historischen Fantasien des Bunkergroßvaters“ kaputtmachen zu lassen.

Kommt Putin nach dem Ukraine-Krieg nach Den Haag?

Nach Ansicht des ukrainischen Politikers werde Putin das gleiche Schicksal wie Slobodan Milosevic ereilen. Der frühere Präsident Serbiens wurde im Zusammenhang mit dem Kosovokrieg wegen Völkermordes angeklagt und nach Den Haag ausgeliefert. „Man wird ihn einfach zum Sündenbock machen, man wird ihm alle Sünden anhängen und sagen, dass er persönlich die Entscheidung über diesen Krieg getroffen hat“, so Ohrysko.

Erst kürzlich hatte der 66-Jährige dem Kreml-Chef eine düstere Zukunft vorausgesagt. „Die Trends für Putin sind sehr negativ. Wir können jetzt nicht vorhersagen, wann das Regime zusammenbrechen wird, aber es wird geschehen. Und es wird aufgrund vieler Umstände zusammenbrechen“, sagte Ohrysko vor zwei Wochen in einem Interview mit dem ukrainischen Radiosender NV. „Putin wird beseitigt werden.“ (tvd)

Auch interessant

Kommentare