Interessante Fragen rund um die Wahl

Warum wird in den USA dienstags gewählt?

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Kopf-an-Kopf: Barack Obama (l.) und Mitt Romney.

Das Rennen im US-Präsidentschaftswahlkampf bleibt auch nach der Zwangspause durch den Monstersturm Sandy spannend. Wir haben einige interessante Fragen rund um die Wahl zusammengestellt und beantwortet.

Das Rennen im US-Präsidentschaftswahlkampf bleibt auch nach der Zwangspause durch den Monstersturm Sandy spannend. In einer aktuellen Umfrage der Washington Post kommt Präsident Obama auf 48,56, Herausforderer Mitt Romney auf 48,49 Prozent. Was bedeutet da der gestern verkündete Anstieg der Arbeitslosenzahl um 0,1 auf 7,9 Prozent? Ereignisse der nächsten Tage können Auswirkungen auf die Wahl haben – aber vielleicht auch einige der hier aufgelisteten Eigenheiten des US-Wahlsystems. Wer ab Januar regiert, stellt sich erst nach der Auszählung der Stimmen heraus, die am Dienstag abgegeben werden – warum eigentlich wählen die Amerikaner immer dienstags?

Hat der Monstersturm Sandy Auswirkungen auf den Wahlausgang?

Möglich. Präsident Obama wurde die Möglichkeit geboten, sich als Krisenmanager zu profilieren. Das hat er so hervorragend gemacht, dass der New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg, jetzt parteilos, aber früher Republikaner, eine Wahlempfehlung für den Demokraten aussprach. Dass „Sandy“ möglicherweise ein Produkt des Klimawandels sein könne, mache die Gefechtslage im Wahlkampf sehr viel klarer, schrieb Bloomberg. „Wir brauchen Führerschaft vom Weißen Haus. Und in den vergangenen vier Jahren hat Präsident Barack Obama wichtige Schritte zur Senkung unseres Kohleverbrauchs unternommen.“ Noch bedeutsamer für Obama sind vielleicht die Lobeshymnen des republikanischen Gouverneurs des am schlimmsten getroffenen getroffenen Staates New Jersey, Chris Christie. Der hatte noch auf dem Republikaner-Parteitag eine flammende Rede für Mitt Romney gehalten.

Letztes TV-Duell Obama gegen Romney: Die Bilder

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Welches andere aktuelle Thema könnte die Wahlentscheidung beeinflussen?

Das sind die miteinander verbundenen Themen Wirtschaftsentwicklung und Arbeitslosigkeit. Die Arbeitslosenrate stieg zwar im Oktober leicht auf 7,9 Prozent, in der Wirtschaft wurden aber mit 170 000 neuen Jobs mehr Arbeitsplätze geschaffen als erwartet. Diese Zahlen sind die letzte veröffentlichte Momentaufnahme zur Wirtschaftssituation.

Wann fand die erste Präsidentschaftswahl statt?

1788, der erste Präsident war George Washington. Seither wird alle vier Jahre gewählt.

Warum wird an einem Dienstag gewählt?

Das wurde 1845 festgelegt. Was heutzutage recht willkürlich aussieht, hatte damals gute Gründe: die Wähler mussten teilweise von weither zu den Wahllokalen anreisen. Sie sollten die Möglichkeit haben, am Montag aufzubrechen, um dann am Dienstag ihre Stimme abgeben zu können. Gewählt wird am Dienstag nach dem ersten Montag im November, das gewährleistet, dass nicht am katholischen Feiertag Allerheiligen ein Urnengang stattfindet. Der Sonntag fiel von vornherein aus, weil der Kirchenbesuch nicht gestört werden sollte.

"Sandy" hinterlässt Chaos und verheerende Schäden

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Warum ist der Termin im November?

Diese Regel stammt aus der Zeit, in der die meisten US-Bürger in der Landwirtschaft beschäftigt waren. Im November war die Ernte eingefahren. Schon bevor 1845 der einheitliche Wahltermin über alle Bundesstaaten hinweg eingerichtet wurde, hielten die einzelnen Staaten die Wahlen im November ab.

Wer wird gemeinsam mit dem Präsidenten gewählt?

Ein Drittel der Kongressabgeordneten. Außerdem werden verschiedene Staats- und Kommunalparlamente bestimmt.

Obama hat seine Stimme schon abgegeben. Wie ging das?

Es gibt die Möglichkeit des früher Wählens („early voting“). Das kann als Briefwahl passieren, wie bei uns, oder in bestimmten Early Voting Wahllokalen in den einzelnen Staaten. Obama hat in Chicago gewählt.

Sprechen sich Medien für einen Kandidaten aus?

Viele Zeitungen geben kurz vor der Wahl Empfehlungen ab. Vor einigen Tagen haben sich die New York Times und die Los Angeles Times hinter Präsident Obama gestellt. Ingesamt liegt Obama laut der Website „American Presidency Project“ mit 34 zu 28 vor seinem Herausforderer Romney.

US-Wahlkampf in Schnappschüssen

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Warum wird über den Nachweis der Wahlberechtigung gestritten?

Die 50 Staaten haben unterschiedliche Anforderungen, wie sich die Wähler ausweisen müssen – durch ein Dokument mit Lichtbild, eines ohne Lichtbild oder gar nicht. Den Republikanern wird vorgeworfen, sie wollten Bürger der bildungsfernen Schichten von der Wahl abhalten.

Wie funktioniert das US-Wahlsystem?

Die Bürger wählen den Präsidenten nicht direkt, sondern geben ihre Stimme den sogenannten Wahlmännern. Insgesamt 538 von ihnen bilden die Wahlmännerversammlung. Die Zahl der Wahlmänner für einen Bundesstaat ergibt sich aus der Zahl seiner Kongressabgeordneten (insgesamt 435) und seiner Senatoren. Jeder Staat hat zwei Senatoren (=100), die Menge der Abgeordneten ergibt sich aus der Bevölkerungszahl. Drei Wahlmänner werden von der Hauptstadt Washington D. C. gestellt.

Welche Rolle spielen die Kandidaten-Frauen?

Eine große. Noch nie haben sich die Ehefrauen so vehement im Wahlkampf eingesetzt wie 2012 – das ist auf die Persönlichkeiten von Michelle Obama und Ann Romney zurückzuführen. „Das Duell zwischen den beiden wird die Sicht auf Frauen von Politikern verändern“, sagte Präsidentenforscher Charles Dunn (Regent University Virginia Beach) dem Stern. Gemeinsam haben die Gattinnen: Beide sind beliebter als ihre Männer.

Barbara Wimmer

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