Umfrage: Fast jeder zweite Grieche gegen Sparen

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Nur die Hälfte der Griechen befürworten ein EU-Sparpaket

Athen - Fast jeder zweite Grieche lehnt ein Sparprogramm aus dem Ausland ab, wollen aber in der EU bleiben. Die Hälfte der Deutschen wiederum sind für einen Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone.

Knapp die Hälfte der Griechen (47,5 Prozent) lehnt nach einer aktuellen Umfrage das vom Ausland geforderte Sparprogramm zur Rettung des Schuldenstaates ab. Das ergab eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Kapa Research, die die Athener Sonntagszeitung “To Vima“ veröffentlichte. Das neue Sparprogramm sieht Einsparungen, Kürzungen der Gehälter und indirekte Steuern in Höhe von mehr als 28 Milliarden Euro vor. Weitere 50 Milliarden Euro sollen durch Privatisierungen und den Verkauf von Staatsimmobilien in die Staatskassen fließen.

Das Programm ist Voraussetzung, damit Griechenland die nächste Tranche der Hilfszahlungen von EU und Internationalem Währungsfonds (IWF) in Höhe von zwölf Milliarden Euro bekommt. Ohne das Geld ist Griechenland schon im Juli pleite.

Die EU-Mitgliedschaft bewerteten mehr als drei Viertel der Befragten (79,8 Prozent) als positiv. Über 70 Prozent wünschen sich laut dem Ergebnis, dass eine Regierung aus mehreren Parteien die Führung des Landes in diesen Krisenzeiten übernimmt.

So wollen die EU-Staaten sparen

Italien: Die Regierung hat ein Sparpaket in Höhe von 24 Milliarden Euro verabschiedet, um den Haushalt zu sanieren. Gespart werden soll vor allem im öffentlichen Dienst. Aber auch Transferzahlungen an Regionen und Kommunen sollen in den kommenden drei Jahren um 10 Milliarden Euro gekürzt werden. © dpa
Spanien: Erstmals in der jüngeren Geschichte des Landes werden die Gehälter der Beamten von Juni an um durchschnittlich fünf Prozent gesenkt und im nächsten Jahr eingefroren. Auch bei den Renten wird es 2011 keine Erhöhung geben. Minister, Abgeordnete und Bürgermeister erhalten weniger Geld. Die staatlichen Investitionen werden um 6 Milliarden gekürzt. © dpa
Portugal: Ministerpräsident José Sócrates hat sein Versprechen gebrochen, die Steuern nicht zu erhöhen. Mit Billigung der Opposition und des Ministerrats kündigte der Sozialist die Anhebung der Einkommenssteuern um 1,0 bis 1,5 Prozentpunkte bis Ende 2011 an. Unternehmen mit Gewinnen von mehr als zwei Millionen Euro sollen eine zusätzliche “Krisensteuer“ von 2,5 Prozent zahlen. Die Mehrwertsteuer soll von 20 auf 21 Prozent steigen. © dpa
Griechenland: Die Regierung hat ein 30-Milliarden-Sparpaket durchgesetzt. Es umfasst viele Einschnitte für den Öffentlichen Dienst. Gehälter und Zulagen werden gekappt und Stellen gestrichen. Die Mehrwertsteuer soll auf 23 Prozent steigen, das Renteneintrittsalter für Frauen auf 65 Jahre angehoben werden. Wer besonders anstrengende Arbeit verrichtet, soll frühestens mit 60 statt bislang mit 55 in den Ruhestand gehen dürfen. Die Zahl der für eine volle Rente erforderlichen Beitragsjahre soll von 37 auf 40 Jahre angehoben werden. © dpa
Großbritannien: Der neue Premierminister David Cameron muss den größten Schuldenberg in der Geschichte des Landes abbauen und ein Haushaltsloch von umgerechnet 182,6 Milliarden Euro stopfen. Angekündigt sind ein weitgehender Einstellungsstopp im Öffentlichen Dienst, Kürzungen bei den Ausgaben für IT-Programme und Reisen von Regierungsmitgliedern. Minister sollen künftig keine eigenen Dienstwagen und Fahrer mehr haben. © dpa
Irland: Es werden Gehälter im Öffentlichen Dienst um bis zu 15 Prozent gekürzt. Die Sozialausgaben werden um 760 Millionen Euro zurückgefahren, beim Arbeitslosengeld kommt es zu Streichungen für bestimmte jüngere Altersgruppen. Geplant sind außerdem die Einführung einer CO2-Steuer und die Erhöhung des Rentenalters, das bis 2028 von derzeit 65 auf 68 Jahre steigen soll. © dpa
Frankreich: Die Regierung will die Staatsausgaben von 2011 bis Ende 2013 einfrieren. Jede zweite freiwerdende Stelle im öffentlichen Dienst wird nicht besetzt. Zudem will Paris Steuerschlupflöcher stopfen. Eine noch für dieses Jahr angekündigte Rentenreform soll das Defizit in den Sozialkassen senken. © dpa
Niederlande: Ähnlich wie die Deutschen pochen die Niederländer auf Konsolidierung. Die Regierung identifizierte Sparmöglichkeiten bei den Staatsausgaben von rund 20 Prozent. Die EU würde eine Anhebung des Pensionsalters von 65 auf 67 Jahre begrüßen, wie es in den Niederlanden debattiert wird. © dpa
Österreich: Mit Steuererhöhungen und strengen Sparmaßnahmen will Österreich seinen Staatshaushalt auf Vordermann bringen. Bund, Länder und Gemeinden sollen bis zu 5,1 Milliarden Euro einsparen, dazu sollen die Bürger über mehr Steuern für höhere Einnahmen sorgen. Außerdem soll es eine Bankensteuer geben, die die alpenländischen Geldhäuser rund 500 Millionen Euro kosten soll. © dpa
Deutschland: Das Finanzministerium hat einen drastischen Sparkurs angekündigt, um die Schulden von mehr als 1,7 Billionen Euro abzubauen. Nach Medienberichten konzentrieren sich die wichtigsten Einsparungen im Haushalt 2011 auf den Abbau steuerlicher Vergünstigungen und allgemeine Ausgabenkürzungen für die Ressorts. Spätestens Ende Juni müssen konkrete Vorschläge vorliegen. © dpa

Die Deutschen hingegen spaltet die Mitgliedschaft Griechenlands in der Euro-Zone. Etwa die Hälfte der Deutschen befürwortet einen Austritt Griechenlands aus der Gemeinschaftswährung, die andere Hälfte lehnt dies ab, wie eine am Sonntag veröffentlichte Emnid-Umfrage im Auftrag des Nachrichtenmagazins “Focus“ ergab.

46 Prozent der Befragten würden es demnach begrüßen, wenn Griechenland zu seiner früheren Währung, der Drachme, zurückkehren würde, 47 Prozent wären dagegen. Sieben Prozent der Umfrageteilnehmer machten keine Angabe. Das Meinungsforschungsinstitut befragte 1.006 repräsentativ ausgewählte Personen.

dapd

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