Nur 22 Prozent: Ude bleibt gelassen

+
Münchens OB Christian Ude

München - Schafft es die SPD im Herbst 2013 die CSU vom Bayern-Thron zu stoßen? Derzeit sieht es nicht so aus. Doch Spitzenkandidat Ude gibt sich gelassen - und sieht in der 22-Prozent-Umfrage einen Tritt in den Hintern.

Nein, für Euphorie oder gar Überheblichkeit ist bei Christian Ude kein Platz. Nicht bei den 22 Prozent, die die SPD in einer aktuellen Emnid-Umfrage zugesprochen bekommt. “Die SPD ist immer noch so schlecht, dass keiner auf die Idee kommen kann, sich zurückzulehnen“, sagt der Münchner Oberbürgermeister und SPD-Spitzenkandidat für die Landtagswahl 2013 am Dienstag vor Journalisten. “Kein Mensch, der alle Tassen im Schrank hat, wird sich über 22 Prozent berauschen“, betont Ude - und nennt die neue Umfrage einen “Tritt in den Hintern, der bekanntermaßen nach vorne wirft“.

Doch unzufrieden wirkt Ude bei alldem keineswegs. Aufgeräumt und entspannt betont er, dass die SPD damit bei Emnid binnen Jahresfrist um sieben Prozentpunkte zugelegt habe - vor knapp einem Jahr hatte er seine Kandidatur erklärt. Das sei ja schon mal “beiläufig erwähnbar“.

Aber auch Ude weiß, dass der angestrebte Regierungswechsel nach der Wahl 2013 derzeit nicht mehr zum Greifen nah ist, so wie es noch im vergangenen Sommer und Herbst den Abschein hatte. Da lagen SPD, Grüne und Freie Wähler in Umfragen zusammen schon vor der CSU. Das ist mittlerweile wieder ganz anders - auch deshalb, weil die Piraten inzwischen mitmischen und der Dreierkoalition im Weg stehen. Auch deshalb, weil CSU-Chef und Ministerpräsident Horst Seehofer längst im Dauer-Wahlkampf-Modus und auch bundesweit äußerst präsent ist. Und auch deshalb, weil Ude selbst nicht immer eine glückliche Figur macht - etwa beim Ringen um den zweiten Münchner S-bahn-Tunnel.

Nach der Emnid-Umfrage für den “Focus“ liegt die CSU derzeit bei 44 und ihr Koalitionspartner FDP bei 3 Prozent. SPD (22), Grüne (13) und Freie Wähler (6) kommen zusammen auf 41 Prozent. Die Piraten liegen bei 7 Prozent und würden damit in den Landtag einziehen.

“Das Regierungslager hat keine Mehrheit, ist weit davon entfernt“, urteilt Ude deshalb zufrieden. Doch dann muss der SPD-Mann sofort einräumen: “Das Dreierbündnis ist leider noch weiter davon entfernt.“

Ude weiß: Es liegt noch eine Menge Arbeit vor der SPD, wenn das Projekt Regierungswechsel 2013 tatsächlich gelingen soll. Derzeit jedenfalls steht es mit dem Projekt - das zeigt die Umfrage - nicht zum Besten. Seehofer, der fest auf die Wiedergeburt der FDP setzt, gibt sich deshalb am Dienstag betont gelassen. “Wir oszillieren immer um die 45 Prozent. Das ist alles im ganz normalen Bereich. Wir sind da völlig relaxed“, sagt er. Und: “Es gibt keine Wechselstimmung.“

Das will die SPD ändern - auch wenn derzeit noch nicht klar ist, wie. Klar ist aber für Ude, dass der Weg zu seiner Wunschkoalition mit Grünen und Freien Wählern nach dem Nein der Münchner Bürger zur dritten Startbahn geebnet ist. Zum einen gebe es in dieser Frage nun keine Differenzen mehr zwischen den drei Parteien, betont er. Und weil die CSU weiter am Flughafenausbau festhalte, scheide nicht nur ein schwarz-grünes Bündnis aus, sondern auch eine Koalition der CSU mit den Freien Wählern. Freie-Wähler Chef Hubert Aiwanger bestätigt im “Straubinger Tagblatt/Landshuter Zeitung“ (Mittwoch) mit Blick auf die CSU tatsächlich: “Sollte sie am Bau der Startbahn festhalten, dann ist sie für uns kein denkbarer Koalitionspartner ab 2013.“

Am Ende ist da noch die Frage an Ude, ob er für einen gemeinsamen Termin für Bundestags- und Landtagswahl sei oder für zwei getrennte. Die “Sachargumente“ sprächen für einen Termin - doch ein Extra-Termin sorge für mehr Aufmerksamkeit, sagt Ude - und ergänzt mit dem ihm eigenen Humor: “Um dem Regierungswechsel angemessen Rechnung zu tragen, kann ich mit der Trennung der Wahltermine gut leben.“

dpa

auch interessant

Meistgelesen

Trump liebt Deutschland - und warnt BMW
Trump liebt Deutschland - und warnt BMW
Gepanzerte Truppen der Bundeswehr bricht nach Litauen auf
Gepanzerte Truppen der Bundeswehr bricht nach Litauen auf
US-Presse sagt Donald Trump den Kampf an
US-Presse sagt Donald Trump den Kampf an
Kontrollen in Kölner Silvesternacht: Geheim-Bericht mit neuer Brisanz
Kontrollen in Kölner Silvesternacht: Geheim-Bericht mit neuer Brisanz

Kommentare