Tote bei "Anti-Terror-Einsatz"

Die tz erklärt den Kampf um die Ost-Ukraine

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Pro-russische Aktivisten haben Barrikaden angezündet.

Kiew - Bei einem "Anti-Terror-Einsatz" gegen Separatisten in der Ukraine hat es Tote und Verletzte gegeben. Die tz klärt die drei wichtigsten Fragen zu dem Kampf um den Osten des Landes.

Tote und Verletzte beim Kampf um die Macht in der Ost-Ukraine! Gestern sind bei einem „Anti-Terror-Einsatz“ gegen prorussische Separatisten nach offiziellen Angaben mehrere Menschen getötet und verletzt worden. Zentrum der Kämpfe war die Stadt Slawjansk. Dort hatten bewaffnete Gruppen mehrere Verwaltungsgebäude besetzt. Die prowestliche Führung in Kiew befahl erstmals das Vorrücken von Spezialeinheiten: „Es wurden Kräfte aus allen Landesteilen herangezogen. Möge Gott mit uns sein“, sagte Innenminister Arsen Awakow. Die tz erklärt, wer in der Ukraine gegen wen kämpft:

Wie viele Tote gab es bei den Kämpfen?

Das ist noch nicht offiziell geklärt. Auf Regierungsseite ist mindestens ein Offizier getötet worden. Fünf weitere Menschen seien verletzt worden, sagte der Minister. Auf Seiten der prorussischen Separatisten habe es eine unbekannte Zahl an Opfern gegeben. Die Aktivisten hätten ohne Vorwarnung das Feuer auf die Regierungskräfte der Ex-Sowjetrepublik eröffnet. Und die Kämpfe dauern an: Augenzeugen zufolge stand Rauch über der Stadt – die Demonstranten hätten Barrikaden aus Autoreifen angezündet, hieß es. Schützenpanzer der Regierungseinheiten versperrten Zufahrten. Über der 100 000-Einwohner-Stadt kreisen Militärhubschrauber, die Aktivisten geben nicht auf. Awakow rief Zivilisten auf, „sich aus dem Stadtkern zurückzuziehen, ihre Wohnungen nicht zu verlassen und von den Fenstern fern zubleiben“.

Wer sind die prorussischen „Aktivisten“?

Kiew wirft Russland offen „Aggression“ in der russisch geprägten Region vor. Moskau wolle das Gebiet durch bezahlte Provokateure destabilisieren und dann dort einmarschieren. US-Außenminister John Kerry beschuldigt den Kreml ebenfalls und sieht „russische Provokateure und Agenten“ am Werk. Russlands Außenminister Sergej Lawrow wies dies mit Nachdruck zurück. Allerdings hatte Russland auch schon den Einsatz russischer Soldaten auf der Krim geleugnet. Das hatte sich im Nachhinein als Lüge herausgestellt. Wer im Fall der Ost-Ukraine recht hat, ist aber bisher unklar. Zumindest sind die Aktivisten keine Anfänger. Sie sind schwer bewaffnet, häufig mit Kalaschnikow-Gewehren. Außerdem zeigen Internetvideos von der Besetzung unterschiedlicher Regierungsgebäude, dass die prorussischen Aktivisten nicht planlos, sondern sehr gezielt vorgehen.

Droht eine Wiederholung des Szenarios auf der Krim?

Zunächst scheinbar nicht. Denn offizielle russische Einheiten scheinen derzeit nicht auf ukrainischem Boden zu operieren. Außerdem werden die Separatisten – anders als auf der Krim – nicht überall von der Mehrheit der Bevölkerung unterstützt. Am Donnerstag wollen Russland, die USA, die EU und die Ukraine in Genf über die Zukunft der Region verhandeln. Im Vorfeld dieser Verhandlungen will Moskau offenbar zeigen, dass die Regierung in Kiew nicht in der Lage ist, für Ruhe und Stabilität im eigenen Land zu sorgen. Das große Problem ist, dass beide Seiten offenbar die Hardliner vor Ort nicht mehr unter Kontrolle haben.

Mk.

Und auf der Krim spielen sie Krieg

Zwei Soldaten kämpfen, ein Rot-Armist und ein Wehrmachtssoldat … Nein, diese Fotos stammen nicht aus der umkämpften Ost-Ukraine, sondern von der Halbinsel Krim. Die gehört seit Kurzem zur Russischen Föderation und begeht heute die Feierlichkeiten zum 70-jährigen Jubiläum der Befreiung der Halbinsel von deutscher Besatzung im Jahr 1944. Sowjet-Nostalgie, wohin man sieht: rote Fahnen mit Hammer und Sichel, junge Mädchen in den Uniformen der Sowjet-Pioniere. Und ganz nebenbei freuen sich Angehörige der bunt zusammengewürfelten „Selbstverteidigungskräfte“ der Krim über eine militärische Auszeichnung. Der „Orden für die Verteidigung der Krim“ wurde gerade erst von der neuen Regierung gestiftet und gestern erstmals verliehen.

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