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Vorsitzende der Hanns-Seidel-Stiftung zu 100 Jahre Frauenwahlrecht 

Interview mit Ursula Männle: Mehr Frauen in die Politik!

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Professorin Ursula Männle, Vorsitzende der Hanns-Seidel-Stiftung.

Nach der Landtagswahl in Bayern ist der Anteil weiblicher Abgeordneter auf den tiefsten Stand seit 20 Jahren gefallen, auf nur noch knapp 27 Prozent. Im Interview äußert sich Ursula Männle, Vorsitzende der Hanns-Seidel-Stiftung, zu den möglichen Ursachen und den Herausforderungen für Frauen in der Politik.

Ursula Männle selbst war Abgeordnete im Bayerischen Landtag, im Bundestag und Staatsministerin.

Frau Professorin Männle – sind zu wenig Frauen in der Politik?

Ursula Männle: Absolut – immerhin machen Frauen 50 Prozent der bayerischen Bevölkerung aus. Da wäre es nur angebracht, wenn sie auch ihrem Bevölkerungsanteil entsprechend in den politischen Gremien und Ebenen vertreten wären. Der Landtag soll ja auch immer ein Spiegel der Gesellschaft sein, wie die ehemalige Bayerische Sozialministerin Emilia Müller völlig zurecht festgestellt hat. Nach der Wahl scheint dieser Spiegel aber im Hinblick auf die Frauen ein blinder Spiegel zu sein. Die ehemalige Landtagspräsidentin Barbara Stamm merkt ebenfalls richtig an, dass es so nicht weitergehen kann.

Warum?

Männer und Frauen gehen nach meiner Erfahrung Politik unterschiedlich an. Frauen geht es grundsätzlich darum, einen umfassenderen Blick auf Themen zu werfen, den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu bewahren und zu fördern und mehr rein sachorientiert zu entscheiden.

Und Männer nicht?

Doch auch, aber Frauen haben aus meiner Sicht einen anderen Politikstil. Sie haben historisch geprägt vielfältigere Lebensentwürfe, sehen sich mit ganz unterschiedlichen Lebensbereichen konfrontiert, wie zum Beispiel Beruf und Kindererziehung, während Männer besonders in Bayern in der Regel noch eher prioritär ihrem Beruf nachgehen. Frauen engagieren sich auch in vielen, eher nach innen gerichteten ehrenamtlichen Tätigkeiten wie etwa im Elternbeirat. Männer engagieren sich in eher nach außen gerichteten Aktivitäten. Frauen lösen Konflikte auch meist anders als Männer. Konsensualer, mehr im Dialog, gemeinschaftlich, im Team. Wichtig ist, dass die Erfahrungen der Frauen auch von den Frauen aktiv in die Politik hineingetragen und in Gremien eingebracht werden. Politik braucht das Zusammenwirken beider Geschlechter, damit keine negative Einseitigkeit entsteht.

„Jeder kann durch politisches Engagement wachsen“ 

Haben Sie sich durch Ihr politisches Wirken verändert und wie?

Natürlich habe ich mich dadurch persönlich weiterentwickelt. Und ich glaube, dass jeder, auch die Frauen, durch politisches Engagement wachsen kann. Zu Beginn meiner politischen Karriere zum Beispiel hatte ich Angst, vor Publikum zu reden. Bei meiner ersten Rede im Bundestag im Januar 1980 rutschte ich in Vertretung einer erkrankten Kollegin in der Rednerliste nach vorne. Statt nur fünf Minuten hatte ich plötzlich lange 20 Minuten Redezeit und musste mich sehr kurzfristig vorbereiten. Außerdem wurde die Debatte im Fernsehen übertragen. Da war ich schon aufgeregt. Mittlerweile ist reden vor Publikum in gewisser Weise zur Routine geworden und bereitet mir keine schlaflose Nacht mehr. Manchmal ist es gut, wenn man einfach „gezwungen“ wird. Es ist einfacher, wenn man eine Funktion hat, zum Beispiel als Sprecherin einer Arbeitsgruppe zu berichten oder eine Sitzung zu eröffnen oder zu leiten. Das bringt Übung und nimmt die Angst.

Haben Frauen grundsätzlich weniger Interesse an Politik?

Nein. Ich denke, dass sich Frauen genauso für Politik interessieren wie Männer. Frauen haben jedoch meist ein anderes konkreteres Politikverständnis, darauf muss man aufbauen. Außerdem lehnen sie die allgemeine Definition von Macht ab.

Wie bekommen wir mehr Frauen in die Politik?

Unsere Bildungsangebote nutzen. Aktiv in die Parteigliederungen gehen und dort mitwirken. Sich mehr zutrauen und selber auf Positionen bewerben. Die Parteien müssen die Basis dafür schaffen, dass eine Ausgewogenheit bei den Mandaten zwischen Männern und Frauen hergestellt wird. Vielleicht wäre auch eine Wahlrechtsänderung hilfreich. Dazu muss man sich aber sehr vertiefte Gedanken machen.

Interview: Thomas Reiner

Starke Frauen - 100 Jahre Frauenwahlrecht 

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