Hammer-Umfrage: Ude (42%) vor Seehofer (39%)

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„Endlich mal ein Gegner“ – und was für einer: Münchens Oberbürgermeister Christian Ude läge bei einer Direktwahl knapp vor Regierungschef Horst Seehofer.

München - 2013 wird nichts für schwache Nerven. Nach einer neuen Umfrage landet die CSU bei der Landtagswahl in der Opposition. Solche Umfragen kommen und gehen – spannend ist diesmal aber ein klar erkennbarer Christian-Ude-Effekt.

In der jüngsten Forsa-Umfrage für den „Stern“ verliert Horst Seehofer das direkte Duell gegen seinen wahrscheinlichen Herausforderer Christian Ude mit 39:42. Der Ministerpräsident wird zwar nicht direkt gewählt in Bayern, in den stark personalisierten Wahlkämpfen kommt es aber enorm auf die Listenführer an. Dass ein Sozi beliebter ist als der Landesvater, lässt die Alarmglocken schrillen.

Tatsächlich ist der repräsentativen Umfrage ein klarer Ude-Effekt zu entnehmen. Die SPD macht nach den Personalspekulationen um den Münchner Oberbürgermeister einen Hüpfer auf 21 Prozent. Zusammen mit Grünen (16) und Freien Wählern (10) kommt die Opposition auf 47 Prozent. Das dürfte in einem Vier-Parteien-Landtag für die Regierungsbildung reichen. Die FDP käme mit drei Prozent nicht mehr rein – kein Zufall, dass sich bereits Abgeordnete nach einer Rückkehrmöglichkeit in ihren Beruf erkundigten. Ude „elektrisiert die Menschen im Moment“, konstatiert Fraktionschef Thomas Hacker.

Ein Ude-Effekt, „sicherlich“, sagt SPD-Fraktionschef Markus Rinderspacher zur besten Umfrage seit Jahren. Er erinnert an dessen langjährige Regierungserfahrung. Im 21er-Wert spiegle sich aber auch die solide Oppositionsarbeit im Landtag wider.

Für Seehofer sind die Defizit-Zahlen im Vergleich mit dem auf Mykonos urlaubenden Ude bitter. In sechs Wochen steht seine Wiederwahl auf dem Parteitag an. Bereits in drei Wochen muss er sich der Landtagsfraktion stellen, die im Kloster Banz in Klausur geht. Solche Veranstaltungen entwickeln gern mal eine Eigendynamik. Noch dazu hat es sich Seehofer in der Fraktion eh schon mit ein, zwei Dutzend Abgeordneten verscherzt. Mancher murmelt – bisher sehr leise –, mit einer Spitzenkandidatin Ilse Aigner hätte man wohl sehr gute Chancen gegen Ude.

Doch Seehofer signalisiert trotz schlechter Umfragewerte seiner Partei verstärkt seine Bereitschaft zu einer erneuten Kandidatur bei der Landtagswahl im Jahr 2013. Seehofer sagte der Bild-Zeitung, er fühle sich “topfit“. Der CSU-Chef fügte hinzu: “Deshalb glaube ich, dass ich den Karren ziehen kann, und zwar sehr kräftig!“

Seehofer verwies jedoch darauf, dass die CSU erst im Herbst 2012 “gemeinsam“ über die Spitzenkandidatur entscheiden werde. Er fügte hinzu: “Wenn man für fünf Jahre antritt, dann muss man auch für fünf Jahre zur Verfügung stehen.“

Fraktionschef Georg Schmid will jede Personaldebatte im Keim ersticken. „Kein Löschblatt passt zwischen uns und den Horst“, sagt er für seine 92 Abgeordneten. Die Umfragewerte seien eben den schwierigen Fragen wie Energiewende und Europa geschuldet. Über Ude spottet Schmid mit einem Fußball-Vergleich: „Da ist ein neuer Trainer bei der SPD. Aber davon wird die Mannschaft nicht besser.“

Die Jungen in der CSU stehen bisher loyal. „Nur wegen Umfragen keine Personaldiskussion“, verbreitet JU-Chef Stefan Müller per SMS. Er rät, Ude ernst zu nehmen („Endlich mal ein Gegner“). Aber, so sagt Müller: „Wir machen 2013 Wahlkampf für unser Programm und nicht gegen irgendeinen anderen Spitzenkandidaten.“ Für Bayern arbeiten, nicht für Umfragen, fordert auch der Junge-Gruppe-Chef im Landtag, Markus Blume: „Kandidaten-Kabarett und Sommerloch-Casting ist Sache der SPD.“

Das Casting allerdings ist in der SPD faktisch abgeschlosen. Ude dürfte zwar mit einer satten Handy-Rechnung aus Mykonos heimkehren, aber auch mit Rückendeckung der Genossen. Schon im Herbst sind gemeinsame Auftritte mit der SPD-Fraktion im Landtag geplant. Der Gipfel des Ude-Effekts, so frohlocken Sozialdemokraten, sei noch lange nicht erreicht.

Von Christian Deutschländer/dapd

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