Wahllokale geöffnet

Krim-Referendum: Anstrum auf die Urnen

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Eine Frau gibt am 16.03.2014 ihre Stimme zum Referendum in einem Theater in Simferopol, Ukraine, ab.

Simferopol - Auf der ukrainischen Halbinsel Krim hat ein international kritisiertes Referendum über den Beitritt zu Russland begonnen. Die 1200 Wahllokale öffneten um 8.00 Uhr Ortszeit unter scharfen Sicherheitsvorkehrungen.

Trotz Drohungen des Westens und der Proteste der Regierung in Kiew ist die Krim-Bevölkerung am Sonntag massenweise zum Referendum über den Beitritt der ukrainischen Halbinsel zu Russland geströmt. "Das ist ein historischer Moment", sagte der prorussische Krim-Regierungschef Sergej Aksjonow, nachdem er in der Regionalhauptstadt Simferopol seine Stimme abgegeben hatte. Übergangspräsident Alexander Turtschinow warf Moskau vor, die Abstimmung sei Vorwand für eine Invasion.

Rund 1,5 Millionen Bürger sind aufgerufen, bis 19 Uhr (MEZ) ihre Stimme abzugeben. Da 63 Prozent der Krim-Bewohner russische Wurzeln haben, andere Bevölkerungsgruppen zum Boykott aufgerufen hatten und das russische Militär die Halbinsel faktisch längst kontrolliert, wird mit einer klaren Mehrheit für die Angliederung an Russland gerechnet. Alternativ konnten die Menschen für mehr Autonomie innerhalb der Ukraine votieren. Kurz nach Schließung der Lokale sollen erste Ergebnisse bekannt gegeben werden. "Heute Abend werden wir feiern, das ist eine neue Ära", sagte Ministerpräsident Aksjonow.

71 Jahre alter Wähler: "Jeder wird für Russland stimmen"

Schon am Morgen zeichnete sich eine massive Teilnahme der ethnischen Russen ab. In einem Wahllokal in Sewastopol hatten schon 65 Menschen ihre Stimmen abgegeben, bevor die Urnen offiziell öffneten, wie ein AFP-Reporter beobachtete. Die Wahlbeteiligung liege bereits bei annähernd 50 Prozent, sagte der prorussische Regierungschef Sergej Aksjonow am Sonntag im russischen Staatsfernsehen. Zwischenfälle habe es laut Behördenangaben bisher nicht gegeben. "Jahrelang haben wir auf diesen Moment gewartet", sagte der 71-jährige Iwan Konstantinowitsch. "Jeder wird für Russland stimmen." "Ich habe die ganze Nacht nicht geschlafen", sagte die 80-jährige Aleftina Klimowa. "Jetzt verläuft alles so, wie ich es mir gewünscht habe."

Wahllokalleiter berichteten aus einzelnen Regionen, dass auch zahlreiche Vertreter der tatarischen Minderheit an der Abstimmung teilnähmen. Zuvor hatte die traditionell der Ukraine zugewandte Gemeinschaft der Tataren zum Boykott des Referendums aufgerufen.

Russen angeblich extra eingeflogen, um an Wahlen teilzunehmen

Die EU, die USA und der Europarat sowie die Regierung in Kiew bezeichnen die Abstimmung als völkerrechtswidrig. Interimspräsident Turtschinow rief die Krim-Bevölkerung noch in der Nacht zum Sonntag zum Boykott auf. "Das Ergebnis ist vom Kreml geplant worden, um als formelle Rechtfertigung für die Entsendung von Truppen und den Beginn eines Krieges zu dienen", erklärte er.

Nach Darstellung ukrainischer Medien wird die Abstimmung durch Russland manipuliert. Es seien viele russische Staatsbürger, die nicht in den Wählerlisten stünden, eingeflogen worden, um an dem Referendum teilzunehmen. Das ließ sich nicht überprüfen.

Das Krim-Referendum in Bildern

Das Krim-Referendum in Bildern 

20.000 russische Truppen schon jetzt auf der Krim stationiert

Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" berichtete unter Berufung auf NATO-Kreise, schon jetzt seien 20.000 russische Truppen auf der Krim stationiert. Der ukrainische Vize-Ministerpräsident Vitali Jarema sagte örtlichen Medien, an der Grenze zwischen der Krim und dem südlichen ukrainischen Festland seien modernste Raketenwerfer stationiert worden.

Der Europarat stufte das Referendum als mit "Verfassungsprinzipien und demokratischen Standards nicht vereinbar" ein, wie ein Sprecher am Samstag sagte. Der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) warnte am Sonntag vor einer "brandgefährlichen Lage" und neuen Sanktionen für Russland. "Wir haben die Konfrontation nicht gesucht", sagte er der "Welt am Sonntag". "Aber wenn Russland nicht in letzter Minute einlenkt, werden wir am Montag im Kreis der EU-Außenminister eine entsprechende erste Antwort geben." Vorbereitet sind die Verhängung von Einreiseverboten und Kontensperrungen gegen verantwortliche Politiker in Russland und auf der Krim.

Steinmeier: "Auch im Osten der Ukraine nehmen die Spannungen zu"

"Auch im Osten der Ukraine nehmen die Spannungen zu", mahnte Steinmeier weiter. Nach Angaben der Polizei waren dort in der Nacht zum Samstag ein prorussischer Aktivist und ein Passant bei Krawallen in der Stadt Charkiw getötet und sechs weitere Menschen verletzt worden. In der Großstadt Donezk forderten mehr als 5000 Demonstranten die Angliederung an Russland. Sie skandierten "Referendum! Referendum!" Jugendliche kletterten auf das Gebäude des Inlandsgeheimdienstes SBU, holten die ukrainische Flagge ein und hissten stattdessen eine Flagge mit den russischen Farben und der Aufschrift "Republik Donezk".

dpa/AFP

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